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Kulturwandel bei der Metro AG

Wenn der CIO zum Blogger wird

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Metro-CIO Timo Salzsieder sieht den Hype um die digitale Transformation kritisch. Sein Thema ist der kulturelle Wandel, den er nicht nur in der IT des Handelskonzerns vorantreibt.
Teamwork: Metro-CIO Timo Salzsieder (r.) betätigt sich als Blogger. Felix Lindemann, COO der Tech-Unit Metronom, modernisiert das Backend.
Teamwork: Metro-CIO Timo Salzsieder (r.) betätigt sich als Blogger. Felix Lindemann, COO der Tech-Unit Metronom, modernisiert das Backend.
Foto: Jan Voth

Transformation, digitaler Wandel und digitale Geschäftsprozesse: Mit solchen Begriffen hat Timo Salzsieder eher ein Problem: "Das klingt für mich so, als hätten wir vorher nie mit Strom gearbeitet." Am Ende gehe es um IT. Und damit beschäftige sich die MetroMetro schon ziemlich lange. Top-500-Firmenprofil für Metro

Eine explizite DigitalisierungsstrategieDigitalisierungsstrategie für die Metro gebe es nicht, so der CIO. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg sei vielmehr das Umsetzen der Omnichannel-Strategie: "Die IT ist dabei ein zentraler Bestandteil und stellt beispielsweise Online-Shops und die mobile Infrastruktur bereit." Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Wichtiger als die aufgeregte Diskussion über die digitale Transformation ist ihm der kulturelle Wandel: "Wir arbeiten wertegetrieben." Das bedeute unter anderem, "dass wir unseren Mitarbeitern vertrauen". Beispiel Home OfficeHome Office: Mitarbeiter der konzerneigenen Tech-Unit Metronom könnten auf Wunsch ihre gesamte Arbeitszeit im heimischen Büro verbringen. Salzsieder: "Wir setzen auf Selbstorganisation und Selbstregulierung." Sollte es Probleme mit der Arbeit eines "Heimarbeiters" geben, würden diese im Team geregelt, nicht von einer disziplinarischen Führungskraft. Alles zu Home Office auf CIO.de

Betroffen vom War for Talents

Dass Salzsieder das Thema Kultur so hoch hängt, hat auch mit seiner Rolle als CEO von Metronom zu tun. Erst im April 2018 ist Metronom aus zwei getrennten IT-Einheiten der Metro hervorgegangen, darunter die einstige Metro Systems, die laut dem CIO mit einem "etwas angestaubten Image" zu kämpfen hatte. Die IT-Organisation habe sich verändern müssen, um für IT-Experten attraktiver zu werden.

Salzsieder stieß eine umfassende Branding-Kampagne an, buhlte mit Guerilla-Marketing um junge Talente anderer Unternehmen und schaffte schließlich einen Imagewandel. Seine vorläufige Bilanz: "Es ist heute cool, für Metronom zu arbeiten." Die Zufriedenheitswerte der Mitarbeiter hätten sich deutlich verbessert.

IT-News stehen in Timo's Blog

Doch es ging nicht nur um die Außenwahrnehmung. Intern setzte Salzsieder an verschiedenen Punkten an, um den kulturellen Wandel zu befeuern: "Mir geht es vor allem um Transparenz, Vertrauen und eine offene Kommunikation." Alle zwei Wochen etwa postet er in einem persönlichen Blog einen Beitrag. Rund 600 Mitarbeiter diskutieren in "Timo's Blog"; Salzsieder nimmt sich die Zeit, auf die zahlreichen Kommentare zu antworten.

Ein anderes Kommunikationsformat heißt "Ask the Management" (ATM). Mitarbeiter können dabei das Management intensiv befragen. Das geschieht im Rahmen einer Veranstaltung für Mitarbeiter, die auch als Live-Session im Intranet des Handelskonzerns übertragen wird. Alle acht Wochen findet zudem ein "Townhall-Meeting" statt, an dem alle Metronom-Kollegen weltweit teilnehmen können.

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