Telekommunikation

Eine Nummer für alle Kanäle

07.10.2002 von Patrick Goltzsch
E-Mail, Handy, Büro- und Privattelefon: Adressverzeichnisse sind kaum noch durchschaubar. Enum soll für Vereinfachung sorgen und sogar Anrufe vom Telefon zum PC ermöglichen.

Die Idee: Unter einer einzigen Nummer erfahren Programme und Geräte via Internet, auf welchem Weg ein Gesprächspartner zu erreichen ist. Dafür wurde das Domain Name System (DNS) des Internets erweitert. Bislang übersetzen DNS-Server ausschließlich Browser-Abfragen, etwa www.cio.de, in IP-Adressen. Für Enum wurde nun ein Datensatz definiert, der mit mehreren Kontaktmöglichkeiten verknüpft werden kann (siehe Kasten), und zwar in der vom Empfänger bevorzugten Reihenfolge. "Eine Enum-fähige Anwendung könnte einen Anruf aufzeichnen und per Mail weiterleiten", erklärt Rudolf Brandner von Siemens ICN.

Die Internet Engineering Task Force (IETF) hat bislang erst die Standards verabschiedet und der International Telecommunication Union (ITU) die Domain e164.arpa übertragen; der Name kommt vom ITU-Standard E.164, der den internationalen Nummernplan festschreibt.

In diesen Wochen sollen in Deutschland und Österreich Feldversuche starten. Hierzulande hat das Denic die Federführung, sonst für deutsche Internet-Adressen zuständig. Demnächst, so Klaus Herzig vom Denic, sollen organisierte Internet-Provider, aber auch andere Interessierte als Versuchsteilnehmer gewonnen werden.

Manfred Breul vom IT-Branchenverband Bitkom schätzt die Versuchszeit in Deutschland vorsichtig auf 15 Monate. Richard Stastny, bei der Telekom-Austria-Tochter Öfeg zuständig für Enum, strebt ein höheres Tempo an: Drei Monate nach Versuchsbeginn will er eine erste Bewertung wagen. Er ahnt jedoch, dass viele Unternehmen angesichts der Konjunkturflaute derzeit eher zurückhaltend auf Visionen reagieren könnten.

Ähnlich schätzt Breul die Situation in Deutschland ein. Und Heiko Liebscher, CTO beim Norderstedter Provider und Telefonanbieter Wilhelm.tel, fragt fast ketzerisch: "Braucht wirklich jemand Enum?"