Distributed Ledger

Wann lohnt sich der Einsatz einer Blockchain?

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Big Data / Analytics und Digitale Transformation.
Einsteigen oder abwarten? – Diese Frage stellen sich nicht wenige IT-Chefs, wenn es um Blockchain-Technologien geht. Experten raten, schon jetzt zu prüfen, für welche Geschäftsprozesse sich eine Blockchain eignet und wo sie gegenüber hergebrachten IT-Konzepten Vorteile bringen kann.

"Wenn Sie warten, bis sich alle Dinge geklärt haben, könnte es zu spät sein", sagt Martha Bennett, Principal Analyst und BlockchainBlockchain-Expertin beim Marktforschungs- und Beratungshaus Forrester Research. Die Innovationsgeschwindigkeit im IT-Sektor sei derart hoch, dass Unternehmen nicht auf abgeschlossene Entwicklungen in einem Technologiefeld warten dürften. Die aktuelle Situation im Blockchain-Sektor beschreibt sie als "Wilden Westen", der sie an die frühen Tage des Internets erinnere. Damals wie heute sei weitgehend offen, wie sich die Technik weiterentwickle. Das aber dürfe Unternehmen nicht davon abhalten, sich damit auseinanderzusetzen. Alles zu Blockchain auf CIO.de

Pilotprojekte gibt es reichlich im Blockchain-Sektor. Beispiele für den produktiven Einsatz sind noch rar.
Pilotprojekte gibt es reichlich im Blockchain-Sektor. Beispiele für den produktiven Einsatz sind noch rar.
Foto: buffaloboy - shutterstock.com

Doch wie sollen CIOs, IT- und Business-Verantwortliche an das Thema herangehen? Pilotprojekte gibt es mittlerweile auch in Deutschland reichlich, im Produktivbetrieb hat sich aber bislang kaum eine Blockchain-Implementierung bewährt. Allerdings reden diejenigen, die sich davon handfeste Wettbewerbsvorteile versprechen, aus naheliegenden Gründen oft nur ungern darüber.

"Blockchain ist ein Teamsport - es geht um Sharing"

Bennett rät Unternehmen wie auch Behörden, zuerst zu prüfen, für welche Prozesse sich eine Blockchain grundsätzlich eignet - und für welche nicht. Um herauszufinden, ob es einen Use Case für Distributed-Ledger-Installationen gebe, müssten Entscheider die konzeptionellen Unterschiede zu klassischen IT-Systemen verstehen. So ließen sich beispielsweise mithilfe relationaler Datenbanken noch immer die meisten Transaktionsaufgaben einer Organisation abdecken.

Gehe es aber um unternehmensübergreifende CollaborationCollaboration, biete eine Blockchain klare Vorteile: "Distributed Ledger ist ein Teamsport. Es geht um höchst vertrauenswürdige Daten und darum, diese zu teilen." Eine Frage bei der ersten Evaluierung könne lauten, ob es mehrere Abteilungen oder auch Geschäftspartner gibt, die ähnliche Probleme beim Prüfen und Abgleichen von Transaktionen haben und welche Vorteile eine Blockchain dabei bringen könne. Alles zu Collaboration auf CIO.de

Forrester-Analystin Martha Bennett: „Blockchain ist ein Teamsport. Es geht um vertrauenswürdige Daten und um Sharing.“
Forrester-Analystin Martha Bennett: „Blockchain ist ein Teamsport. Es geht um vertrauenswürdige Daten und um Sharing.“
Foto: Forrester

Ein aktuelles Beispiel liefert we.trade, ein Konsortium aus neun europäischen Banken. Die Institute entwickelten gemeinsam eine Blockchain, über die sie Handelsfinanzierungen für kleine und mittelständische Unternehmen abwickeln. Das System basiert auf der IBM Blockchain Plattform, die Technologie des Open-Source-Projekts Hyperledger Fabric nutzt. Die Blockchain erleichtere allen Beteiligten die Abwicklung von Inlands- und Auslandsfinanzierungen, berichten we.trade-Verantwortliche. Jenseits dieser Kooperation konkurrieren die Banken wie gehabt miteinander.

Um zu entscheiden, ob ein Blockchain-Einsatz sinnvoll ist, hat Forrester-Analystin Bennett eine Checkliste entwickelt, die typische Einsatzkriterien nennt. Dazu gehören unter anderem:

  • wenn mehrere Parteien dieselben Daten benötigen und in denselben Daten-Pool schreiben möchten,

  • wenn alle Parteien nachweisen müssen, dass Daten valide und nicht manipuliert worden sind,

  • wenn ein bestehendes System fehlerbehaftet, zu komplex und zu unzuverlässig ist,

  • wenn es gute Gründe gegen ein einziges zentrales System wie etwa eine relationale Datenbank gibt.

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