Nach Chefwechsel und Absatzrekord

Volkswagen stellt sich Aktionären

30.04.2018
Volkswagen eilt von Rekord zu Rekord, die Autos werden verkauft wie nie - trotz des Abgasskandals und der drohenden Diesel-Fahrverbote. Die Frage ist: reicht das den Aktionären, die auch den überraschenden Chefwechsel verdauen müssen? Die Hauptversammlung wird es zeigen.

Milliardengewinne, Rekordabsatz, ein Chefwechsel und die Diesel-Misere: Der weltgrößte Autobauer Volkswagen sorgt für gemischte Gefühle bei seinen Aktionären. Mit starken Zahlen des vergangenen Jahres und einem soliden ersten Quartal im Rücken geht der Konzern trotz des Abgasskandals wieder in die Offensive. Dazu zählt der Wechsel auf dem Posten des Vorstandschefs: Herbert Diess, Leiter der Volkswagen-Kernmarke VW, übernahm von seinem Vorgänger Matthias Müller die Führung des Konzerns.

Auf der Hauptversammlung droht Gegenwind von den Aktionären.
Auf der Hauptversammlung droht Gegenwind von den Aktionären.
Foto: josefkubes - shutterstock.com

Am 3. Mai stellt sich Volkswagen auf der Hauptversammlung in Berlin den Fragen der Aktionäre - und muss trotz der jüngsten Rekordzahlen mit Gegenwind rechnen. All zu große Unruhe drohe voraussichtlich aber nicht, schätzte NordLB-Analyst Frank Schwope. Fragen werde es wohl zum Wechsel von Müller zu Diess geben.

Tempo für Innovationen soll erhöht werden

Sein Ziel sei es, beim größten Autohersteller der Welt das Tempo für Innovationen zu erhöhen und neue Akzente zu setzen, hatte Diess angekündigt. Es geht auch um einen Wandel hin zu einem Mobilitätskonzern. Die Autobranche ist mitten in einem umfassenden Veränderungsprozess hin zu alternativen Antrieben, mehr Vernetzung und autonomem Fahren. Dem bisherigen Konzernchef Müller soll intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen worden sein.

Volkswagen führt im Zuge eines massiven Konzernumbaus neue Markengruppen ein. Die schwere Nutzfahrzeugsparte soll fit gemacht werden für den Kapitalmarkt, die neuen Markengruppen "Volumen" (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge), "Premium" (Audi) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini). Dazu kommen die Einheiten Beschaffung/Komponente sowie Finanzdienstleistungen. Der Umbau soll dazu beitragen, den Konzern weniger zentral geführt aufzustellen.

Das ist aber nicht die einzige Herausforderung für den neuen Konzernchef: Gleichzeitig läuft die Aufarbeitung der Abgasaffäre weiter, außerdem muss Volkswagen den grundlegenden Wandel hin zu Elektromobilität und Digitalisierung bewältigen. Ab 2019 soll in Zwickau die elektrische ID-Modellfamilie vom Band rollen. Insgesamt will VW früheren Angaben zufolge in die Entwicklung von E-Autos, neue Mobilitätsdienste und Digitalisierung von 2018 bis 2022 mehr als 34 Milliarden Euro stecken.

Analyst Schwope urteilte jedoch jüngst, die Diesel-Affäre sei für VW wohl weitgehend ausgestanden. Das zeigt sich am guten Lauf im Tagesgeschäft - auch im ersten Quartal gab es einen neuen Auslieferungsrekord. Außerdem schrieb Volkswagen in den ersten drei Monaten unterm Strich wieder Milliardengewinne, allerdings fiel das Ergebnis mit rund 3,3 Milliarden Euro etwas geringer aus als im Vorjahreszeitraum (3,4 Milliarden Euro). (dpa/ad)

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