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Servicespezialist für die Fabrik

Wie Leadec sich zum datengetriebenen Unternehmen wandelt

Florian Kurzmaier ist ein klassischer Quereinsteiger: Nach einem Studium der Geschichtswissenschaften in München landete er zunächst bei der Gamepro, dann als Volontär bei der Macwelt. Inzwischen verantwortet er als Editorial Lead – Events, Platforms and Innovation alle inhaltlichen Aspekte der IDG-Veranstaltungen – beispielsweise auch den Wettbewerb des Digital Leader Award. Sportlich gehört sein Herz dem FC Bayern und den Green Bay Packers.

Das bis dato dezentral agierende Unternehmen setzte im Zuge seines Wandels auf eine stringente Cloud-Strategie, Prozessstandardisierung und -zentralisierung sowie auf eine agile Entwicklung. Mit Erfolg.

"Vom Kesselreiniger zur Data-Driven-Company" - so hat das in Stuttgart beheimatete, aber global tätige Unternehmen, das auf Serviceleistungen rund um Fabriken und Produktionsstätten spezialisiert ist, seine Bewerbung für den diesjährigen DIGITAL LEADER AWARD betitelt. Am Ende des mehrmonatigen Jury-Prozesses stand mit Platz drei in der Kategorie EFFICIENCY eine wertvolle Podestplatzierung für das Unternehmen, dessen Kunden vor allem im Automotive- und Manufacturing-Umfeld zuhause sind. Der Weg dorthin führte über einen Carve-out, wegweisende Grundsatzentscheidungen und ein "Face of Change".

Leadecs COO Markus Hucko freut sich über den dritten Platz in der Kategorie EFFICIENCY des DIGITAL LEADER AWARD 2021.
Leadecs COO Markus Hucko freut sich über den dritten Platz in der Kategorie EFFICIENCY des DIGITAL LEADER AWARD 2021.
Foto: Tobias Tschepe

Plötzlich selbständig

Die Veränderungsprozesse bei Leadec begannen mit der Abspaltung des Unternehmens von der Voith Gruppe im Jahre 2017. Das Unternehmen sah sich dabei neben den für Carve-outs gängigen Herausforderungen auch damit konfrontiert, eine vollkommen neue, nun unabhängige Strategie für die eigene digitale Transformation zu suchen, zu finden und gemeinsam mit den Mitarbeitenden umzusetzen.

"Wir wollten nicht nur unsere IT-Infrastruktur modernisieren, sondern die eigene Effizienz steigern, veränderte Kundenbedürfnisse antizipieren und unsere Rolle als maschinenneutraler Dienstleister im Ökosystem der Fabriken festigen", beschreibt Leadec-COO Markus Hucko die strategische Zielsetzung. Der Weg dahin darf hingegen als herausfordernd bezeichnet werden, da das Unternehmen mit seinen gut 18.000 Mitarbeitenden an über 300 Standorten in 14 Ländern sehr dezentral aufgestellt ist. Es galt also nicht nur über einen passenden Technologiestack nachzudenken, sondern zugleich auch einen umfassenden kulturellen Wandel einzuleiten und zu begleiten.

Transformation zum Digital Leader

Am Anfang des Weges galt es, im Rahmen eines Projekts zur Harmonisierung Weichen zu stellen. Das Ziel: Eine zentrale und standardisierte Softwarelösung zu schaffen, die von der Kundenansprache bis zur Auftragserfüllung alle Prozesse sauber und skalierbar abbildet. "Einfach nur die bestehenden Abläufe zu digitalisieren, hätte nicht die ganzheitliche Lösung als Ergebnis gehabt, von der unsere Kunden und wir wirklich profitieren.

Das Unternehmen hebt über seine Service-Cloud Leadec.os bereits Dienstleistungen im Umfang eines guten Viertels seiner Umsätze.
Das Unternehmen hebt über seine Service-Cloud Leadec.os bereits Dienstleistungen im Umfang eines guten Viertels seiner Umsätze.
Foto: Leadec

Deswegen starteten wir unsere digitale Transformation mit einem weltweiten Harmonisierungsprojekt, in dem wir alle Prozesse konsequent überprüften, neu durchdachten, die beste Lösung standardisierten und digital abbildeten", erläutert Projektleiter Dr. Michael Schenk im Rahmen der Bewerbung der Leadec zum DIGITAL LEADER AWARD. Die Basis dafür bildeten drei für das Unternehmen fundamentale und wegweisende Grundsatzentscheidungen:

  • Die Implementierung einer Cloud-Strategie mit dem Ziel, an Agilität zu gewinnen und zugleich eine Steigerung der Kosteneffizienz zu erreichen. So entstand parallel zum Carve-out das Fundament einer modernen IT, die digitale Geschäftsmodelle ermöglicht.

  • Die Neuausrichtung aller Geschäftsprozesse auf Zentralisierung und Standardisierung, um die Nachteile der dezentralen Struktur abbauen zu können und zugleich eine neue kulturelle Basis für den eingeleiteten technologischen und strategischen Change zu schaffen.

  • Die Einführung agiler Softwareentwicklung, um sich im Cloud-Mindset methodisch auf Höhe der Zeit zu präsentieren, schon mit MVPs in den Roll-out zu gehen und Skalierungseffekte heben zu können.

Gemeinsam mit PwC, dem involvierten Partner für die Umsetzung, fiel die Plattform-Wahl auf die Sales- (für den Vertrieb) und Service-Cloud (für den Order-to-Execution-Prozess) von Salesforce, um global die Geschäftsprozesse vom ersten Kundenkontakt bis hin zur Abwicklung und Rechnungsstellung als Ende-zu-Ende-Lösung digitalisieren zu können. Von 2018 an wurde über 14 Länder die Anwendungen Sales Cloud, Field Service Lightning und Community Cloud ausgerollt und über rund zwei Monate die Nutzerinnen und Nutzer geschult.

Nach sieben Monaten Entwicklung war auch die Leadec.os-Plattform für das Auftragsmanagement einsatzbereit. "Es ist eine neue Netzwerkkultur entstanden. Alle Projektmanager weltweit tauschen sich wöchentlich aus, wie sie die standardisierte Anwendung für ihre Kunden adaptieren. Ist ein Best Practice für viele interessant, wird die Lösung erweitert", erläutert Alexander Schieber, Global Product Owner Leadec.os.

Change-Lotsin begleitet die Transformation

Zwar ist die Einführung von Salesforce zuerst als Technologieprojekt zu verstehen; liegt der Ausgangspunkt aber wie bei Leadec in einem Cloud-losen, dezentral organisierten und von einem Carve-out geprägten Umfeld, ist der Wandel nicht nur technologisch zu begreifen. Deshalb hat das Leadec-Team für diesen Change mit Paulina Lujan eine dedizierte Changemanagerin installiert, die den für Leadec fundamentalen Wandel begleitet.

Das Siegerteam (v.l.n.r.: Markus Hucko, Michael Schenk, Paulina Lujan, Alexander Schieber) freut sich über die Auszeichnung.
Das Siegerteam (v.l.n.r.: Markus Hucko, Michael Schenk, Paulina Lujan, Alexander Schieber) freut sich über die Auszeichnung.
Foto: Leadec

Dass empathische, transparente Kommunikation und begleitende Trainingsprogramme (beispielsweise über 21 Webinare zum Thema "Data-driven Performance") dabei eine wesentliche Rolle spielen sollten, verwundert nicht - zumal einige Mitarbeitende die Gelegenheit nutzen konnten, um sich persönlich und fachlich weiterzuentwickeln. "Information, Beteiligung und Training waren der Schlüssel zum Erfolg", fasst Lujan zusammen.

Top-3-Platzierung beim DIGITAL LEADER AWARD

Der Jury des DIGITAL LEADER AWARD war diese Geschichte einen dritten Platz in der Kategorie EFFICIENCY wert. Schließlich konnte Leadec sich nach eigener Aussage so effizient, papierlos, revisionssicher, skalierbar, echtzeit-fähig und IoT-kompatibel aufstellen. Die Zahlen jedenfalls geben dem Unternehmen Recht und bestätigen den Blick der Jury - immerhin hebt das Unternehmen über seine Service-Cloud Leadec.os bereits Dienstleistungen im Umfang eines guten Viertels seiner Umsätze. Tendenz steigend. Und mit einer "IoT-Homecloud" steht bereits die nächste Neuerung im digitalen Service-Portfolio des ehemaligen Kesselreinigers bereit.

Evonik-CIO Bettina Uhlich verkündete als Mitglied der Jury des DIGITAL LEADER AWARD die Siegerinnnen und Sieger in der Kategorie EFFICIENCY.
Evonik-CIO Bettina Uhlich verkündete als Mitglied der Jury des DIGITAL LEADER AWARD die Siegerinnnen und Sieger in der Kategorie EFFICIENCY.
Foto: Tobias Tschepe

So sollen die Maschinendaten smarter Produktion mit intelligenter Maintenance zusammenkommen, um über Predictive Maintenance zusätzlichen Kundennutzen zu stiften. Die zwei Key-Learnings bei Leadec fasst COO Markus Hucko so zusammen, dass "es sich erstens bewährt hat, schnell anzufangen und sich dann immer weiter zu verbessern und zweitens, dass Technologie allein gar nichts bewirkt. Nur wenn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit den Mehrwert erkennen, können sie auch die Kunden davon begeistern".

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