Stifte und geeignete Apps

Die besten Stifte für das iPad

07.01.2016 von Matthias Zehden und Markus Schelhorn
Ein Stift hat einige Vorteile gegenüber dem Finger, möchte man ein iPad bedienen. Wir stellen ausgewählte Stifte und dafür geeignete Apps vor.

Steve Jobs hat in seiner Zeit als Apple-Chef keinen Zweifel daran gelassen, was er von einer Oberfläche mit Stiftbedienung hält, nämlich gar nichts. Lange Zeit Man hatte man daher das Gefühl, dass sich der Stift bei Apple zum Tabu entwickelt hat. Und das, obwohl es auch auf dem iPad viele nützliche Einsatzmöglichkeiten für die kleinen Griffel gibt.

Unterschied zu Apple Pencil

Nun hat Apple selber, jahre nach dem Tod von Steve Jobs, eine Kehrtwende vollzogen und gar einen eigenen Stift für das iPad vorgestellt. Allerdiungs: Der Apple Pencil funktioniert nur mit dem iPad Pro zusammen, da nur das Display dieses iPad die technischen Voraussetzungen für das Apple Pencil erfüllt. Hier testen wir die herkömmlichen iPad-Stifte, die im Grunde ein Ersatz für den eigenen Finger darstellen.

Druck- und neigungssensitiv wie das Apple Pencil oder Wacom Tablet sind die hier vorgestellten stifte nicht. Dafür haben sie zwei Vorteile: Sie sind deutlich günstiger als das Apple Pencil. Und man kann sie auf allen iPad-Modellen verwenden, auch auf dem iPad Pro. Wer nicht gerade malt, für dem reichen m Alltag also auch die hier vorgestellten Stifte.

Ein Blick zurück

Bei der Einführung von iOS und iPhone hatte die radikale Ablehnung von Stiften sicher ihre Berechtigung, um sich klar von den vorhandenen Touchscreen-Geräten abzusetzen. Die einen nutzten den Stift als zentrales Bedienungselement und waren ohne praktisch hilflos, andere versuchten sich schon an der Fingererkennung, trieben ihre Nutzer aber aufgrund sturer Software und Berührungserkennung gern mal zur Verzweiflung. Das iPhone war anderen Geräten bei seiner Präsentation um Generationen voraus.

Es erkannte Fingergesten präzise und hatte eine von Grund auf darauf abgestimmte Oberfläche. Man spürte zwar schon vorher intuitiv, dass der Touchscreen ein großes Potenzial hatte, aber erst das iPhone konnte es in der Klasse der Handys und Organizer effektiv nutzen und den Touchscreen aus seinem Nischendasein herausführen. Die Steuerung mit Fingern hat sich klar gegen den Stift durchgesetzt, doch das ändert nichts daran, dass ein Stift eine sinnvolle Ergänzung sein kann. Gerade auf einem leistungsfähigen Tablet wie dem iPad.

Mögliche Einsatzgebiete

Beim Starten von Apps und Auswählen von Menüs und Kästen ist ein Stift wie Maus und Zeiger am PC nur ein Vermittler zwischen Ihrer Hand und dem Tablet oder Rechner. Diesen Zwischenschritt kann man durch die Fingerbedienung sparen, was Letztere so intuitiv und effektiv macht. Anders sieht es bei Tätigkeiten aus, die man auch im Alltag mit einem Stift oder Pinsel ausführt. Hier bedeutet es eine große Umstellung, plötzlich die Fingerspitze zu nehmen.

Auf seiner Entwicklerkonferenz Adobe Max 2013 hat der Softwarehersteller sein Konzept der Stifteingabe mit dem Projekt Mighty & Napoleon gezeigt. Während der Stift Mighty dank einer Feder auf Druckstärken reagiert und diese via Bluetooth an das iPad weitergibt, hilft das "Lineal" Napoleon bei der Erstellung exakter geometrischer Formen. Mittlerweile kann man den Stift und das Lineal von Adobe auch in Deutschland bestellen, das Paar kostet rund 150 US-Dollar inkl. Steuer, Adobe hat aber seine Produkte umbenannt - in Ink und Slide für den Stift und das Lineal respektive.

Stifttaugliche Apps

Folglich bieten sich Apps zum Malen oder Zeichnen regelrecht für die Nutzung eines Stiftes an. Die Bewegung entspricht einfach dem, was man aus der realen Welt gewohnt ist. Damit auf dem Bildschirm auch das erwartete Resultat entsteht, müssen App und Stift optimal zusammenarbeiten. Kann man durch unterschiedliche Werkzeugspitzen oder Geschwindigkeiten die Strichstärke verändern, oder erlaubt eine dünnere Spitze präziseres Arbeiten? iOS erkennt zwar sehr gut, wohin man auf dem iPad-Bildschirm tippt, sodass man auch kleine Elemente zuverlässig trifft. Trotzdem verdeckt die Fingerkuppe mehr vom Zielbereich als die Spitze eines Stifts. Für feine Arbeiten ist der Stift daher überlegen.

Ein weiterer Bereich ist die Texteingabe. Für kurze Nachrichten ist die Bildschirmtastatur prima geeignet. Selbst längere Texte lassen sich mit etwas Gewöhnung zügig schreiben. Für schnelle Notizen unterwegs ist die Stifteingabe aber nicht zu schlagen. Man schreibt mit dem Stift auf den Bildschirm wie auf einen Zeichenblock und kann das Ganze bei Bedarf noch mit kleinen Skizzen ergänzen. Unterstützt die App Handschrifterkennung, lassen sich die Notizen sogar mit anderen Apps und Diensten weiterverarbeiten, zum Beispiel übersetzen oder verschicken.

Der richtige Stift

Es gibt eine riesige Auswahl an Stiften, sodass sich für jeden Zweck etwas finden lassen sollte. Besonders kleine und leichte Stifte für unterwegs oder große, die angenehmer in der Hand liegen, weiche Spitzen für feinfühliges Malen oder kleine feste zum Schreiben und Skizzieren. Letztlich ist die Wahl oft einfach Geschmackssache, weshalb man am besten mehrere im Laden ausprobieren sollte. Sie finden im Versandhandel auch ganz einfache Stifte im Zehnerpack, die eignen sich aber eher zum Tippen auf dem Bildschirm als zum Malen oder Schreiben. Zu den Stiften (unten) finden Sie auf den folgenden Seite noch passende Apps.

Alupen

Alupen von Just Mobile ist fast schon ein Klassiker unter den iPad-Stiften.
Foto: Just Mobile

Fast schon ein Klassiker unter den iPhone- und iPad-Stiften ist der Alupen von Just Mobile (24,95 Euro, www.just-mobile.eu), der in diversen Metallicfarben erhältlich ist. Durch die markante sechseckige Form und den relativ großen Durchmesser lässt sich der Stift selbst im Außendienst mit Handschuhen noch gut halten. Die dicke, weiche Spitze gleitet beim Zeichnen gut über den Touchscreen, auch wenn man den Stift sehr schräg hält. Slider und kleine Tasten trifft man zuverlässig. Das Schreibgefühl kann allerdings nicht ganz mit dem Wacom Bamboo mithalten.

Wacom Bamboo Stylus Solo

Wacom Bamboo Stylus bietet auch eine platzsparende Teleskopversion.
Foto: Wacom

Der Wacom Bamboo Stylus Solo (29,95 Euro, www.wacom.eu) liegt durch angenehme Größe und Gewicht sehr gut in Hand. Die auswechselbare Spitze ist etwas schlanker als bei den anderen Stiften, wovon man vor allem beim Schreiben profitiert. In normaler Schreibhaltung arbeitet der Bamboo präzise, durch die Metallfassung der Spitze kann man ihn jedoch nicht ganz flach ansetzen. Wacom liefert den Stift in sechs Farben. Alternativ gibt es eine platzsparende Teleskopversion und eine mit integriertem Kugelschreiber.

Jot Pro V2

Jot Pro V2 hat wohl die dünnste Eingabespitze unter allen getesteten Stiften. Deshalb würden wir für die staubigen Umgebungen eine Schutzfolie empfehlen.
Foto: Adonit

Der Clou am Jot Pro V2 von Adonit (29,95 Euro, http://adonit.net) ist die feine, federnde Metallspitze, an der per Kugelgelenk eine durchsichtige Kunststoffscheibe befestigt ist. Sie behindert die Sicht kaum, wodurch der Jot Pro V2 mit Abstand das beste Schreibgefühl aller Stifte erreicht. Selbst feine Strukturen sind kein Problem. Bei großzügigen schnellen Strichen bleibt jedoch ein mulmiges Gefühl, da die Scheibe doch härter aufsetzt als die weichen Gummispitzen. Wir konnten im Test keine Kratzer beobachten, aber in staubigen Umgebungen, wie beim Renovieren oder am Strand, würden wir eine Schutzfolie empfehlen.

Virtuoso Touch ist ein eleganter und vielseitiger Stift.
Foto: Kensington

Ein eleganter und vielseitiger Stift ist der Virtuoso Touch Stylus & Pen von Kensington (19,95 Euro, www.kensington.com). Unter der Kappe am zweiten Ende befindet sich ein Kugelschreiber, falls man auch mal ganz konventionell auf Papier schreiben möchte. Auf dem iPad funktioniert der Stift gut, allerdings nicht ganz so sensibel wie die anderen. Ist hohe Genauigkeit gefragt, etwa beim Schreiben, muss man ihn schon ungewohnt senkrecht halten. Ohne Kuli spart man noch einmal 4 Euro.

Antidust

Antidust fällt wohl aus der Kategorie der Stifte durch seine ungewöhnliche Form aus.
Foto: Arktis

Die Bezeichnung Stift wäre wohl für den Antidust von Coconut (7,98 Euro, www.arktis.de) etwas übertrieben. Der kleine Stöpsel wird platzsparend in der Kopfhörerbuchse geparkt. Mit ihm kann man die üblichen Elemente der iOS-Oberfläche problemlos bedienen, Schreiben ist durch die ungewohnte Haltung mit den Fingerspitzen jedoch eher unangenehm. Der Antidust eignet sich prima für den gelegentlichen Einsatz unterwegs oder für kleine Kinderhände.

Adobe Ink & Slide

Ink & Slide sind zwar für einen iPad-Stylus nicht ganz billig (rund 200€), aber liefern dafür ein bisher unerreichtes Zeichengefühl, was das iPad überhaupt zu einem ernstzunehmenden Zeichen-Werkzeug macht. Das Zusammenspiel mit den speziell auf die Hardware abgestimmten Apps und der Austausch über die Cloud ist die große Stärke. Zusammen ergibt das ein mobiles Zeichenerlebnis, das jeden Profi und anspruchsvollere Hobby-Künstler begeistert. (Macwelt)