Finanzchefs in der Kritik

CFOs entscheiden über IT-Investitionen

05.08.2011 von Thomas Pelkmann
Laut einer Gartner-Studie ist der Einfluss von IT-Chefs auf Investitionen bescheiden. Die Analysten raten CFOs, sich offener für die IT-Belange zu zeigen.
Beim Geld hört für CIOs der Spaß gerade auf: Immer häufiger bestimmen die Finanzvorstände über IT-Investitionen.
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CIOs sind nur für fünf Prozent der IT-Investitionen in den Unternehmen verantwortlich, hat Gartner in einer Studie herausgefunden. Dagegen bestimmen CFOs weit häufiger, wofür die Gelder in der IT ausgegeben werden: Sie verantworten immerhin 26 Prozent aller Investitionen. Überhaupt wächst der Studie zufolge, die auf Umfragen unter Finanzverantwortlichen beruht, der Einfluss der CFOs: Fast die Hälfte aller IT-Verantwortlichen, 42 Prozent, berichtet direkt an den Finanzvorstand seines Unternehmens, und in 45 Prozent der befragten Firmen macht oder entscheidet der CFO über die Investitionsstrategie bei der IT.

Sogar in Unternehmen, wo der CFO nicht für das Budget der IT-Abteilung verantwortlich ist, erhöht sich ihr Einfluss auf die Investitionsentscheidungen. Das hängt wohl mit dem insgesamt wachsenden Einfluss der Finanzchefs auf die Entscheidungsfindungen in den Unternehmen zusammen.

Auch die Rolle der IT wird der Studie zufolge zwar unterschiedlich, aber dennoch erstaunlich kritisch bewertet. So sagen - je nach Lesart nur oder immerhin - 69 Prozent der Unternehmen, dass sie einen direkten Nutzen aus ihren IT-Investitionen ziehen. Der Rest, 31 Prozent, verneint das. Ebenfalls nur 30 Prozent sind davon überzeugt, dass die Firmen-IT ihren Auftrag auch tatsächlich erfüllt. Im Umkehrschluss bedeutet das: 70 Prozent, und damit eine stabile Mehrheit, glaubt nicht, dass die IT einen Beitrag zum Unternehmensnutzen leistet.

Das mag der Grund sein, warum nur 32 Prozent der CFOs den CIO als strategischen Partner ansehen. Apropos Strategie: Nur 47 Prozent der Befragten, also nicht einmal jeder zweite, sehen IT überhaupt als strategischen Bestandteil des Unternehmens an, darin 35 Prozent als Treiber von Business Performance, acht Prozent in einer Schlüsselposition für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Immerhin, und das ist die gute Nachricht von Gartner, werden sich die IT-Ausgaben in diesem Jahr weiter erholen, wenn auch nur zögerlich und analog zur gesamtwirtschaftlichen Entspannung. Die von Gartner befragten Unternehmen zeigten sich wieder bereit, die IT-Ausgaben zu erhöhen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, heißt es in der Studie. Bei de für die Entscheidungsfindung offenbar wichtigen CFOs stehen Lösungen für Business Intelligence und Performance Management auf dem Wunschzettel ganz oben und damit höher, als in anderen Unternehmensteilen.

2011: Die IT-Ausgaben erholen sich

Gartner rät CIOs, auf die CFOs zuzugehen, um deren Proritäten besser kennenzulernen und mit den eigenen abzustimmen. Je mehr die Finanzabteilungen IT-Entscheidungen beeinflussen, desto mehr müssen sich die CIOs darum bemühen, ihre Vorstellungen Leuten zu erklären, die keine Ahnung von IT haben. CIOs und CFOs sollten dabei wie Geschäftspartner zusammenarbeiten, empfiehlt Gartner.

Bei Annäherungsversuchen an die Finanzverantwortlichen werden die CIOs dann auch von den Vorlieben der CFOs erfahren, alternative Delivery-Modelle wie Shared Services und Outsourcing ins Unternehmen zu bringen. Besonders die davon erhofften Kostenkonsolidierungen machen solche Modelle für die Finanzvorstände interessant. Die 2011-Befragung von Gartner jedenfalls zeigt einen deutlichen Trend, Technik nicht mehr lokal, sondern als Dienstleistungen von außen einzukaufen.

Die stärkere Macht der CFOs wird bei Gartner übrigens nicht durchgängig positiv gesehen. So bemängeln die Analysten zum Beispiel die oft zu kurzfristige Sicht der Finanzchefs auf die IT-Investitionen. Auf lange Sicht würde das den Businesserfolg eher behindern. Auch hier hat Gartner einen Rat parat: CFOs sollten sich bei der Beurteilung des strategischen Einflusses der IT ein wenig offener zeigen als bisher. Außerdem sollten sie aktiv mithelfen, Investitionen zum Erfolg zu führen, anstatt sie als "nicht strategisch" zu verwerfen. Schließlich sei es auch für die CFOs wichtig zu lernen, was die IT fürs Geschäft tun kann.

CEOs finden CIOs besser

Vielleicht sollten sie sich ein Beispiel an ihrer aller Chefs nehmen: In der Gartner-Studie kommt nämlich auch heraus, dass CEOs eine bessere Meinung von der IT haben. Entsprechend bewerten die Unternehmensleiter auch den Beitrag der IT zum Unternehmenserfolg höher.