Stefanie Kemp, Country Leader Oracle Deutschland

"Wir brauchen Stabilität in der Kundenansprache"

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

CIO.de: Viele Ihrer Kunden werden geschwächt aus der Corona-Krise herauskommen. Können Sie denen entgegenkommen?

Kemp: Wir haben die sogenannten Advanced Customer Services, die in der Pandemie weltweit an Bedeutung gewinnen. Wir finanzieren Projekte vor und nehmen auch komplette Lift and Shifts vor, um die On-premises-Welt der Kunden in die Cloud zu heben. Dafür gibt es besondere Teams, die sich mit den Herausforderungen beschäftigen.

Die Anforderungen der Kunden sind auch jetzt in der Krise völlig unterschiedlich. Wenn ich mir den Online-Handel anschaue und an unseren Kunden bofrost denke, dann reden wir über eine massiv steigende Nachfrage. Die sind mit uns in die Cloud gegangen und hatten dann die Flexibilität und Skalierbarkeit, um ihr starkes Wachstum abbilden zu können. Das hätten sie mit einer On-premises-Strategie nie hinbekommen.

Es gibt aber auch die andere Seite, Unternehmen wie Fluglinien, denen das Geschäft zu 98 Prozent weggebrochen ist. Die haben vielleicht keinen Cashflow mehr, wissen aber, sie brauchen gerade jetzt innovative Technologie. Viele Unternehmen haben auch ihre Digitalisierungsinitiativen in der Krise gestoppt, neben Marketing- werden IT-Ausgaben ja immer zuerst gekürzt. Die Projekte müssen jetzt aber wieder aufgenommen werden, denn es geht um die Zukunftssicherung der Geschäfte. Es ist jetzt die Zeit, in der die Digitalisierung nochmal neu gedacht werden muss.

"Gegebenenfalls die Migration in die Oracle-Cloud vorfinanzieren"

Bei Oracle wird viel darüber nachgedacht, wie man diesen Unternehmen helfen kann. Die Kollegen von der Oracle Finance haben mir erklärt: Wo Liquiditätsengpässe sind können wir den Kunden entgegenkommen und gegebenenfalls die Migration in die Oracle-Cloud vorfinanzieren.

CIO.de: Ist in den Vorständen das Verständnis dafür da, dass in die Digitalisierung investiert werden muss?

Kemp: Der Reifegrad in Sachen Digitalisierung ist in Deutschland schon recht hoch. Alle wussten, wir müssen was tun - und haben dann auch angefangen. Nicht immer kannten sie die Details, was auf eine Digitalisierungs-Roadmap gehört. Aber schauen Sie sich das virtuelle Arbeiten an: Die meisten waren in der Lage, ihre Mitarbeiter von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice zu schicken.

Wir reden nicht mehr über das New Normal, sondern über das Next Normal. Welche Geschäftsmodelle wird es nicht mehr geben? Die Welt der Arbeit ist in Bewegung gekommen, die Office-Welten werden anders aussehen. Ganze Branchen ändern sich fundamental - schauen sie nur auf die Touristikbranche.

Auch die Methoden, mit denen wir arbeiten, agile Software-Entwicklung, Minimal Viable Products, einfach mal etwas bauen und dann die Marktresonanz abrufen - da tut sich gerade sehr viel.

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