Accenture: Fehler der Firmen

4 Ratschläge gegen Fachkräftemangel

31.05.2012 von Andrea König
Arbeitgeber sparen an Mitarbeiterweiterbildung und jammern zugleich über zu wenig qualifiziertes Personal. Was Unternehmen gegen Fachkräftemangel tun können.

In den vergangenen zwölf Monaten haben 86 Prozent der Arbeitgeber in Europa ihre Ausgaben für Weiterqualifizierung und Training ihrer Mitarbeiter gekürzt oder eingefroren, lautet eines der zentralen Ergebnisse einer Accenture-Studie. Viele Unternehmen geben weniger aus und beschweren sich gleichzeitig darüber, dass sie ihre freien Stellen nicht mit qualifizierten Mitarbeitern besetzen können.

Unternehmen sollten gezielt Auslandsaufenthalte von Mitarbeitern fördern, um so einen internationalen Talent-Pool aufzubauen.
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43 Prozent der 500 befragten Entscheider aus europäischen Unternehmen räumen einen moderaten Mangel an Qualifikationen im Unternehmen ein. 13 Prozent bezeichnen den Mangel als akut. Sie klagen zum Beispiel über fehlende internationale Business-Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter, einen Mangel an Analytik-Wissen, fehlendes Know-how bei handwerklicher Arbeit und über nicht vorhandene digitale Medienkompetenz. 72 Prozent der befragten Entscheider sind der Meinung, dass Unternehmen mehr Geld in die Qualifizierung und das Training ihrer Mitarbeiter investieren sollten. Doch die Realität sieht anders aus: Tatsächlich wollen in den kommenden zwölf Monaten nur 18 Prozent ihre Ausgaben in diesem Bereich erhöhen.

Drei große Herausforderungen

Die Accenture-Analysten sehen auf dem europäischen Markt drei große Herausforderungen:

1. Vergeudetes Talent: 67 Prozent der von Accenture befragten Entscheider sind der Meinung, dass Arbeitgeber die Fähigkeiten älterer Mitarbeiter unterschätzen. Auch bei den 25 Millionen Menschen, die in Europa als arbeitslos gelten und weiteren 15 Millionen, die arbeiten möchten, verschenken Arbeitgeber Potenzial. Häufig werden ganz unterschiedliche Personen wie Ältere, Arbeitslose, Mütter und Jugendliche als eine große homogene Einheit behandelt, wobei niemand auf die Eigenheiten dieser Gruppen Rücksicht nimmt.

2. Kaum internationale Bemühungen: Die Fähigkeiten der Mitarbeiter im Land des Unternehmensstandortes schöpfen nach eigenen Angaben 47 Prozent der befragten Firmen aus. Das klingt zwar auf den ersten Blick nach viel, bedeutet aber auch, dass viele Unternehmen selbst im eigenen Land noch nicht wirkungsvoll daran arbeiten, die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter gezielt zu nutzen. Die Zahl schrumpft, wenn man über die Landesgrenzen hinaussieht. Für den gesamten europäischen Markt können nur noch 28 Prozent der Arbeitgeber von sich behaupten, dass sie das Potenzial ihrer Mitarbeiter ausschöpfen.

3. Zu wenig Austausch: Fast zwei Drittel der Befragten sind sich darin einig, dass man die Herausforderung der Qualifizierung von Mitarbeitern nur dann europaweit meistern kann, wenn Unternehmen miteinander kooperieren. Doch umgesetzt wird diese Forderung bei deutlich weniger Firmen: 29 Prozent der Befragten kooperieren mit anderen Arbeitgebern aus ihrer Branche, 18 Prozent auch über die eigene Branche hinaus. Die Umfrageteilnehmer sind sich mehrheitlich darin einig, dass Handlungsbedarf besteht: 55 Prozent glauben, dass sie sich zukünftig in branchenübergreifenden Initiativen engagieren sollten, um etwas zu ändern.

Vier Tipps für Entscheider

Die Studienautoren von Accenture geben Arbeitgebern die folgenden vier Empfehlungen:

1. Sie sollten in Daten und Analytic investieren, um die im Unternehmen vorhandenen Fähigkeiten zu verfolgen und analysieren zu können. Dann wissen sie auch, welche Auswirkungen es hat, wenn der Arbeitgeber Mitarbeiter durch Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt.

2. Unterschiedliche Gruppen auf dem Arbeitsmarkt sollten Arbeitgeber gezielter ansprechen, zum Beispiel Ältere oder Mütter. Dazu gehört zum Beispiel das Anbieten von flexiblen Arbeitszeiten, um Müttern den Wiedereinstieg zu ermöglichen.

3. Für die Kooperation mit internationalen Standorten sollten Firmen ihren Angestellten Job-Rotationen ermöglichen, um so einen internationalen Talent-Pool aufzubauen. Als weiteres Mittel zur Talententwicklung rät Accenture zu Netzwerken mit anderen Arbeitgebern aus der gleichen Branche. 48 Prozent der befragten Entscheider glauben, dass die Bemühungen um Talente so effektiver wären.

4. Schließlich rät die Studie zum Aufbau von Partnerschaften mit kleinen und großen Unternehmen entlang der Lieferkette, um Standards für bestimmte Fähigkeiten zu verbessern. 34 Prozent der Umfrageteilnehmer sind von der Wirksamkeit dieser Maßnahme überzeugt.

Die Unternehmensberatung Accenture hat die Ergebnisse unter dem Titel "Turning the Tide - how Europe can rebuild skills and generate growth" veröffentlicht. An der Befragung nahmen 500 Entscheider aus europäischen Unternehmen und Regierungsorganisationen teil.