Vodafone-CIO Ulrich Irnich

Wo Video-Calls an ihre Grenzen stoßen

Schreibt und recherchiert Führungs- und Karrierethemen - in der Redaktion von CIO-Magazin und COMPUTERWOCHE. Ihre Schwerpunkte sind CIOs, IT-Karrieren und -Nachwuchs, Führung, New Work und Diversity.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Setzt sich für mehr Frauen in der IT ein.
Remote Work verändert das Arbeitsleben von Führungskräften. Im Gespräch verriet Ulrich Irnich, CIO von Vodafone, warum er sich bis zu drei Stunden täglich für die Kommunikation mit dem Team nimmt und wie Augmented Reality Videokonferenzen aufpeppen kann.
Vodafone-CIO Ulrich Irnich: "Wir brauchen einen Raum, in dem soziale Interaktion ohne Arbeit stattfinden kann."
Vodafone-CIO Ulrich Irnich: "Wir brauchen einen Raum, in dem soziale Interaktion ohne Arbeit stattfinden kann."
Foto: Unitymedia

Herr Irnich, wie ist es Ihnen 2020 im Home-Office ergangen?

Ulrich Irnich: Am Anfang war Home-OfficeHome-Office klasse. Denn macht es mir Spaß, jeden Tag im Auto zu sitzen oder von links nach rechts zu reisen? Natürlich nicht. Aber die freie Zeit hat sich in Kalender-Slots umgewandelt. Das war zuerst effizient. Aber nach zwei Wochen war ich dünnhäutig und genervt davon, dass der Tag nur noch aus Terminen besteht, jeder irgendwas will und du permanent in Videointeraktionen bist. Man darf auch nicht unterschätzen, was durch die lange Phase Home-Office verloren geht. Alles zu Home Office auf CIO.de

Was fehlt Ihnen konkret in Video-Calls?

Ulrich Irnich: Wenn du in Calls mit 30 Leuten bist, siehst du keine wirkliche Körpersprache und du kannst niemandem in die Augen schauen. Diese Reflexion von Menschen in ihrer Wahrnehmung, das Erkennen, wie sie Dinge zurückspielen, das fehlt. Das ist schon etwas, was mir Energie raubt.

Wie haben Sie gegengesteuert?

Ulrich Irnich: Wir haben gemerkt, dass wir einen Raum brauchen, in dem auch soziale Interaktion ohne Arbeit stattfinden kann. Denn sonst hast du nur ein Meeting nach dem nächsten, bekommst die Agenda und die wird abgearbeitet. Du bestehst nur noch aus deinen Kalenderslots. Deswegen haben wir unsere Meetings verändert und Raum geschaffen für einen 'Wie geht's mir denn'-Teil und tatsächlich haben wir sogar auch Workouts integriert. Mit Liegestützen!

15 Minuten E-Mails pro Tag - von wegen

Welche Rolle spielt die Kommunikation?

Ulrich Irnich: Allgemein stelle ich fest, dass es sehr viel mehr Kommunikation braucht. Manche Dinge muss man dreimal sagen. Ich hatte mir als Vorsatz fürs neue Jahr vorgenommen: maximal 15 Minuten E-Mails pro Tag - der ist natürlich komplett im Eimer. Die einzelnen Interaktionen sind dabei ganz unterschiedlich. Es gibt Einige, die sagen: 'Okay, ich brauche kurz die Rahmenparameter' und dann laufen die. Andere haben das Bedürfnis, jeden Tag mit mir zu sprechen. Ich brauche heute zwei bis drei Stunden am Tag Freiraum, damit ich Leute anrufen und einfach mal checken kann, wie geht es denen gerade?

In welche Themen möchten Sie künftig mehr investieren?

Ulrich Irnich: Das ist eine sehr gute Frage. Meine Antwort dazu: Menschen und InnovationInnovation - denn Menschen treiben Innovationen, sind füreinander da und finden Lösungen. Wenn ich mir vor Augen halte, was wir dieses Jahr - trotz Corona und allen Widrigkeiten, die damit verbunden waren - alles geschafft haben, bin ich echt stolz. Egal welches Projekt ich mir hier ansehe, im Zentrum stehen immer Personen, die dieses fantastische Ergebnis möglich machen. Alles zu Innovation auf CIO.de

Hat sich die Wahrnehmung der IT in diesem Jahr in Ihrem Unternehmen gewandelt?

Ulrich Irnich: In einem Tech- und Coms-Unternehmen wie VodafoneVodafone ist zwar klar, dass die IT einen hohen Stellenwert hat. Aber auch hier erleben wir eine Renaissance. Alle haben verstanden: Wenn Du heute kein Plattformgeschäft machst, was ohne IT nicht geht, dann bist Du raus. Es gibt also eine neue Wahrnehmung unserer Bedeutung im System. Es muss nur Skype ein bisschen ruckeln oder ein Zugang fehlen, und wir werden alle nervös. Top-500-Firmenprofil für Vodafone

Hat sich die Arbeitsorganisation in Ihrem Unternehmen verändert?

Ulrich Irnich: Es gab vor Corona einige Abteilungen, die gesagt haben: Home-Office gibt es bei uns nicht. Dahin werden wir nicht mehr zurückkehren. Für mich persönlich und die IT gilt außerdem, dass ich jetzt Leute auf dem Radar habe, die ich vorher in der Form nicht gesehen habe. Sei es, dass sie im Arbeitsplatzumfeld gute neue Ideen eingebracht haben, neue KollaborationenKollaborationen gestartet haben, oder in größeren Sessions klug Klartext reden. Die Leute will ich auf jeden Fall auch in der Zukunft weiter im Auge behalten. Alles zu Collaboration auf CIO.de

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