Strategien


4 Accenture-Prognosen

Wie Chefs im digitalen Unternehmen führen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Wer künftig in Unternehmen führen will, muss Netzwerke managen und sich von Künstlicher Intelligenz unterstützen lassen. Mit der neuen Organisation sollten Führungskräfte schon jetzt anfangen.
  • Analyst Thomas schätzt, dass Führungskräfte derzeit oft noch nicht einmal jeden zweiten wichtigen Netzwerker in ihrem Haus kennen
  • Die 1980er-Jahre-Technik des Mind Mapping hat sich mit neuen Collaboration Tools zum "Share your brain" entwickelt
  • Führungskräfte brauchen künftig "spirituelle Intelligenz"

Um die Begriffe Komplexität, Dezentralität und Vernetzung kreist die Studie "Leading the Digital Enterprise" von Accenture. Managing Director Robert Thomas skizziert die ideale FührungskraftFührungskraft der Zukunft. Diese muss ein Unternehmen managen, das von den Standorten und Mitarbeitern her global verteilt ist und das Partner wie Kunden zwecks Aufspüren neuer Geschäftsideen möglichst eng an sich zu binden versucht. Alles zu Führung auf CIO.de

Damit geht es künftigen Chefs vor allem um Kommunikation und den Austausch von Wissen und Informationen. Thomas beleuchtet das organisatorisch und technologisch. Er spricht folgende vier Prognosen aus:

1. Führen heißt, Netzwerke zu managen

Eigene Netzwerke aufzubauen und bestehende zu orchestrieren, ist die Schlüsselqualifikation kommender Chefs. Mit dem Ist-Zustand ist Thomas nicht zufrieden: Er schätzt, dass Entscheider oft noch nicht einmal jeden zweiten wichtigen "Verbinder" innerhalb des eigenen Firmennetzes kennen.

In Netzen innerhalb und außerhalb des Unternehmens aber findet nicht nur Meinungsbildung und Markenaufbau statt. Dort sind auch Wünsche, Anregungen und Kritik von Mitarbeitern, Kunden und Konkurrenten zu finden. Wichtig ist, Transparenz herzustellen und den Kommunikationsfluss kanalisieren zu können. Als Beispiel nennt Thomas den Microsoft-Chef Satya Nadella, der Analyse-Tools in seinem Yammer CollaborationCollaboration Space einsetzt. Marc Benioff, der CEO von Salesforce.com, schaltet sich immer wieder aktiv in Gespräche ein. Er wolle, dass ihn jeder einschätzen kann. Jeder Netzwerk-Teilnehmer soll Vorschläge unterbreiten können. Alles zu Collaboration auf CIO.de

2. Der Chef erklärt sich dem gesamten Team

Im englischen Original klingt es dramatisch. "Share your brain", verlangt der Analyst von Führungskräften. Strategieentwicklung findet immer weniger in geschlossenen Zirkeln statt, sondern wird immer offener. Chefs müssen bereit sein, die "blinden Flecken" in ihrem Denken zu erkennen. Accenture knüpft hier an die These an, dass eine Unternehmensführung umso erfolgreicher ist, je "diverser" ihr Input.

Wer den Input aller Kunden und Mitarbeiter aus den verschiedenen Kulturen, Altersgruppen, Bildungsschichten nutzen will, bediene sich des Mind Mapping, rät Thomas. Er bezieht sich dabei auf die 1980er-Jahre-Technik in ihrer heutigen technologisierten Form. Lösungen für den virtuellen Desktop erlauben jedem Nutzer, teilzunehmen und seine Ideen einzubringen. Smarte Maschinen oder Avatare werden künftig "leader brains" entstehen lassen.

3. Die smarte Maschine rückt in die Firmenleitung auf

Insbesondere mit der Möglichkeit, Szenarien zu simulieren, unterstützt Künstliche Intelligenz (KI) Entscheider. Thomas sieht intelligente Maschinen bereits mit in der Unternehmensleitung sitzen.

4. Führungskräfte definieren "Intelligenz" neu

Die Leistung, die Führungskräfte bei der Integration und Motivation der global verstreuten Mitarbeiter und Partner erbringen, bekommt einen eigenen Namen. Thomas spricht von "spiritueller Intelligenz". Das Ganze kann mit einem Wertewandel in den Industrienationen erklärt werden, demzufolge gutausgebildete junge Leute nach dem Sinn fragen. Ein so traditionsreiches Unternehmen wie UnileverUnilever beispielsweise kommuniziert heute nicht mehr Umsatzsteigerung als höchstes oder einziges Ziel. CEO Paul Polman spricht öffentlich gern über Umweltschutz, Frauenförderung und faire Bedingungen kleiner Produzenten. Top-500-Firmenprofil für Unilever

Thomas betont, dass seine Prognosen zwar in die Zukunft gerichtet sind, der Change aber bereits stattfindet. Er rät Unternehmen, sich lieber früher als später mit den vier Punkten auseinanderzusetzen.

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