Sogar viel Lob

Neue Studie über Bundeswehr-Projekt Herkules

Johannes Klostermeier ist freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media.

Trotz aller Verbesserungen: Eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem Konstrukt des Herkules-Projekts besteht bei den befragten Nutzern nach wie vor. Für die Mehrheit der Befragten bedeutet die Entscheidung, die flächendeckende Modernisierung der IT- und Kommunikationstechnologie der Bundeswehr in eine öffentlich-private Partnerschaft auszugliedern, keinen „echten Mehrwert“.

Für den BWI Leistungsverbund spricht nach Meinung von Jochen Reinhardt, Pressesprecher des BWI, jedoch, was die Studie auch festgestellt hat: „Nach der IT-Erneuerung und dem Übergang vom Ist- in den Zielbetrieb fallen die Meinungen der Anwender über die BWI positiver aus als im Ist-Betrieb.“

Immer noch Defizite bei Struktur- und Prozessqualität

Ist jetzt auch für Herkules verantwortlich: der neue Verteidigungsminister Thomas de Maizière.
Ist jetzt auch für Herkules verantwortlich: der neue Verteidigungsminister Thomas de Maizière.

Die Autoren mahnen jedoch: „Bei der Struktur- und Prozessqualität zeigen sich nach wie vor Defizite. Die Zielsetzung, Effizienzgewinne im Projekt Herkules vor allem über eine Standardisierung und eine zentralisierte Bewirtschaftung, Pflege und Steuerung der IT zu realisieren, tritt wie im Vorjahr in Konflikt mit den spezifischen Anforderungen und Notwendigkeiten in den oftmals von ihrer Struktur und ihrem Auftrag sehr heterogenen Dienststellen und Arbeitsstellen in der Fläche.“

Unter den nicht ausgerollten Nutzern habe sich anscheinend „Skepsis gegenüber Herkules“ verbreitet“, heißt es in dem Bericht weiter. Der weitere Erfolg des Projekts hängt deswegen vor allem davon ab, inwieweit es den Verantwortlichen in der Bundeswehr und der BWI gelinge, „diesen Spagat zwischen Standardisierung und Zentralisierung auf der einen Seite und Kundenorientierung und Flexibilität auf der anderen Seite nachhaltig zu schließen“.

Die Befragung der Anwender wurde vom 7. Oktober bis 5. November 2010 online durchgeführt, es wurden 24.234 Bundeswehrbedienstete der per E-Mail angeschrieben und zur Teilnahme über das Intranet der Bundeswehr aufgefordert. An der Befragung beteiligten sich 5089 Personen; die Rücklaufquote liegt damit bei 21,0 Prozent. Unter den Beteiligten waren 2423 Personen, deren Arbeitsplatz mit den neuen Computern, den sogenannten Herkules Clients, modernisiert wurde. Der gesamte Forschungsbericht steht auf den Seiten des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr zum Download bereit. Eine dritte Befragungswelle zur Evaluation der Nutzerzufriedenheit ist für Herbst 2011 geplant.

Quelle: CIO.de

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