Industrie 4.0

Was Mitarbeiter künftig können müssen



Ulrich Ahle ist Head of Consulting & Systems Integration Market Manufacturing, Retail and Transportation beim IT-Dienstleister Atos.

Communities of Practice bieten eine Möglichkeit, diese unterschiedlichen Informationen schnell als Feedback an die Entwicklungs- oder Arbeitsvorbereitungsabteilung zurückzuspielen. Ähnlich wie bei Linkedin oder Xing kann damit ohne Rücksicht auf Hierarchien und Abteilungsgrenzen jeder mit jedem kommunizieren. In solchen Communities finden sich Kollegen ein, die sich nicht zwangsläufig kennen müssen. Sie geben Kommentare ab, stellen Fragen, tauschen sich aus und generieren so wertvolle Ideen.

Industrie 4.0: Auswirkung auf Konsumenten und Produkte

Nicht zuletzt wird sich Industrie 4.0 auch beim Konsumenten bemerkbar machen: Endverbraucher werden die Möglichkeit haben, Produkte nach ihren individuellen Wünschen anstatt von der Stange zu kaufen. Ähnlich wie es heute beim Autokauf schon der Fall ist, können die Käufer ihre Wünsche vor der Herstellung äußern - und erhalten dann ein maßgeschneidertes Produkt, das dennoch bezahlbar ist.

Der nächste Schritt ist das Smart Product: Intelligente Produkte weisen über ihren gesamten Produktlebenszyklus einen hohen Grad an Konnektivität auf. Sie interagieren mit dem Nutzer: So kann ein Auto den Fahrer auf die nächste Tankstelle hinweisen, wenn es anhand des Fahrstils kalkuliert, mit der vorhandenen Füllung die Strecke nicht zu schaffen.

Oder es stellt fest, dass es früher oder später als geplant zum nächsten Werkstatttermin muss. Schon heute unverzichtbar: das Smartphone. Aufgrund offener Architekturen lassen sich Anwendungen von Drittanbietern integrieren, die den ursprünglichen Nutzen des Telefonierens anreichern. So kommt es als Navigationsgerät ebenso zum Einsatz wie als kleine Spielkonsole, Fitness-Tracker oder Taschenlampe.

Industrie 4.0 durchdringt alle Fertigungsbereiche. Es entstehen Produkte, die sich selbst überwachen, steuern und konfigurieren können.
Industrie 4.0 durchdringt alle Fertigungsbereiche. Es entstehen Produkte, die sich selbst überwachen, steuern und konfigurieren können.
Foto: Experton Group

Mehr Informationsaustausch, mehr Flexibilität

Bisher konzentriert sich Industrie 4.0 auf die Zusammenarbeit innerhalb der Grenzen einer Fabrik. Doch für Unternehmen wird der globale Kontext immer wichtiger. Sie wollen ihre Fabriken vergleichbar und flexibel machen, etwa indem sie Produkte je nach Bedarf an mehreren Stellen produzieren können. Die Vorgabe lautet: Entwickle ein Produkt und befähige die Anlagen, Prozesse und Organisation, es überall in der Welt herzustellen. Dabei werden Produkte immer stärker variieren und auf individuelle Kundenwünsche zugeschnitten, gleichzeitig verkürzen sich die Produktionszyklen.

Konsequenz dieser Entwicklung: Unternehmen und ihre Mitarbeiter müssen um einiges flexibler werden, als das bisher der Fall war. Denn mit den heutigen Strukturen lassen sich die zunehmende Komplexität und Geschwindigkeit in der Produktion, wie sie der globale Wettbewerb vorgibt, nicht meistern. Das wird nur gelingen, wenn die reale Fabrik zeitnah mit der virtuellen Welt der IT-Systeme verbunden ist, so dass von der Produktionshalle bis zum oberen Management aufgrund konsistenter Informationen bessere Entscheidungen getroffen werden können.

Diese immer größer werdende Komplexität müssen die Mitarbeiter von morgen managen. Da die einfacheren Handgriffe immer mehr von Maschinen übernommen werden und der Mensch vermehrt administrative Aufgaben übernehmen muss, steigt auch seine Verantwortung signifikant. Wenn auch die Automatisierung eine wichtige Rolle spielt, bleibt der Mitarbeiter das zentrale Element. Denn nur er ist letztlich in der Lage, Zusammenhänge in den Kontext zu bringen und jederzeit situativ zu entscheiden.

Zur Startseite