Arbeitsmoral

Drei von zehn Chefs halten Überstunden für gut

11.01.2013 von Christiane Pütter
Überstunden sollen die Arbeitsmoral heben - das denkt ein Drittel der Führungskräfte. Produktiver werden Firmen laut Robert Half durch Mehrarbeit aber nicht.
40 Prozent der deutschen CFOs geben an, dass ihre Mitarbeiter zwei- bis dreimal pro Woche Überstunden leisten (im internationalen Durchschnitt sagen das 37 Prozent).
Foto: Robert Half

After-Work-Partys müssen wohl ohne Angestellte aus Finanzabteilungen stattfinden. Das legt zumindest die "Workplace Survey" des Personaldienstleisters Robert Half nahe. Thema der Studie sind Überstunden, teilgenommen haben mehr als 2100 Chief Financial Officer (CFOs) aus dreizehn Ländern.

Demnach sind Überstunden nichts Ungewöhnliches. Mit neun Prozent gibt im internationalen Durchschnitt noch nicht einmal jeder Zehnte an, seine Mitarbeiter säßen nie länger am Schreibtisch. Elf Prozent erklären, das käme einmal im Monat vor.

Dagegen berichten 26 Prozent aller Befragten, ihre Angestellten machten einmal pro Woche Überstunden. Bei 37 Prozent kommt das zwei- bis dreimal wöchentlich vor und bei 17 Prozent täglich.

Nicht wesentlich anders sieht es in Deutschland aus. Hier geben 15 Prozent der rund 200 CFOs an, ihre Mitarbeiter machten keine Überstunden. Bei neun Prozent bleiben die Angestellten einmal monatlich länger, bei 27 Prozent einmal wöchentlich. 40 Prozent sagen, zwei- bis dreimal pro Woche gebe es Überstunden und elf Prozent beobachten das täglich.

30 Prozent der deutschen CFOs glauben, dass Mehrarbeit gut für die Arbeitsmoral ist (internationaler Durchschnitt: 38 Prozent).
Foto: Robert Half

Robert Half wollte wissen, wie CFOs Überstunden bewerten. Die Frage war, ob sie sich positiv auf die Arbeitsmoral der Angestellten auswirken, ob negativ - oder überhaupt nicht. Die Befragten sind geteilter Meinung.

Werden alle Antworten zusammengezählt, erklären 38 Prozent Überstünden für gut. 33 Prozent dagegen fürchten einen negativen Effekt. 29 Prozent sehen keine Wirkung.

Ein Blick auf Deutschland zeigt auch hier Uneinigkeit. Drei von zehn Befragten (30 Prozent) beurteilen es positiv, wenn ihre Mitarbeiter länger im Büro bleiben. 27 Prozent halten es für negativ und 44 Prozent glauben an keinerlei Effekt.

Die meisten Überstunden werden in Hong Kong geschoben

Die meisten Befürworter von Überstunden sitzen mit 56 Prozent übrigens in Hong Kong. Dort geben auch überdurchschnittlich viele Befragte (42 Prozent) an, ihre Mitarbeiter leisteten täglich Mehrarbeit.

Ganz anders dagegen in Chile: Lediglich gut jeder Fünfte (21 Prozent) glaubt, dass Überstunden gut für die Arbeitsmoral sind. Nur jeder Zehnte beobachtet, dass seine Mitarbeiter täglich länger im Büro sitzen. Dieses Ergebnis sollte jedoch nicht auf Latein-Amerika verallgemeinert werden: Unter den befragten Brasilianern erklären sich 45 Prozent zu Befürwortern von Überstunden und 20 Prozent sehen diese auch täglich in ihrem Team.

Allerdings: Auf die Produktivität eines Unternehmens haben bezahlte Überstunden nach Ansicht der CFOs kaum Einfluss. Lediglich 14 Prozent aller Befragten sehen hier eine positive Wirkung (Deutschland: sieben Prozent).

Produktivität hängt vor allem von technologischen Verbesserungen ab

Als Produktivitäts-Förderer gilt vor allem Technologie. Eine relative Mehrheit von 41 Prozent hält technologische Verbesserungen für besonders wichtig (Deutschland: 39 Prozent). 40 Prozent denken außerdem, dass Unternehmen produktiver arbeiten, wenn die bestehenden Ressourcen besser genutzt werden (Deutschland: 31 Prozent).