Frauen und der Weg ins Management

"Wir warten nicht auf den Prinzen"

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Wie funktioniert Karriere für Frauen? Mit Zutrauen, Mut, Selbstmarketing sowie den geeigneten Rahmenbedingungen, so der Rat zweier Top-Managerinnen.

Hanna HennigHanna Hennig ist Chief Information Officer (CIO) der Osram Licht AGOsram Licht AG, Ilka Friese ist Chief Financial Officer (CFO) von NTT DATA Deutschland. Beide bewegen sich in Bereichen, in denen weibliche Führungskräfte rar sind. Das erklärt sich nicht nur durch einen geringen Frauenanteil von 20 Prozent im Informatikstudium. Nach dem Studium bleiben viele Frauen auf der Karriereleiter stecken. Unternehmen erkennen allmählich, dass gemischte Teams erfolgreicher sind, verstärken darum ihre Suche nach weiblichem Nachwuchs und versuchen die Arbeitsbedingungen flexibler zu gestalten, um die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie zu erleichtern. Top-500-Firmenprofil für Osram Licht AG Profil von Hanna Hennig im CIO-Netzwerk

Frauenförderung ist Thema für Top-Management

Ein Trend, den Osram-CIO Hanna Hennig begrüßt: "Unternehmen sollten ihre Führungskräfte in die Pflicht nehmen, um mehr weibliche Nachwuchskräfte an Bord zu holen. Wenn dann genügend Frauen im Unternehmen sind, müssen die Führungskräfte hinhören: Haben die Frauen genügend Mut, trauen sie sich genug zu? Wenn nicht, helfen Coaching-Angebote und Mentoring-Programme."

Für Ilka Friese, Finanzchefin bei der IT-Beratung NTT Data, ist "Frauenförderung ist ein Thema, mit dem sich das Top-Management auseinandersetzen muss. Wir bei NTT Data haben das getan und verpflichten uns, in den nächsten Jahren deutlich mehr Frauen in die FührungFührung zu bringen. Es gilt, die Führungskräfte zu sensibilisieren, damit diese erkennen und erleben: Gemischte Teams sind kreativer, liefern bessere Ergebnisse, und die Zusammenarbeit macht überdies mehr Spaß." Alles zu Führung auf CIO.de

Ilka Friese, NTT Data: "Gemischte Teams sind kreativer, liefern bessere Ergebnisse, und die Zusammenarbeit macht überdies mehr Spaß."
Ilka Friese, NTT Data: "Gemischte Teams sind kreativer, liefern bessere Ergebnisse, und die Zusammenarbeit macht überdies mehr Spaß."
Foto: NTT Data

Frauen brauchen Mut und Selbstvertrauen

Was benötigen Frauen, damit ein Karriereschritt gelingt? Laut Hennig "zuerst Mut, sich etwas zuzutrauen, eine neue Aufgabe zu übernehmen, auch wenn man vorher nicht die nötige Erfahrung gesammelt hat. Als ich meinen ersten Karriereschritt von der Fachexpertin zur Projektleiterin machte, traute ich es mir zu, ein Team zu führen."

Als Ilka Friese 2012 der CFO-Posten angeboten wurde, hatte sie erst drei Tage mit niemanden darüber gesprochen und sich gefragt, ob sie dieser Herausforderung gewachsen sei. Heute analysiert Friese: "Damit habe ich typisch weiblich reagiert. Immer wieder begegne ich Frauen, die sich hinterfragen und die ich erst motivieren muss, eine Führungsrolle zu übernehmen. Wir Frauen müssen auf uns vertrauen und uns mehr zutrauen. Darum lautet mein Ratschlag an karrierewillige Frauen: Seid mutig und holt euch den Titel, damit könnt ihr viel mehr bewegen als ohne Titel."

Hanna Hennig, Osram: "Selbstmarketing darf nie auf Kosten von anderen geschehen. Stattdessen sollte es auf eigenen Erfolgen und Leistungen basieren, die man gegenüber Vorgesetzen und Stakeholdern kommuniziert."
Hanna Hennig, Osram: "Selbstmarketing darf nie auf Kosten von anderen geschehen. Stattdessen sollte es auf eigenen Erfolgen und Leistungen basieren, die man gegenüber Vorgesetzen und Stakeholdern kommuniziert."
Foto: Osram

Zum Zutrauen gehört auch, die eigene Leistung ins rechte Licht zu rücken. "Uns muss klar sein: Wir werden nicht entdeckt, aber wir warten nicht auf den Prinzen", sagt Friese. "In Sachen Selbstmarketing kann ich die Frauen nur auffordern, mehr über sich, Ideen und Ziele zu erzählen. Ich selbst habe mich immer nur kurz mit Namen und Funktion vorgestellt, das reicht aber nicht." Auch für Hanna Hennig ist Selbstmarketing sehr relevant, das "aber nie auf Kosten von anderen geschehen darf. Stattdessen sollte es auf eigenen Erfolgen und Leistungen basieren, die man gegenüber Vorgesetzen und Stakeholdern kommuniziert."

Man muss sich äußern und Raum einnehmen

Fachwissen sei in der IT wie anderswo wichtig, aber entscheidender sei es, seine Argumente einzubringen und durchzusetzen, so Hennig: "Viele Frauen verfügen über das richtige Wissen, trauen sich aber häufig nicht, Ihre Ansichten oder die Interessen Ihres Unternehmens zu vertreten. Nein, stattdessen muss man sich äußern, Raum einnehmen und eine Aussage treffen." Nach dem Prinzip verfuhr seinerzeit die amerikanische Außenministerin Madeleine Albright, als sie ihr Land zum ersten Mal bei der UNO vertreten musste und sich mit 30 Männern konfrontiert sah.

Wie gehen Hanna Hennig und Ilka Friese damit um, dass sie es auf den Führungsebenen vor allem mit Männern zu tun haben? Ganz pragmatisch. Hennig "begegnet Männern mit Schirm, Charme und Melone, das heißt ich bin immer freundlich, aber am Ende zählen die Argumente. Im Business gibt es keine männlichen oder weiblichen Entscheidungen. Es gibt nur richtige oder falsche."

Ilka Friese weiß: "Frauen neigen oft dazu, Kritik im beruflichen Umfeld persönlich zu nehmen. Hier sollten sie sich an ihren männlichen Kollegen orientieren, die zum Beispiel ein rauer Umgangston im Meeting nicht davon abhält, sich hinterher wieder auf die Schulter zu schlagen."

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