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Praxistauglichkeit des iPad Pro 11 Zoll

Wie Apple ein tolles Gerät ruiniert



Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf. Er versteht es diese Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig.
Am 30. Oktober hat Apple die neue iPad-Pro-Generation vorgestellt, seit dem 7. November sind die Geräte im Handel erhältlich. Allerdings sorgen die schnelle Verfügbarkeit und die vielen Veränderungen nicht ausschließlich für Freude.

Ich habe voller Freude das iPadiPad Pro 11 Zoll in den Betrieb genommen, aber das, was sich mir geboten hat, ist mit Worten der Enttäuschung nicht zu beschreiben. Alle Reviews zeigen, wie fantastisch der Stift funktioniert und wie toll die Performance ist, das nützt aber alles nichts im praktischen Einsatz. Alles zu iPad auf CIO.de

Das iPad Pro soll besser als die meisten PC-Notebooks sein.
Das iPad Pro soll besser als die meisten PC-Notebooks sein.
Foto: Apple

Das iPad Pro ist ein gutes Gerät mit vielen positiven Aspekten, aber ich möchte mich hier nicht in den (Lob-)Gesang der bisherigen Reviews einstimmen. Ich möchte einen Blick aus Sicht einer Person beschreiben, die ihren beruflichen Alltag ausschließlich mit einem iPad (seit Jahren) bestreitet und dieses jetzt gefährdet sieht. Hier vier kritische Punkte:

Die Tastatur

Die neue Tastatur ist absolut untauglich. Sie wird am Rücken des iPads mit Magneten festgehalten. Apple hat dies mit Worten ausreichend gelobt. Diese Lösung funktioniert zwar in der normalen Praxis, in der Hetze zwischen Meetings, quasi gar nicht.

  • Die Tastatur wird nicht mehr geschützt. Die Art der Montage sorgt dafür, dass die Tastatur ungeschützt auf dem Tisch liegt, wenn das iPad als "Tablet" genutzt wird.

  • Die Magnethalterung der Tastatur verschiebt sich sehr leicht. Das iPad verliert beim Aufklappen schnell den Kontakt zu den Haltemagneten und man muss "schieben" damit das iPad wieder Kontakt hat.

  • Klappt der Anwender die Tastatur nach vorne, weil er das iPad nicht mehr als Tablet, sondern mit Tastatur im Zugriff auf dem Tisch nutzen möchte, hat man die Tastatur auf einmal in der Hand.

  • Das ist aber alles nicht das schlimmste. Am schlimmsten empfinde ich persönlich, dass das iPad beim Bedienen wackelt. Früher war das iPad "stabil" und man konnte auf den Bildschirm tippen. Jetzt wabbelt das iPad vor und zurück.

Wenn ich das Ganze nun mit der Tastatur des Vorgängers vergleiche, muss ich dieser Tastatur die Schulnote 4- geben. Sie funktioniert grundsätzlich, ist aber im Alltag ein absoluter Rückschritt. Für mich ein #Keyboard-Gate.

Apps

Das iPad Pro 10,5" hat jetzt 11 Zoll Bildschirmdiagonale. Das ist auf den ersten Blick, gerade nach dem Einschalten, ein enormer Vorteil. Die sichtbare Fläche ist berauschend. Was nützt das Ganze aber, wenn die Apps es nicht unterstützen? Für diesen Fall geht das iPad in einen Kompatibilitätsmodus. Dieser zeigt eine App "kleiner" an und mit schlechterer Auflösung. Bei Spielen wie PUBG ist das sicherlich "ärgerlich", aber verhindert nicht den originären Zweck - denn das Spiel ist spielbar.

Im Produktivitätsumfeld ist das ärgerlich, denn hier kommt es durch die andere Darstellung sogar zum "Verdecken" von Elementen, die (teilweise) zum Bedienen notwendig sind.

iPad Pro: Bei nicht angepassten Apps werden teilweise wichtige Elemente nicht angezeigt.
iPad Pro: Bei nicht angepassten Apps werden teilweise wichtige Elemente nicht angezeigt.
Foto: Mark Zimmermann

Externer Monitor

Ich freute mich sehr darüber, dass ich mit dem neuen iPad Pro das USB-C Dock meines MacBook Pro nutzen kann, um das neue iPad Pro an einen externen Monitor anzuschließen. Es ist mir klar, das mit iOS 12 so etwas wie Massenspeicher, Drucker und Co. sich nicht anschließen lassen (das kommt sicher mit iOS 13) aber was sich mir am Bildschirm bot ist mehr als merkwürdig. Ich sah in der Mitte meines Monitors die iPad-App. Ich verstehe ja schon, dass eine App nicht die volle 16:9 Breite im Standard nutzen kann ... aber warum wird das Ganze nicht wenigstens so groß dargestellt, wie es sich technisch ermöglichen lässt? Die "schwarzen" Ränder sind unbegreiflich.

Ein Blick in die Eigenschaften des zweiten Monitors am iPad hat gezeigt, dass man da (noch) nichts einstellen kann.

Einstellungen für den externen Monitor sind quasi nicht möglich.
Einstellungen für den externen Monitor sind quasi nicht möglich.
Foto: Mark Zimmermann

Performance

Die CPU- und GPU-Benchmarks des Gerätes sind beeindruckend. Daran möchte ich gar nicht rütteln. Das App-Entwickler ihre Apps anpassen müssen, ist etwas, das ich technisch grundsätzlich verstehe, aber in der Praxis nicht akzeptieren will. Wir bekommen hier ein hochpreisiges Gerät, das nicht arbeitsfähig ist. Die Entwickler sind nicht einmal schuld - die haben das Gerät jetzt auch zum ersten Mal in den Händen. Sicherlich wird es Anpassungen geben, aber warum hat Apple die nicht selbst schon gemacht?

Haben Sie ein iPad Pro 11" ? Gehen Sie einmal in den AppStore und scrollen Sie durch die Liste Ihrer bereits erworbenen Apps. Das Ruckeln hier ist schlimmer als es auf einem iOS-Gerät jemals war.

Fazit

Das iPad Pro besitzt zugegeben eine tolle Hardware (abgesehen von der Tastatur). Allerdings reift das Produkt beim Kunden und dafür ist der Preis happig und (persönliche Meinung) eine Frechheit. Die App-Entwickler sind die Leidtragenden. Sie werden von Apple mit Fakten konfrontiert. Dem Gerät hätte es gut getan, wenn Apple es früher angekündigt hätte, damit die Entwickler sich entsprechend daruf vorbereiten hätten können.

Die Tastatur ist eine Fehlkonstruktion und zeigt, dass auch das iPad Pro 2019 sicherlich eine Veränderung des Smart Connector (Anschluss für die Tastatur) zur Folge haben wird.

Ich bin seit dem ersten iPhone/iPad Kunde und Nutzer des iOS-Ökosystems und habe mich immer mit den "Besonderheiten" der Umgebung abgefunden - aber dieses iPad Pro ist für mich ein absolutes Negativbeispiel. Hätte ich mein altes nicht schon verkauft, wäre meine Entscheidung "Zurückschicken" sicherlich schon getroffen.

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