US-Technologien

Vor welchen Produkten wir Angst haben sollten



Steffen studierte in Tralee (Irland) Informatik. Anfang der 90er war er Mitgründer von SimpleWork, das man 96 verkaufte. Anfang 97 wurde er Interims-IT-Leiter bei Maxdata, Ende 97 war er Mitgründer der Beans AG und 2001 Mitgründer der Lobster GmbH. Dort ist er Leiter Software-Entwicklung.
Viele aktuelle Technologien und Produkte kommen aus den USA. Jetzt verändert die US-amerikanische Wirtschaftspolitik die Rahmenbedingungen.

Man fragt sich ja zuweilen, welche Kernkompetenzen die USA wirklich besitzen. Und mit welchen Produkten sie den Weltmarkt zukünftig bestimmen wollen. Erstaunlich ist, dass Jean-Claude Juncker mit Donald Trump Ende Juli ausgehandelt hat, dass die USA vor allem mehr Sojabohnen und Flüssiggas nach Europa exportieren wollen. Und wir hatten Angst vor den großen Tankern mit den Namen Google, Microsoft, Apple, Facebook und Amazon.

Donald Trump fordert eine andere Handelspolitik mit Europa.
Donald Trump fordert eine andere Handelspolitik mit Europa.
Foto: Gino Santa Maria - shutterstock.com

Apropos Amazon: Wie sehr digitale Geschäftsmodelle erfolgreich sind, zeigen die letzten Quartalszahlen des Konzerns. Der Ansatz lautet Diversifizierung. Neben dem traditionellen Onlinehandel beschäftigt sich das Unternehmen aus Seattle auch mit der Vermarktung von Videos und Musik, mit Bezahldiensten und mit dem Vertrieb von Lebensmitteln. Gleichzeitig ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von 33 Prozent der größte Anbieter von Cloudservices weltweit.

Wer all das sieht, weiß, dass die Daten, die Unternehmen für die angebotenen Geschäftsprozesse erheben und verarbeiten, durch viele Systeme laufen: Von der Bestellplattform zum Anbieter, von dort zum Hersteller und zum selbständigen Lageristen, der letztlich die Verfügbarkeit prüft. Hinzu kommen Versand- und Rechnungsdaten zwischen Herstellern, Lieferanten, Logistikern und Kunden. Und vielleicht erhalten sogar der Hersteller und der Materiallieferant aus diesen Daten Informationen, die ihnen erlauben, ihre Produktionsplanung zu optimieren.

Gut also, dass die Datenintegration, ohne die nichts laufen würde, bisher nicht in den Händen der fünf IT-Tanker liegt. Nicht auszudenken, wenn man für jede Transformation von Daten von einem in ein anderes System Porto zahlen müsste. Da hilft nur, den Prozess selbst in die Hand zu nehmen und auf standardisierte Art jederzeit selbst flexibel zu bestimmen, wer wann welche Daten in welcher Form erhält.

Das bei Amazon erhältliche Buch "How to avoid huge ships" von Capitain John W. Trimmer (nicht zu verwechseln mit der Comic-Parodie) könnte mit Blick auf die IT-Tanker eine spannende Lektüre sein. Aber wie das so ist: Gibt es wenige Anbieter und wenige Produkte, steigt der Preis. Für 112 Seiten liegt er für das schmale Bändchen derzeit zwischen 299,58 Euro und 1112,00 Euro - plus Versandkosten.

Wenige Anbieter und noch nicht viele taugliche Produkte auf dem Markt - das gilt auch für den nächsten Boom, vor dem wir uns aus den USA fürchten müssen. Gemeint ist die Künstliche Intelligenz. Neben IBM, die mit ihrem Forschungszentrum Watson in München seit einem guten Jahr am Start sind, hat auch Amazon das Geschäftsfeld entdeckt. Und sich in Deutschland für Tübingen als Standort entschieden. Der Bildungsstandort Deutschland scheint eine gute Basis für die nächste Stufe der Intelligenz zu sein.

Bei der kommenden Welle der Zukunftstechnologien haben also immer noch die US-Konzerne die Nase vorn - wenn sich auch die Gewichte leicht nach Europa verschieben. Mit Blick auf Soja und Flüssiggas und die Präferenzen der US-Wirtschaftspolitik könnte sich das demnächst weiter ändern. Vielleicht wittert Deutschlands IT ja schon Morgenluft. Aus Software-Sicht sollten wir uns jedenfalls weiterhin wünschen, dass beim Thema Künstliche Intelligenz das Weiße Haus außen vor bleibt.

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