Vorteile, Einwände und erste Anwender

Zum Stand der Diskussion um Cloud Computing

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Knackpunkt Datenhaltung "Wir sehen einige Probleme bezüglich Datenhaltung und lokaler Datenschutzbestimmungen", ergänzt Saugatuck-Berater Sempert. Die meisten ließen sich aber mit lokalen Cloud-Services vermeiden. Für Frank Griffel, Leiter Systementwicklung bei der Techniker Krankenkasse (TKK) in Hamburg, ist das Thema Datenhaltung ein Ausschlusskriterium für Online-Anwendungen wie Google Apps: "Bei der TKK geht es um Sozialdaten. Nicht ein einziger Brief darf auf einem externen System geschrieben werden. Das wird sich auch in den nächsten 20 Jahren nicht ändern." Die TKK unterliege vielen Gesetzen, die aber nur national gälten, erklärt der IT-Manager. "Wenn das System eines Dienstleisters auf einem amerikanischen Host liegen würde, hätten wir ein Riesenproblem."

Anbieter wie Amazon oder Google reagieren auf solche Einwände mit lokal begrenzten Angeboten und Service-Level-Agreements (SLAs). So hat Amazon seinen Online-Speicherdienst S3 nach unterschiedlichen Regionen gegliedert. "Jeder Anwender hat die Option, eine Region zu wählen und die Speicherung auf diese physikalischen Einrichtungen zu beschränken", erläutert Adam Selipsky, Vice President für den Bereich Amazon Web Services.

Wie verfügbar ist die Cloud?

Für S3 garantiert der Anbieter eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent, für die Elastic Compute Cloud (EC2) 99,95 Prozent. Auch Google geht mit seinem auf Unternehmen zugeschnittenen Online-Anwendungspaket "Google Apps Premier Edition" in diese Richtung. Der Suchmaschinenkonzern verspricht eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent für die E-Mail- und Kalenderfunktionen sowie für Google Docs, Google Sites und Google Talk.

Dessen ungeachtet erfordert die Nutzung von Cloud-Diensten zunächst Anfangsinvestitionen. Die Verantwortlichen müssen Prozesse neu gestalten und gegebenenfalls IT-Organisationen umstrukturieren. Wenn mehrere Cloud-Provider im Boot sind, steigt auch der Verwaltungsaufwand. Unterm Strich könnten sich mit Cloud Computing die schon aus der klassischen IT-Auslagerung bekannten Management-Probleme noch verschärfen. Der Buchautor Nicholas Carr fordert deshalb eine Art Broker für Informationssysteme in Unternehmen. Ähnlich den Sourcing-Managern in Outsourcing-Projekten würde dieser IT-Systeme, Anforderungen und Applikationen auf die Cloud-Anbieter verteilen.

Die Marktforscher von Saugatuck sehen in diesem Kontext ein neues Marktsegment entstehen, das sie Integration as a Service (IaaS) nennen. Gemeint sind damit Dienstleister, die die unterschiedlichen Cloud-Services mehrerer Anbieter zu einer für Kunden einfach nutzbaren Komplettlösung kombinieren. Carr erwartet indes noch ein anderes Problem, das IT-Verantwortlichen zu schaffen machen könnte. Für ihn steht fest, dass die Personalstärke der IT-Abteilungen im Zeitalter des Cloud Computing deutlich abnimmt: "CIOs sollten sich mit der Tatsache abfinden, dass dies ein Schrumpfen ihres Königreiches bedeutet."

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