Zunehmende Multilokalität

Zweitwohnungsboom verändert Städte

29.05.2017

Besonders Eltern von schulpflichtigen Kindern gehen diesen Kompromiss für einen Arbeitsplatz oder den Sprung auf der Karriereleiter ein. Darauf weisen auch Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2013 hin. In nur 23 Prozent der Zweitwohnungs-Haushalte lebten demnach Alleinstehende. Singles seien eher bereit, ihre Wurzeln für den neuen Job zu kappen, sagt Brauckmann. Wer stark in sein soziales Umfeld eingebunden sei, tue sich schwerer.

Arbeiten in der Großstadt

Häufig zieht es die Multilokalen zum Arbeiten in Großstädte, deren Wohnungsmärkte enger und enger werden. Berlin nutzt den Boom aus und hat gerade seine Zweitwohnungssteuer auf 15 Prozent verdreifacht. Auch, damit mehr Menschen hier Erstwohnungen anmelden und dem Land Steuereinnahmen bringen.

Dabei sind die Ansprüche an eine Zweitwohnung andere als an die Hauptwohnung: zentral gelegen, mit Auto und Zug gut erreichbar. Vor allem aber muss sie ins Budget passen. Bei Berufstätigen in Berlin sind das einer Untersuchung zufolge monatlich im Schnitt knapp 900 Euro. Davon zwei Wohnungen zu finanzieren, ist schwierig. Und bei bezahlbaren Zwei-Zimmer-Apartments stehen die Interessenten Schlange. Bevorzugt wird meist, wer langfristig bleiben kann.

Wohngemeinschaften von Berufstätigen seien daher im Kommen, hat Brauckmann beobachtet. München sei hier Spitzenreiter, auch in Berlin und anderen Großstädten suchten viele danach. Zugleich boomen Angebote für möbliertes Wohnen auf Zeit. "Die starre Grenze zwischen Beherbergungsgewerbe und Wohnungswirtschaft verschwimmt mehr und mehr", sagt der Geograf. Es bilde sich ein völlig neues Marktsegment für Vermietung zwischen einigen Monaten und zwei Jahren. Doch laut Brauckmann geht das zu langsam, das Angebot sei viel zu klein. Auch Wohnungsbaugesellschaften, so sagt Danielzyk, hätten Multilokale noch nicht als Markt entdeckt.

Dafür aber große Konzerne. Große Arbeitgeber springen sogar ein und stellen günstige Firmenwohnungen zur Verfügung. So baute die Deutsche Bahn zuletzt in Frankfurt am Main eigene Wohnungsbestände für ihre Mitarbeiter auf. Vollmöblierte Apartments "exklusiv für Bahner" mit flexiblen Mietdauern und "Rundum-Sorglos-Paket". Die Wohnung dient zunehmend wieder als Argument und Lockmittel für hoch qualifizierte Fachkräfte. (dpa/rs)

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