Aus für Lightning

Was das USB-C-Mandat für Apple (-Nutzer) bedeutet

Lucas Mearian schreibt für unsere US-Schwesterpublikation Computerworld.com.
Die EU macht USB-C für Gerätehersteller zur Pflicht. Das trifft vor allem Apple, denn das bedeutet das Aus für den Lightning-Anschluss.
Die EU bereitet Apples Lightning-Anschluss ab 2024 den Garaus.
Die EU bereitet Apples Lightning-Anschluss ab 2024 den Garaus.
Foto: charnsitr - shutterstock.com

Die Europäische Union hat beschlossen, die Hersteller von elektronischen Geräten dazu zu verpflichten, ab 2024 den USB-C-Standard zu übernehmen. Das betrifft vor allem AppleApple (-Nutzer). Denn nicht nur das meistverkaufte Produkt des Unternehmens - das iPhoneiPhone - verwendet bislang den proprietären Lightning-Anschluss. Medienberichten zufolge ist ein USB-C-fähiges iPhone jedoch bereits in Arbeit. Alles zu Apple auf CIO.de Alles zu iPhone auf CIO.de

Das provisorische Abkommen, auf das sich Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments geeinigt haben, soll noch 2022 formell verabschiedet werden. Damit würden die neuen Regeln für Ladegeräte ab Herbst 2024 gelten.

USB-C für Europa, Lightning für die USA?

Das würde bedeuten, dass iPhones und AirPods, die in der EU verkauft werden, zu diesem Zeitpunkt mit den bereits allgegenwärtigen USB-C-Anschlüssen ausgestattet sein müssen. Die EU-Verordnung besagt außerdem, dass Geräte deutlich gekennzeichnet werden müssen, um ihre Lade- und Datenübertragungskapazitäten zu identifizieren. In erster Linie wird mit dem USB-C-Standard das Leben für Consumer leichter, die nicht mehr darauf achten müssen, ob ihr Ladegerät nun passt oder nicht.

Dabei sollen die User auch die Wahl haben, ob sie neue elektronische Devices mit oder ohne Ladegerät kaufen möchten. Das könnte Verbrauchern kurzfristig Geld sparen, dürfte bei Apple aber dazu führen, seine Produkte ohne Ladegeräte und Kabel auszuliefern - meint zumindest Ryan Reith, Vice President bei den Marktforschern von IDC. Auf die Käufer kämen also zusätzliche Kosten zu.

Reith geht nicht davon aus, dass Apple sämtliche Devices weltweit auf USB-C umstellen wird, auch wenn das einige Analysten und Branchenbeobachter glauben: "Apple verdient eine Menge Geld mit proprietärem Zubehör, genauso wie seine Partner, die Lightning-Kabel herstellen. Ich glaube nicht, dass die EU-Richtlinie zur Folge hat, dass Apple sein gesamtes Portfolio sofort auf USB-C umstellen wird - es sei denn, sie werden dazu gezwungen."

Jack Gold, leitender Analyst bei J. Gold Associates, erwartet, dass Apple zumindest auf dem US-Markt die Einführung von USB-C für iPhone und AirPods hinauszögert: "Das wird im Wesentlichen davon abhängen, ob sich eine Fertigung mit zwei verschiedenen Anschlüssen für Apple als nachteilig erweist. Ich rechne jedoch damit, dass Apple früher oder später alle seine Produkte auf USB-C umstellen wird - was meines Erachtens eine gute Sache für die Verbraucher ist." Auch in Großbritannien dürfte der neue EU-Standard nicht eingeführt werden, wie die BBC berichtet.

Apple hat sich bislang nicht zu den EU-Plänen geäußert, arbeitet aber laut IDC-Mann Reith schon seit längerem an der Entwicklung von USB-C-kompatiblen Geräten: "Einige iPads sind schon seit Jahren USB-C-kompatibel. Sie wussten, dass das kommen wird."

Der auf Apple spezialisierte Analyst Ming-Chi Kuo geht davon aus, dass das iPhone 15 USB-C kompatibel sein wird, wenn es 2023 auf den Markt kommt. Das für September 2022 erwartete iPhone 14 werde dagegen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiter mit einem Lightning-Anschluss ausgeliefert:

Geschäft vor Innovation?

Die EU-Richtlinie gilt für alle "kleinen und mittleren" tragbaren elektronischen Geräte. Dazu gehören nicht nur Mobiltelefone, sondern auch TabletsTablets, E-Reader, Digitalkameras, Kopfhörer und Headsets, tragbare Videospielkonsolen und Lautsprecher, die über ein Kabel wiederaufladbar sind. Auch Laptops müssen innerhalb von 40 Monaten nach Inkrafttreten der Richtlinie an die Anforderungen angepasst werden. Alles zu Tablets auf CIO.de

Nach Ansicht des EU-Parlaments wird die neue Regelung zu einer Verringerung des Elektroschrotts führen wird, da mehr Ladegeräte für verschiedene Geräte wiederverwendet werden können. Schätzungen zufolge machen ausrangierte und unbenutzte Ladegeräte circa 11.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr aus. Zudem soll die Einführung eines gemeinsamen Ladestandards den Verbrauchern bis zu 250 Millionen Euro für Ladegeräte sparen, heißt es von Seiten der EU.

USB-C unterstützt USB4, die neueste und schnellste USB-Spezifikation, die Datenübertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 40 Gbit/s ermöglicht. Zum Vergleich: Lightning überträgt Daten mit USB-2.0-Raten von 480 Mbit/s. USB-C wird bereits von den meisten modernen Geräten unterstützt, zum Beispiel von Android-Smartphones, Windows-PCs, PlayStation 5 und Xbox Series X oder auch dem iPadiPad Pro (3. Generation und neuer). Alles zu iPad auf CIO.de

Laut Analyst Gold ging es bei Apples Verwendung von proprietären Anschlüssen mehr darum, die Kontrolle über Peripheriegeräte zu haben, als darum innovativ zu sein: "Ich bin mir sicher, dass Apple es vorziehen würde, bei seinen proprietären Anschlüssen zu bleiben, anstatt auf USB-C zu standardisieren. Apple macht eine Menge Umsatz mit seinen Lightning-Peripheriegeräten und den Lizenzgebühren von Drittanbietern." (fm/hv)

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation Computerworld.

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