Analysten fordern Veränderungs-Bereitschaft und Fokus auf den Menschen

Die IT muss in den Alltag, der CIO ins Gespräch

06.09.2007 von Christiane Pütter
Die IT hat sich zu lange auf klar strukturierte Prozesse konzentriert. Um aber im Arbeitsalltag der Unternehmen anzukommen, muss sie beweglicher werden und den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Für den CIO heißt das: Weg von der Tastatur, rein ins Gespräch mit der Belegschaft. Klingt stressig, wird aber gar nicht so schlimm, es gibt ja SOA und BPM. So lautet das Fazit eines Round Tables der Analysten von Forrester mit Praktikern und Wissenschaftlern.

Connie Moore bringt es auf den Punkt: "Es ist, als gäbe es zwei Parallel-Universen", sagt die Forrester-Analystin. Da ist einerseits die reale Welt mit Unternehmen und ihren Angestellten, deren Handlungen man nicht vorhersehen und kaum planen kann. Menschen, die ihre genauen Arbeitsabläufe noch nicht einmal beschreiben könnten, weil sie eben mittendrin stecken und nicht dokumentieren oder kontrollieren, was sie den ganzen Tag tun. Und auf einem ganz anderen Stern hockt die IT mit ihrem Glauben an strukturierte, klar definierte Prozesse.

Die Botschaft ist deutlich: "Design for people, build for change". Das gibt Forrester als "neuen IT-Imperativ" aus.

Dabei beziehen sich die Analysten auf zwei konkrete Themen: Die Veränderungen der Arbeitswelt durch die kommende Generation der sogenannten Millennials - dem Nachwuchs, der nach 1980 geboren ist und ein ganz anderes Technik-Verständnis mitbringt - sowie den Einfluss von Technologien wie service-orientierten Architekturen (SOA) oder Business Process Management (BPM). Beides hat Auswirkungen auf die Rolle des CIOs.

Die Millennials kommen - und mit ihnen ein neues Technikverständnis

Stichwort Millennials und Web 2.0: Während noch Manager aus der Baby-Boomer-Zeit das Business prägen, stehen schon junge Leute in den Startlöchern, die "mit der Fernbedienung in der einen Hand, in der anderen das Mobil-Telefon und dabei die Augen auf MTV gerichtet" aufgewachsen sind, wie Forrester sagt. Diese Generation wird nicht ohne Facebook oder MySpace arbeiten. Darauf müssen sich Unternehmen einstellen.

Appell der Analysten: Der CIO muss raus aus der Technik-Ecke und zeigen, was er kann.
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Stichwort SOA und BPM: Unabhängig vom Alter der User muss sich die IT stärker auf die Arbeitsrealität der Menschen einstellen. Deshalb sprechen die Analysten Service-orientierten Architekturen und Business Process Management eine große Zukunft zu, sollen sie doch für mehr Flexibilität sorgen.

Design-Experte Don Norman, Professor an der Northwestern University, verlangt von CIOs, die Usability stärker in den Vordergrund zu stellen. Den derzeitigen Stand beschreibt der Professor etwas unakademisch mit den Worten: "Usability usually sucks". Technik-fixierte Informatiker vernachlässigten den Menschen, der damit arbeiten soll, so Norman.

Der CIO als Chimäre

Seine Einschätzung: Viele Implementierungen scheitern nicht am Produkt, sondern daran, dass die Anwendung nicht in die praktischen Arbeitsabläufe passt. Dabei gibt er zu Bedenken, dass es wenig Sinn macht, die User nach ihren Bauchschmerzen zu fragen. "Die Leute können ihnen höchstens die Symptome beschreiben", so Norman.

Konsequenz: Die Workflows müssen genau beobachtet und analysiert werden. Dann heißt es "Spec, build a prototype, test." Dieser Zyklus müsse so oft wiederholt werden, bis die Anwendung passt.

CIOs kämen zu selten aus der Technik-Ecke heraus, zu wenig kommunizierten sie, was sie zum Erfolg ihres Unternehmens beizutragen haben, so die Analysten. Sobald sie in diesem Punkt aktiver werden, steigen auch Ansehen und Einfluss bei der Geschäftsleitung.

Forrester spricht sich eindeutig für das stärkere Zusammenwachsen von Business und IT aus. Der CIO als Informatiker - das ist endgültig vorbei. Die Analysten haben offenbar eine Chimäre aus Informationstechnologe, Change Manager und Innovator vor Augen.

Forrester hat die Ergebnisse des Round-Table-Gesprächs unter dem Titel "The new IT Imperative: Design for people, build for change" zusammengefasst.