Strategien


Automotive-Sektor

Wie Chef-Einkäufer die Digitalisierung meistern

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
In der Automobilbranche könnte mehr als jeder dritte Einkäufer digitalisierungsbedingt seinen Job verlieren. Die Unternehmensberatung Deloitte benennt fünf Themen, die Chief Procurement Officer (CPO) jetzt angehen müssen.
  • Einkäufer müssen sich so gut in die Technologie einarbeiten, dass sie erkennen, wo ihr Unternehmen neue Umsätze generieren kann
  • Deloitte entwirft vier Szenarien für die Zukunft der Autobauer
  • In einem "Future Procurement Accelerator" verkürzen CPOs die Entscheidungsfindung auf vier Stufen

In der Automobilbranche machen Materialkosten zwischen 70 und 80 Prozent vom Umsatz aus. Chef-Einkäufer spielen damit eine zentrale Rolle für das Unternehmensergebnis. Wie die DigitalisierungDigitalisierung die Rolle eines Chief Procurement Officer (CPO) verändert, untersucht die Unternehmensberatung Deloitte im Rahmen einer Studienreihe rund um AutomotiveAutomotive. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de Top-Firmen der Branche Automobil

Deloitte entwirft vier Zukunftsszenarien für die Automobilbranche.
Deloitte entwirft vier Zukunftsszenarien für die Automobilbranche.
Foto: Deloitte

Demnach könnten bis zu 35 Prozent der Einkäuferstellen wegfallen. Das liegt in Prozessoptimierung und Automation begründet. Für die gesamte Branche skizziert Deloitte vier mögliche Szenarien:

1. Die Autobauer entwickeln sich zu Daten- und Mobilitätsmanagern: In diesem Fall müssen sich Einkäufer neue Technologien aneignen. Vor allem müssen sie lernen, sowohl mit Startups als auch mit großen Technologiekonzernen zusammenzuarbeiten.

2. Die Autobauer stagnieren: In diesem Szenario setzt die Auto-Lobby auf Abwehr. Sie nutzt ihre Marktmacht, um innovative Unternehmen auszubremsen. Die technologische Entwicklung stagniert, Endverbraucher reagieren enttäuscht.

Szenario: Heutige Autobauer arbeiten für Flotten-Manager

3. Das Auto wird zum reinen Transportmittel: Der Hype um Automarken ist verflogen. Endverbraucher wollen nicht mehr bestimmte Wagentypen besitzen, sondern schlicht von A nach B gebracht werden. Erstausrüster arbeiten für Flotten-Manager, die autonome Fahrzeuge in öffentlicher Hand verwalten. Um wirtschaftlich zu bleiben, setzen die OEMs auf Effizienz und Prozessverbesserung.

4. Erstausrüster stellen die Plattform bereit: Das Auto ist endgültig zum IT-Produkt geworden. Tech-Konzerne spielen eine größere Rolle als bisherige Automobilhersteller. Letztere differenzieren sich über das Angebot von Infotainment- und Mobilitäts-Dienstleistungen.

Egal welches Szenario sich durchsetzen wird - Deloitte sieht die Einkaufsabteilung vor zentralen Herausforderungen. Chief Procurement Officer bewegten sich in den vier Dimensionen Strategie, Prozesse, Mitarbeiter und Technologie. Deloitte rät CPOs, diese fünf Themen anzugehen:

1. Innovative Lieferanten finden: Software wird in jedem Fall eine wachsende Rolle spielen. Darauf müssen CPOs ihr Lieferanten-Portfolio vorbereiten. Sie brauchen innovative Partner, um das Zusammenspiel von Soft- und Hardware zu verstehen. Ihr Unternehmen muss digitale Dienste in die Fahrzeuge integrieren können.

2. Das technische Verständnis entwickeln, um neue digitale Einkaufsfelder zu erschließen: Laut Deloitte müssen sich Einkäufer so gut in die Technologie einarbeiten, dass sie erkennen, wo ihr Unternehmen neue Umsätze generieren kann. Sie müssen sowohl mit der eigenen Entwicklungsabteilung als auch mit Lieferanten sprechen können - auf Augenhöhe.

"Der Wind weht rauer"

3. Interne Prozesse digitalisieren und automatisieren: Der Wind weht rauer, so Deloitte. CPOs müssen in puncto Kosten und Geschwindigkeit interne Performance-Anforderungen bestehen. Cloud-basierte LösungenCloud-basierte Lösungen, AnalyticsAnalytics und Künstliche IntelligenzKünstliche Intelligenz (KI) können helfen. Alles zu Analytics auf CIO.de Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Alles zu Künstliche Intelligenz auf CIO.de

4. Shared Services nutzen und Center of Excellence aufbauen: Routinetätigkeiten lassen sich an Shared Services Center auslagern. Chef-Einkäufer können in Centers of Excellence neues Spezialwissen aufbauen.

5. Die Mitarbeiter durch den Change führen: Als Führungskräfte müssen CPOs ihre Teams auf die digitale Transformation vorbereiten. Deloitte erklärt offen, dass "in Summe" aber Stellen im Einkauf wegfallen werden.

Ein "Automotive Procurement Accelerator" soll die Entscheidungsfindung deutlich beschleunigen.
Ein "Automotive Procurement Accelerator" soll die Entscheidungsfindung deutlich beschleunigen.
Foto: Deloitte

Nikolaus Helbig, Partner und Sourcing/Procurement Lead bei Deloitte, fasst zusammen: "Der Einkauf der Zukunft wird radikal anders aussehen als heute. CPOs müssen jetzt die Weichen stellen, um diese Veränderung gestalten zu können."

Podcast: Connected Manufacturing - weiter gedacht

Die Berater empfehlen Beschaffern, deutlich schneller Entscheidungen zu treffen. Statt dem bisherigen Entscheidungsfindungsprozess über viele Instanzen hinweg zu folgen, sollten CPOs einen Future Procurement Accelerator einrichten. In diesem sitzen zum Beispiel fachkundige Mitarbeiter, die ein gewisses unternehmerisches Denken mitbringen. Damit kommen Einkäufer in vier Schritten zur Entscheidung: Ideen auf einer Seite zusammenschreiben, Feedback einholen, in einem fünfminütigen Pitch die richtigen Ideen herausfinden und loslegen.

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