Internetanschluss bald "normal"

Autobosse sehen Branche vor Umbruch

15.09.2015
Die Autoindustrie schaut ins Silicon Valley: Mögliche Wettbewerber wie Google oder Apple treiben die Branche um. Daimler-Chef Dieter Zetsche zieht eine klare Linie, bis wohin er die IT-Konzerne im Auto vordringen lassen will. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Der digitale Wandel mit neuen Konkurrenten wie Google und Apple drängt die Automobilindustrie auf neue Wege. Kurz vor Beginn der Leitmesse IAA in Frankfurt pochen Autobosse darauf, auch im Internet-Zeitalter die Führungsrolle in der Branche zu behalten. Alleine die deutschen Autobauer rüsten sich für den Umbruch in den kommenden Jahren mit Investitionen von bis zu 18 Milliarden Euro für die Forschung zum vernetzten und automatisierten Fahren.

"Unser Geschäft bekommt ganz neue Spielregeln", sagte BMW-Chef Harald Krüger der "Süddeutschen Zeitung" mit Blick auf Google und Apple. VW-Chef Martin Winterkorn hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt: Für Volkswagen bedeute der rasante digitale Wandel, alles zu hinterfragen. "Wir sind dabei, Volkswagen ein Stück weit neu zu erfinden." Zur neuen Konkurrenz sagte Winterkorn: "Ich freue mich auf den sportlichen Wettkampf um die beste Lösung. Aber ich bin überzeugt: Volkswagen behält seine Führungsrolle."

Die eigentlich branchenfremden Wettbewerber aus den USA gehen neue Wege und holt sich dafür auch Kenner der Autoindustrie ins Boot: Zum Chef seines Roboterauto-Projekts hat Google den erfahrenen Auto-Manager John Krafcik berufen. Der Internet-Konzern arbeitet seit über sechs Jahren an selbstfahrenden Autos. Das kleine Fahrzeug soll in der Zukunft komplett vom Computer gesteuert werden und ganz ohne Lenkrad und Pedale auskommen. Apple plant laut Medienberichten ein eigenes Elektroauto.

BMW-Chef Harald Krüger
Foto: BMW AG

BMW-Chef Krüger erwartet, dass die Digitalisierung die Branche umkrempeln wird - "mehr als wir uns das heute möglicherweise vorstellen können". Für Führungskräfte und Mitarbeiter bedeute dies: "Wir müssen an vielen Stellen schneller werden." Design und Marke seien nach wie vor wichtig für einen Oberklasse-Hersteller wie BMW.

Allerdings werde in Zukunft "die digitale Vernetzung der Fahrzeuge ein mindestens genauso wichtiger Kaufgrund sein", sagte Krüger. "Wenn Sie hier nicht ganz vorne mit dabei sind, werden Sie als Hersteller in Zukunft ein Problem haben - da kann das Design noch so toll sein."

VW-Chef Martin Winterkorn
Foto: Volkswagen AG

Kooperationen mit IT-Unternehmen wie Google oder Apple schloss Krüger zwar nicht grundsätzlich aus. Allerdings müssten beide Partner "von einer Kooperation profitieren", sonst werde so etwas nicht lange funktionieren.

Das vernetzte und selbstfahrende Auto gehört neben alternativen Antrieben zu den Schwerpunkten der IAA, die am Dienstag mit einem ersten Pressetag beginnt.

Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte Kooperationen mit IT-Firmen nicht ausgeschlossen. Daimler werde aber sicher kein Auftragsfertiger wie Foxconn werden, der nur Hardware herstelle. Die "rote Linie" verläuft für Zetsche beim Betriebssystem: "Wir wollen, dass die Systeme anderer in den Autos funktionieren, aber nicht die Funktionen unserer Autos übernehmen", sagte Zetsche dem "Handelsblatt" (Montag).

Auch bei den Kundendaten zieht Zetsche klare Grenzen: "Daten, die im Auto generiert werden, gehören dem Kunden." Daimler, Audi und BMW kaufen von Nokia den Kartendienst "Here". Hochpräzise digitale Karten sind besonders wichtig für selbstfahrende Fahrzeuge. "Wir wollen eine eigene Plattform schaffen und selbst entscheiden, was mit den Daten aus unseren Autos passiert und was nicht."

Zunächst wird das Internet nach einer Prognose des Branchenverbandes VDA rasch Einzug ins Auto halten. Demnach werden schon 2017 weltweit vier von fünf Autos, die neu vom Band laufen, eine direkte Verbindung ins Netz haben, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Montag in Frankfurt zur IAA-Auftaktpressekonferenz. Damit würde sich der Anteil der internetfähigen Neuwagen von aktuell rund 25 Prozent in den nächsten Jahren mehr als verdreifachen. Als eine Folge sieht der VDA Smartphones und Fahrzeuge verschmelzen. "Das vernetzte Auto wird zur mobilen Kommunikationsplattform", sagte Wissmann. (dpa/tc)