Top oder Flop

Das neue iPad: Kaufen oder nicht kaufen?

14.03.2012 von Hans-Christian Dirscherl
Nun wissen wir also endlich, was das neue iPad kann. Doch für wen lohnt sich der Kauf? Ist Apple der große Wurf geglückt? Oder enttäuscht das neue iPad von Apple?
Das neue Apple iPad.
Foto: Apple

Apple hat mit dem „neuen iPad“, wie der Nachfolger des iPad 2 offiziell heißt, die Erwartungen erfüllt. Mehr aber auch nicht. Von Apple erwartet man aber eigentlich eben dieses „mehr“.

Das Retina-Display stand im Vorfeld schon als sicher fest. Und kam prompt. Niemanden hat das wirklich überrascht. Im Gegenteil: Alles andere als ein Retina-Display (das beim neuen iPad übrigens eine geringere Pixeldichte als beim iPhone 4S hat) wäre eine Riesenenttäuschung gewesen.

Der Prozessor ist deutlich schneller geworden. Auch das ist selbstverständlich. Doch eigentlich hatten wir doch alle einen Vierkerner erwartet. Das dachte wohl auch Apple. Und versucht das Fehlen eines echten Vierkernprozessors zu kaschieren, indem es zumindest einen Vierkern-Grafikchip mitliefert. Dessen Bewerbung als vier Mal schneller als der Tegra-3 von Nvidia Apple prompt Kritik einbrachte.

Siri, die pfiffige Sprachsteuerung vom iPhone 4S, fehlt. Ein echtes Manko, das durch Voice Dictation nicht kompensiert werden kann. Denn es sind genau solche Feature wie Siri, die ein Top-Gerät vom Mittelmaß abheben.

Das neue iPad 2012
Das neue iPad
Das neue iPad 3 gibt es wieder in weiß und schwarz.
Das neue iPad
Es besticht vor allem durch das Retina-Display und eine höhere Auflösung.
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Die Seitenansicht des neuen Gerätes.
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Die neue iSight-Kamera auf der Rückseite nimmt Bilder nun mit 5 MP auf.
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Es besticht vor allem durch das Retina-Display und eine höhere Auflösung.
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Bereit für die hohe Auflösung: Die Apple-Apps Pages ....
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... Numbers ...
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und Keynote
Das neue iPad
Die iLife-Apps auf dem iPad.
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Auch das Datensharing per Airport ist wieder mit dabei.

LTE ist zumindest an Bord - kann aber in Deutschland nicht genutzt werden, weil der verbaute LTE-Chip die in Deutschland für LTE verwendeten Frequenzbänder nicht unterstützt. Das ist gut und macht das neue iPad zukunftssicherer. NFC, eine andere hochmoderne Technologie, dagegen fehlt.

Nun kann man natürlich sagen: NFC nutzt doch sowieso noch niemand. Das ist richtig. Aber von Highendgeräten, die die Messlatte für den gesamten übrigens Markt festlegen, erwartet man eben das gewisse Mehr an Technik. Das aktuelle Google-Handy, nämlich das von Samsung produzierte Galaxy Nexus, bietet genau das: NFC und LTE (letzteres ist zwar nur bei einer bestimmten Variante des Galaxy Nexus verbaut, aber grundsätzlich verfügbar). Und hat darüber hinaus mit „Face unlock“ genau eine dieser zusätzlichen Technologien mit an Bord, die faszinieren und die das Image der Technologieführerschaft prägen. Auch wenn die Gesichtserkennung im Moment noch nicht zuverlässig zu funktionieren scheint.

Bessere Kamera

Die Kamera des neuen iPad soll nun ebenfalls deutlich besser sein als beim iPad 2. Doch erstens war das dringend nötig, weil das iPad 2 grottenschlechte Fotos fabrizierte. Und zweitens haben eigentlich alle Marktbeobachter auf eine 8-MP-Kamera gehofft. Eingebaut hat Apple aber nur ein 5-MP-Modell.

Beim internen Speicher änderte Apple erneut gar nichts. Sicher: 128 GB interner Speicher wären teuer. Aber da sich das iPad nun einmal nicht aufrüsten lässt, dürfte es durchaus Kunden geben, die ein 128-GB-Modell genommen hätten. So aber bleibt der Speicher des iPads nun schon in der dritten Generation unverändert. iPad-Kunden müssen sich stattdessen bei Speicherengpässen in die iCloud flüchten.

Letztendlich hat Apple mit der Hardware-Ausstattung des neuen iPads niemanden wirklich überrascht. Konkurrenten wie Samsung dürften gestern Abend eher aufgeatmet haben. Es hätte für sie schlimmer kommen können.

Für wen lohnt sich das neue iPad?

Für wen ist das neue iPad also eine lohnende Investition? Für die Masse der Besitzer eines iPad 2 sicher nicht. Die Vorteile eines Updates dürften für iPad-2-Besitzer nicht ausreichend sein. Wer dagegen ein Ur-iPad besitzt und ohnehin updaten wollte, kann nun gleich zum neuen iPad greifen.

Wer dagegen ein Top-Android-Tablet besitzt wie beispielsweise das Samsung Galaxy Tab 10.1 dürfte kaum einen Grund für einen Umstieg sehen. Sofern die neuen Grafikmöglichkeiten des neuen iPad nicht das ausschlaggebende Argument sind. Dann könnte sich der Umstieg lohnen. Wer sein Android-Tablet jedoch in erster Linie zum Surfen, Mails checken, twittern und für Facebook nutzt, muss nicht auf das neue iPad umsteigen. Das Gleiche gilt für Android-Tablet-Nutzer, die Video-Telefonie mit ihrem Androiden machen. Das klappt mit einem Galaxy Tab 10.1 passabel, dafür braucht man kein neues iPad.

Für Daddler könnte sich das neue iPad dagegen durchaus lohnen. Wobei hier ganz klar gesagt werden muss: Wer das Spielen an einer modernen Spielekonsole gewöhnt ist, den dürfte das iPad kaum davon weglocken.
(PC-Welt)