IT-Strategietage 2017

Wie die IT der Festo AG neue Geschäftsmodelle entwickelt

Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.
Roger Kehl, CIO des Jahres 2016, sprach auf den Hamburger IT-Strategietagen 2017 über die neuen Herausforderungen für die Unternehmens-IT und darüber, wie man diese bei der Festo AG bewältigt.
Festo CIO Roger Kehl sprach auf den Hamburger IT-Strategietagen.
Festo CIO Roger Kehl sprach auf den Hamburger IT-Strategietagen.
Foto: Foto Vogt

Nicht nur die Rolle des CIORolle des CIO, sondern die Rolle der IT insgesamt habe sich über die vergangenen Jahre stark gewandelt, so CIO Kehl von der FestoFesto AG und CIO des Jahres 2016. Das Aufgabengebiet erstrecke sich nicht mehr nur darauf, die IT-Systeme am Laufen zu halten, sondern vielmehr auf sämtliche Bereiche im Unternehmen - etwa HR, Finance und Sales sowie die Produktion. Durch Industrie 4.0Industrie 4.0 und das Internet of Things sei es zudem die Aufgabe der IT zusammen mit den Fachbereichen, neue, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Top-500-Firmenprofil für Festo Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

Industrie 4.0 bei Festo

Um diese Aussage zu verdeutlichen präsentierte der CIO des Herstellers von Steuerungs- und Automatisierungstechnik zunächst drei aktuelle Digitalisierungsprojekte auf Produktionsebene:

In einem Kooperationsprojekt mit SAP hat Festo ein durchgängiges Produktionssystem etabliert. Das ermögliche unter anderem Realtime-Qualitätsmanagement. "Das ist ein klassisches IT-Projekt, wo Sie mit der Produktion zusammenarbeiten müssen", so der CIO.

Als zweites Beispiel führte Kehl die Einführung von iPads in der eigenen Fabrikhalle an. So werde eine schnellere und effizientere Instandhaltung ermöglicht: "Unsere Mitarbeiter bekommen über ihr iPad Modifikationen und Reparaturaufträge angezeigt, können auf Ersatzteillisten im Lager, Foto-Dokumentationen und Reparaturanleitungen zugreifen. Sie haben praktisch alle Prozesse in ihrer Hand." In der nächsten Stufe seien auch Informationen aus dem 'condition monitoring' und prädiktive Analysen angedacht.

Das letzte von Kehl angeführte Projekt-Beispiel drehte sich um die Produktionsverfügbarkeit und Performance von Maschinen und Anlagen: "Das Besondere daran ist, dass wir dazu die Microsoft Azure Cloud nutzen. In punkto Sicherheit haben wir mit den unstrukturierten Maschinendaten weniger Probleme (Data Security) als mit den Themen der mitarbeiterbezogenen Datenverarbeitung (Data Privacy). Daher werden diese Daten maskiert."

Alle drei Projekte haben laut dem Festo-CIO zum Ziel, "die Produktionsverfügbarkeit zu erhöhen, sicherer und schneller zu produzieren und am Ende des Tages die Herstellungskosten zu senken."

Die obligatorische Intelligenz der Dinge

"In der Vergangenheit war alles, was nach dem Verkauf stattgefunden hat, weniger relevant. Das hat sich meines Erachtens im Zeitalter der DigitalisierungDigitalisierung sehr verändert", so der Festo-CIO auf den Hamburger IT-Strategietagen. Nach Inbetriebnahme, also mit Beginn des Lebenszyklus eines Produkts, bestehe die Chance, durch Mehrwert-Services Geld zu verdienen. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Das bedinge smarte Produkte. Diese, so Kehl, würden in erster Linie durch Software intelligent. Die IoT-Fähigkeit von Produkten sieht der Manager daher als wichtigstes Merkmal an, um Daten erhalten, auswerten und monetarisieren zu können.

Um "Dinge" intelligenter machen zu können, seien aus IT-Sicht drei Punkte entscheidend, wie Kehl erklärte: "Sie brauchen einen 'product key'. Wenn sie Millionen von Komponenten im Feld haben, müssen sie wissen, welche dieser Komponenten was macht. Sie brauchen außerdem Installed-Base-Informationen, sie müssen wissen, welche Produkte wann Firmware-Updates oder neue Software-Applikationen bekommen."

Die 'customer journey' sei der dritte wesentliche Aspekt hierbei, glaubt der Festo-Manager: "Wir sind erklärungsbedürftig. Die Frage ist, wie man diese Kundenschnittstelle flüssig und einfach gestalten kann, so dass der Kunde besser zurechtkommt. Hier haben wir zusammen mit anderen Abteilungen eine 'customer journey' entwickelt."

Domänenwissen für Mehrwert nutzen

Die größte Herausforderung für Festo und andere spezialisierte Hersteller liege derzeit darin, ihr Domänenwissen zu nutzen, um Mehrwert-Services zu etablieren, so Kehl.

Dabei spiele auch das Thema Ausbildung eine Rolle, wie der Festo-CIO erklärt: "Heute haben wir vollautomatisierte Anlagen, die eigentlich produzierende Rechenzentren sind. Um die zu bedienen, braucht man heute eigentlich Software-Ingenieure, statt wie in früheren Zeiten Mechaniker. Das Spielfeld der IT geht also heute auch in Richtung Maschinen und Anlagen. Dazu braucht man ganz andere Fähigkeiten und wir müssen uns überlegen, wie wir diese neuen IT-Aufgaben bewältigen."

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