Überflüssige Prozesse

8 Kennzeichen des As-a-service-Business

11.08.2015 von Christiane Pütter
Insbesondere große Firmen sind auf die As-a-service-Ökonomie nicht vorbereitet. Acht Kriterien von Accenture und Hfs Research geben Orientierung.
  • In der künftigen As-a-Service-Ökonomie läuft alles as-a-Service: Infrastruktur, Software und Geschäftsprozesse. Roboter führen automatisierte Abläufe aus
  • Kleinere Firmen zeigen sich besser vorbereitet als Konzerne - diese wollen den Change aussitzen
Laut Accenture und Hfs Research bewegen wir uns auf eine "As-a-Service-Ökonomie" zu.
Foto: Milles Studio / shutterstock.com

Das Beschwören neuer Geschäftsmodelle ist den Consultants von Accenture und Hfs Research zu wenig. In ihrer Analyse "Beware of the smoke: your platform is burning" sprechen sie von der künftigen As-a-Service-Ökonomie. Demnach muss alles as-a-Service laufen: Infrastruktur, Software und Geschäftsprozesse. Vierter und letzter Aspekt sind automatisierte Abläufe, von Robotern ausgeführt.

Grundlage der Studie sind Daten von mehr als 700 Entscheidern, darunter sowohl Einkäufer wie Anbieter von Services sowie Berater. Accenture und Hfs Research kommen zu dem Schluss, dass mehr als zwei von drei Unternehmen noch nicht richtig vorbereitet sind. Demnach ist den Firmenleitungen durchaus bewusst, dass große Veränderungen anstehen. Die Belegschaft zeigt sich aber nicht überzeugt. Die Studienautoren monieren außerdem, dass sich Entscheider zu wenig darum kümmern, die notwendigen Skills intern herauszubilden oder von außen hereinzuholen.

Die 8 Merkmale der As-a-Service-Ökonomie

Accenture und Hfs Research umschreiben die Umstellung auf eine As-a-Service-Ökonomie mit einem Wort: Simplifizierung. Unternehmen müssen sich von überflüssigen Prozessen, Anwendungen und Systemen trennen. Die Consultants kristallisieren acht Merkmale der As-a-Service-Ökonomie heraus:

Design Thinking - lösen Entscheider Probleme bisher, indem sie sich auf den jeweiligen Prozess konzentrieren, werden sie künftig mehr Wert auf den Business-Kontext legen.

Business Cloud - Services nach dem Modell "Plug and play" werden die derzeit noch komplexen Technologien und Abläufe ablösen.

Intelligente Automation - aktuell erfordern automatisierte Prozesse noch zu viel manuelles Eingreifen und beziehen zu viele verschiedene Technologien ein. Künftig kombinieren Unternehmen Automation, Datenanalyse und die nötigen menschlichen Skills.

Accenture Technology Vision 2015
Accenture Technology Vision 2015
Die „Accenture Technology Vision 2015“ basiert auf Gesprächen mit Managern aus Konzernen und Start-Ups sowie mit Wissenschaftlern. Außerdem haben die Analysten eine Umfrage unter rund 2000 Entscheidern weltweit durchgeführt.
Überblick
Für 2015 identifiziert Accenture fünf Trends.
Trend 1: Internet of me
Aus den Daten von vernetzten Autos, Fernsehern oder Wearables beziehen Anbieter Informationen über das persönliche Leben der Kunden. Daraus lassen sich individualisierte Angebote ableiten. 60 Prozent der Befragungs-Teilnehmer geben an, Investitionen in Personalisierungs-Lösungen zahlten sich aus.
Trend 2: Outcome Economy
Das Wort "Ergebnis" umschreibt hier das Ergebnis des Kunden, also die Frage, was der Kunde mit den gekauften Produkten oder Services anfangen will. 84 Prozent der Studienteilnehmer erklären, zunehmend besser zu analysieren, was ihre Kunden mit der Nutzung vernetzter Produkte und Services erreichen wollen.
Trend 3: The Platform (R)evolution
Cloud und mobile IT ermöglichen Kooperationen von Unternehmen verschiedener Branchen. Basis ist die geeignete Plattform, über die Kooperationspartner integriert werden können. Drei von vier Studienteilnehmern (75 Prozent) erwarten, dass die nächste Generation an Plattformen nicht von den großen Tech-Unternehmen herausgebracht wird, sondern von Vorreitern aus der Industrie.
Trend 4: Intelligent Enterprise
Künftig unterstützt Software nicht nur Menschen, sondern auch smarte Maschinen bei der besseren Entscheidungsfindung, sagt Accenture vorher. Das Vertrauen der Befragten ist hoch: 80 Prozent glauben, dass Anwendungen und Tools der menschlichen Denkweise immer ähnlicher werden.
Trend 5: Workforce Reimagined
Aus Sicht von 78 Prozent der Befragten muss eine erfolgreiche Führungskraft der Zukunft die Collaboration von Menschen und Maschinen in ihrem Unternehmen managen können. Denn Wearables, smarte Maschinen und natürliche Schnittstellen verändern die Zusammensetzung der Teams. Mensch und Maschine werden enger zusammenarbeiten.
Paul Daugherty, CTO von Accenture
Für Paul Daugherty, Chief Technology Officer (CTO) von Accenture, ist „Digital Teil der DNA“ von Unternehmen geworden. Jetzt gehe es darum, „sich in größere digitale Wirtschaftssysteme zu bewegen und die nächste Generation an Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen zu entwickeln.“

Proaktive Intelligenz - bisher führen viele Mitarbeiter im Betrieb transaktionale Aufgaben aus, in Zukunft bezieht sich Operations auf die Interpretation von Daten und das Entwickeln neuer Ideen

Intelligente Daten - Technologien um Real-time-Analysen und Big Data fassen Accenture und Hfs als intelligente Daten zusammen. Sie ersetzen die noch üblichen Ad-hoc-Analysen kontextloser, unstrukturierter Daten.

Legacys abschreiben - Legacys haben in der As-a-Service-Ökonomie keinen Platz mehr. Die Nutzung Plattform-basierter Services wird viele bisherige Investitionen überflüssig machen.

Makler des Know-how - beim Outsourcing heißt Governance bisher, auf die Verträge und Service-Levels zu achten. In Zukunft geht es stärker darum, das Know-how der Dienstleister für die eigenen Zwecke zu managen.

Intelligente Partnerschaften - die Preise in Outsourcing-Verträgen orientieren sich vor allem an Kosten und der Anzahl der Mitarbeiter. Künftig richten sie sich nach der Expertise des Dienstleisters und dem Resultat, das der Kunde erzielt.

Kleinere Unternehmen sind weiter

Bei einer Selbsteinschätzung trauen sich kleinere Firmen ("klein" bezogen auf den Umsatz) übrigens mehr zu als große. Die Studienteilnehmer sollten angeben, innerhalb welcher vermuteten Frist sie zumindest ihre Kernprozesse "as a service" abrufen können. Während 40 Prozent der Firmen unterhalb einer Milliarde Umsatz das schon tun oder es binnen zwei Jahren können wollen, sind es bei den Unternehmen mit mehr als zehn Milliarden Umsatz nur 29 Prozent. Interpretation der Studienautoren: Die Konzerne versuchen, das Problem auszusitzen.