Flightright-Chef Legler

Die Weihnachtsfeier wird dieses Jahr zur Herausforderung

11.09.2020 von Alexandra Mesmer
Nach einigen Monaten Remote Work zieht Sebastian Legler, CEO des Fluggastportals Flightright, eine positive Zwischenbilanz. Er stellt sich darauf ein, dass bis Jahresende ein normaler Bürobetrieb nicht möglich sein wird.

CIO.de: Wie organisieren Sie in Ihrem Unternehmen das Arbeiten in Zeiten von Corona?

Sebastian Legler: Bei uns war es schon immer möglich zeitweise von zu Hause zu arbeiten. Die Veränderung durch Corona war daher erst einmal gar nicht so groß. Es ist aber natürlich schon ungewohnt sich über Wochen nur noch per Videokonferenz zu sehen. Mittlerweile dürfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder in unsere Büros kommen. Die große Mehrheit bevorzugt aber weiterhin das Home Office.

Sebastian Legler ist CEO des Fluggastportals Flightright, das im Zuge der Corona-Pandemie einen Ansturm von Kundenanfragen erlebte. Die Mehrheit der 140 Mitarbeiter arbeitet weiter von zuhause aus, obgleich sie wieder ins Büro zurückkehren dürfen.
Foto: Flightright

CIO.de: Was funktioniert remote gut? Was weniger?

Sebastian Legler: Generell funktioniert das Arbeiten im Home Office sehr gut. Wir haben cross-funktionale Teams aus fünf Büros. Unsere Arbeitsabläufe waren daher schon immer auf Remote Work ausgerichtet. Im Home Office können sich die Mitarbeitenden ihre Arbeitszeiten auch noch einmal deutlich flexibler einteilen. Für uns alle war aber sehr überraschend, wie sehr wir doch den kleinen Plausch zwischendurch vermissen.

Mit Remote Work ist es auf Dauer sehr herausfordernd, die gelebte Kultur des Unternehmens aufrecht zu halten. Wir steuern hier mit verschiedenen Aktionen gegen, aber der Punkt ist wirklich wichtig. Außerdem bemerke ich, dass es einigen Mitarbeitenden schwer fällt, Arbeit und Freizeit zu trennen, wenn man von zu Hause arbeitet. In Summe wird aktuell sicherlich mehr gearbeitet als vor Corona.

CIO.de:Mit welchen Aktionen versuchen Sie, die Unternehmenskultur weiterhin aufrechtzuerhalten?

Sebastian Legler: Als tägliches Ritual haben einzelne Teams kurze Morgenmeeting eingeführt, bei denen sie sich gegenseitig updaten und die Aufgaben für den Tag besprechen. So starten alle gemeinsam und locker in den Tag. Anstatt sich wie vor Corona in der Küche für eine kurze Kaffeepause zu treffen, verabreden sich viele Kollegen jetzt zu virtuellen Kaffeepausen.

Einen privaten Einblick aus dem Home Office jedes Einzelnen erhalten die Mitarbeitenden auch in den "Home Office Diaries", in denen sie in kurzen unterhaltsamen Videos das ganze Unternehmen an ihrem Arbeitsalltag teilhaben lassen. Zudem führen wir regelmäßig offene Feedback-Runden und virtuelle Allhands Meetings durch, in denen z. B. Mitarbeiter als Value Hero für ihre Arbeit gewürdigt werden.

CIO.de: Für welchen Zeitraum planen Sie, dass Sie mit Einschränkungen rechnen müssen?

Sebastian Legler: Ich gehe nicht davon aus, dass wir als Firma in 2020 noch einmal alle in einem Büro zusammen kommen können. Zumindest nicht solange es Distanzregeln gibt. Das stellt uns auch vor ganz neue Herausforderungen, z.B. fragen wir uns wie unsere Weihnachtsfeier dieses Jahr aussehen könnte.

CIO.de: Wer erarbeitet das Vorgehen, etwa das Hygienekonzept?

Sebastian Legler: Wir haben ein Team, das sich regelmäßig mit den aktuellen Entwicklungen befasst. Daraus entstand auch unser Hygienekonzept, mit dem wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit einiger Zeit wieder erlauben - auf freiwilliger Basis - aus dem Büro zu arbeiten.

Die agile Schaltzentrale bei Flightright in Berlin ist seit dem Lockdown verwaist. Die Mitarbeiter können selbst entscheiden, ob sie ins Büro zurückkehren oder weiter lieber von zuhause aus arbeiten.
Foto: Flightright GmbH

CIO.de: Wie haben bisher die Mitarbeiter auf die Maßnahmen reagiert?

Sebastian Legler: Insgesamt waren die Reaktionen positiv. In den ersten Tagen gab es bei einigen KollegInnen Unverständnis über die Schließung unserer Büros. Aber ich denke, die Belegschaft unterstützt die Schutzmaßnahmen und möchte das Home Office in Teilen auch nicht missen. In dieser Hinsicht kam es schon zu einem recht deutlichen Kulturwandel in den letzten Wochen.

Sebastian Legler: Zu zweit im ICE von Berlin nach Hamburg

Bereits als Student der Harvard Business School gründete Sebastian Legler sein eigenes Unternehmen, das sich für Verbrauchertransparenz im Versicherungsbereich einsetzte. Danach sammelte er einige Jahre Erfahrung als Unternehmensberater, bevor er bei dem Fluggastportal Flightright einstieg. Dort verantwortete er zunächst als CFO und COO die Unternehmensfinanzen und die Bearbeitung der Fälle, heute ist er CEO von Flightright und verantwortlich für rund 140 Mitarbeiter.

Legler liebt das Reisen, darum hat Corona nicht nur beruflich, sondern auch privat "einen großen Effekt" auf sein Leben: "Eine Weltreise, die ich für dieses Jahr geplant hatte, musste ich leider absagen. Aber auch im Alltag bin ich immer wieder verwundert, wie weitreichend die Auswirkungen dieser Krise sind - im ICE von Berlin nach Hamburg kurz nach Beginn der Pandemie waren ein anderer Fahrgast und ich die einzigen Passagiere, das hätte es vor Corona nie gegeben."

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