Das Telefon-Revival

Wie Amazon Echo Ihr Büro erobert

Kommentar  09.06.2017
Von Mike Elgan
Das Telefon ist vielleicht tot - telefonieren aber ist für die Ewigkeit. Wir erklären Ihnen, wie innovativ Sie in Zukunft geschäftlich telefonieren.

"The Phone is already dead", ließ Microsoft-Visionär und Hololens-Boss Alex Kipman Anfang Mai 2017 verlauten. Die Tech-Plattform "Wired" veröffentlichte ungefähr zur selben Zeit einen Artikel mit der Überschrift: "It’s not just you - the lowly phone call is making a comeback". Die Basis des Artikels bildet in erster Linie das Wunschdenken von MIT-Wissenschaftlern und der US-Soziologin Sherry Turkle.

Könnte es tatsächlich sein, dass beide oben genannten Aussagen zutreffen? Ich meine ja. Konventionelle Festnetztelefone sind definitiv tot. Der Akt des Telefonierens jedoch ist für die Ewigkeit. Die Gründe, die mich zu diesen Aussagen bewegen, werden Sie eventuell überraschen:

Lesen Sie, warum - und wie - Amazon Echo auch in Ihrem Büro Einzug halten wird.
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Foto: pianodiaphragm - shutterstock.com

Der Niedergang des Festnetztelefons?

Ich bekenne: Ich liebe Festnetztelefone. Sie liefern zuverlässig gute Sprachqualität, ganz ohne seltsame Verzögerungen, Ausfälle und die gewohnte, hundertfache Repetition des Satzes "Und wie ist es jetzt?!". Herkömmliche Telefone an einer TAE-Dose müssen auch nicht aufgeladen werden. Und man weiß immer, wo man sie findet. Vorausgesetzt, es handelt sich nicht um schnurlose Exemplare.

Echte Festnetztelefone (nicht zu verwechseln mit den VoIP-Abkömmlingen) "streamen" Sprache über eine unabhängige, zweiadrige Kupferleitung. Sie liefert auch gleichzeitig den Strom. Im Falle eines Blackouts funktioniert das Festnetztelefon also weiterhin. Wegen ihrer Zuverlässigkeit sind Festnetztelefone inklusive einer vorgeschalteten Telekommunikationsanlage auch ganz besonders gut für den Einsatz in Unternehmen geeignet. Wenn Sie an einem Schreibtisch sitzen, werden Sie dort ohnehin Ihre Telefonanrufe tätigen. Wieso also Zuverlässigkeit und Sprachqualität zu Gunsten von Mobilität aufgeben?

In den USA hat die Festnetztelefonie im Mai 2017 allerdings einen unheilbringenden Meilenstein erreicht: Zum ersten Mal seit 100 Jahren besitzt die Mehrheit der amerikanischen Haushalte keinen Festnetzanschluss mehr. Eine Studie des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zeigte, dass inzwischen 50,8 Prozent der US-Haushalte zur Kategorie "mobile only" gehören.

Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle, was eine Gesundheitsbehörde mit Telefonen am Hut hat. Wie sich herausgestellt hat, geht die Akzeptanz konventioneller Festnetztelefonie beim Menschen statistisch mit einer im Allgemeinen geringeren Risikobereitschaft einher. Während die Mobile-Only-Generation in der Regel dem Risiko erliegt, zu viel zu trinken und zu rauchen, leben die Festnetz-Menschen wie abstinente Einsiedler. Das untermauern weitere Daten der Studie: 29 Prozent der Amerikaner ohne Festnetzanschluss neigen zum übermäßigen Alkoholkonsum, wohingegen nur 18 Prozent der Festnetz-Besitzer eine solche Vorliebe an den Tag legen. Wer dem Festnetz also abtrünnig geworden ist, stellt offensichtlich ein Gesundheits- und Sicherheitsrisiko dar.

Der Fluch konventioneller Telefonie

Wenn Festnetztelefonie qualitativ besser und zuverlässiger ist, warum wenden sich die Leute von dieser Technologie ab? Der entscheidende Faktor an dieser Stelle ist Bequemlichkeit. Und zwar in erster Linie für den Anrufer. Schließlich sind Festnetztelefone mit einem Ort verbunden, nicht mit einer Person. Man ruft als eine Örtlichkeit an, kein Individuum. Wenn jemand Sie erreichen will, ruft er auf Ihrem Mobiltelefon an und nicht das den Ort (Büro oder Zuhause), wo er Sie vermutet.

Einige Festnetz-Anhänger beschweren sich inzwischen schon, dass die einzigen Anrufe, die sie noch bekommen, Werbezwecken dienen. Schließlich erlaubt es ein Festnetztelefon in der Regel nicht so einfach wie ein Smartphone, Anrufe zu blockieren. Also geht der Spam-Regen weiter. Außer, man schafft das Festnetz ab oder schaltet eine teure TK-Anlage vor das Telefon. Darüber hinaus lassen sich über den Telefonanbieter bestimmte Anrufernummern sperren.

Das Smartphone hat aktuell die Nase vorn. Aber auch das schlaue Mobiltelefon ist zum Telefonieren nicht die beste Wahl. Der Akku stirbt, die Verbindung bricht ab, im Straßenverkehr sorgt es zunehmend für Gefahr. Die meisten Probleme und Hindernisse mit der Telefonie sind bei jeder Art von Telefonapparaten gleich: Ungewollte Marketing-Belästigungen, falsch verbunden, Streichanrufe und wenn man eine Nachricht hinterlassen möchte, dauert das Ewigkeiten. Ein Telefongespräch ist außerdem eine synchrone Kommunikationsform - und wir alle wissen, ist es oft ein schwieriges Unterfangen, jemals irgendjemanden "zur rechten Zeit" zu erreichen.

Einige von uns akzeptieren diese Einschränkungen - andere sehen stattdessen davon ab, zu telefonieren und sind auf Messaging-Dienste umgestiegen. Doch es gibt gute Nachrichten: Meiner Meinung nach werden all diese Probleme bald der Vergangenheit angehören.

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Bernd Hagemann

Hallo Herr Elan,
unabhängig davon, dass mir persönlich dafür graut, einer KI (aus welchen IT-Konzern auch immer) die Planung meines Lebens anzuvertrauen: Ich befürchte, hier in Deutschland sind wir noch sehr weit von Ihrem Traum entfernt. Derzeit haben wir nicht einmal flächendeckend eine einfache LTE-Abedeckung, geschweige denn, wirklich schnelle Leitungen. Und genau solche Verbindungen in die USA benötigen die von Ihnen genannten Systeme. Denn schließlich ist nicht der Lautsprecher - also ALEXA - mit einer KI ausgestattet, sondern die gesamte Rechenleistung liegt auf den Firmenservern von an ihren Daten sehr interessierten Firmen Amazon oder Google in den USA inkl. NSA/CIA-Zugriff. Wenn deutsche Unternehmen schon so doof sind und Kundenkommunikation über Facebook/ WhatsApp und Konsortien abwickeln, müssen sie ja nicht unbedingt beweisen, dass sie noch dümmer sind und die gesamte Firmen-Kommunikation einem US-Konzern anvertrauen. Dann können wir auch gleich alle Patente an Firmen in den USA verschenken und wieder in Höhlen wohnen.

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