Solarzellen

Energy to go

13.08.2007 von Marleen Gründel
Ob Handys, Laptops oder MP3-Player - all diese Geräte werden von der Steckdose abgestöpselt und künftig mithilfe von Sonnenergie aufgeladen. Ist dieses Szenario entfernte Zukunft oder baldige Realität? Eine Analyse.

Handy, Laptop, MP3-Player - all diese Geräte wurden dafür konzipiert, ihren Nutzern mehr Mobilität zu verleihen. Doch die Sache hat einen Haken: Über kurz oder lang müssen sie alle wieder ans Netz, um sich mit Energie vollzupumpen. Mit der örtlichen Unabhängigkeit ist es spätestens dann dahin.

Als Alternative zur Steckdose wird häufig Solarenergie ins Spiel gebracht. Ebenso wie der Mensch den Sauerstoff sollen sich auch Handy oder Laptop ihre Energie aus der Umgebung holen.

In Zeiten des Klimawandels und immer knapper werdender fossiler Rohstoffe sollten die Regale eigentlich voll entsprechender Produkte sein, denkt man. Immerhin wird laut einer Studie der Beratungsfirma ID Tech Ex der Markt für integrierte Solartechnik allein bis 2025 auf zehn Milliarden Dollar ansteigen. Doch ein Blick auf die Geräte etablierter Anbieter zeigt, dass entsprechende Modelle kaum zu finden sind.

Woran liegt das?

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"Produkte mit eingebauten Solarzellen sind teurer als vergleichbare Geräte", erklärt Christopher Hebling vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme. So ein Modul koste in der Herstellung etwa 20 Euro. Angesichts der schlechten Wirtschaftslage der vergangenen Jahre sei die Technologie deshalb bis vor Kurzem auf wenig Interesse bei den großen Anbietern gestoßen.

Dabei ist die Technologie nach Meinung des Experten bereits ausgereift. Sogenannte Hochleistungssolarzellen wandeln das Licht der Sonne in elektrischen Strom um, der die Batterie des Gerätes mit Energie versorgt. Bei intensiver Nutzung verbraucht beispielsweise ein UMTS-Handy etwa zwei Watt, der Akku wäre somit innerhalb von einer Stunde leer. Scheint die Sonne direkt auf das Mobiltelefon, können die Solarzellen eine Leistung von rund einem Watt erzeugen. Das reicht, um die Batterie nach einem Gespräch wieder aufzuladen und das Gerät unabhängig von der Steckdose zu machen.

Hitze zerstört die Elektronik

Die für die Solarzellen so wichtige Sonne ist allerdings Fluch und Segen zugleich. Einerseits benötigen sie das Licht des Himmelskörpers, um die Batterie mit Strom zu versorgen. Andererseits sind die Hightech-Geräte, in denen die Module eingebaut werden, äußerst wärmeempfindlich.

Wer beispielsweise die Zeit während eines Meetings nutzen will, um sein Handy aufzuladen und das Gerät zu diesem Zweck direkt an der Windschutzscheibe seines Autos platziert, tut ihm keinen Gefallen. Hier entstehen bei direkter Sonneneinstrahlung Temperaturen von bis zu 60 Grad Celsius. Der Akku des Mobiltelefons altert dadurch schneller.

Unabhängig von der Wetterlage sind dagegen Brennstoffzellen, die auch in Autos oder Bussen des öffentlichen Nahverkehrs eingesetzt werden. Dabei wird chemische, gut brennbare Energie, wie eben Wasserstoff oder auch Alkohol, in elektrischen Strom umgewandelt.

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Das impliziert aber auch gleich den Nachteil dieses Energiewandlers: Im Gegensatz zu den Solarzellen gewinnen die Brennstoffzellen ihre Energie nicht aus der Umgebung, sondern müssen ständig mit neuem Wasserstoff oder Alkohol versorgt werden. Ähnlich wie bei einer Batterie muss also der Tank, in dem sich die Flüssigkeit befindet, bei Bedarf ausgetauscht werden.

Hinzu kommt, dass die Wissenschaft auf diesem Gebiet noch nicht ganz so weit fortgeschritten ist wie bei den Solarzellen. Derzeit sind die Brennstoffzellen noch zu groß, um in kleine Geräte wie Handys oder MP3-Player eingebaut zu werden. Erst in etwa fünf Jahren wird mit der Marktreife dieser Technologie gerechnet.

Doch auch wenn die Solarzellentechnik bereits ausgereift ist, so sind entsprechende Produkte bisher Mangelware. Zudem handelt es sich bei den momentanen Angeboten eher um technische Spielereien als um ernst gemeinte Alternativen.

Fragwürdige Solarmode

So bietet der Wäsche- und Bademodenhersteller Triumph beispielsweise einen Badeanzug mit eingebauten Solarzellen an, mit dem das Handy oder der MP3-Player aufgeladen werden kann. Die Gesamtleistung des nur eingeschränkt modischen Energiewandlers beträgt vier Watt, allerdings funktionieren die Module nur dann, wenn das Textilstück auch trocken ist.

Zudem ist fraglich, ob modebewusste Damen mit einem Stecker in ihrer Kleidung am Strand flanieren möchten. Der Taschenhersteller Picard hat es da von Natur aus mit seinen Produkten etwas einfacher, schließlich können Solarmodule in Laptoptaschen, Rucksäcken oder Koffertrolleys durchaus nützlich sein.

Dennoch handelt es sich bei den genannten Produkten immer um externe Solarmodule. Erst seit kurzer Zeit entdecken zumindest die großen Handy-Hersteller den Trend für sich. So soll Motorola im Mai dieses Jahres spezielle Displays zum Patent angemeldet haben, hinter denen Solarzellen verbaut werden können. Und der chinesische Anbieter Hi-Tech-Wealth stellte auf der diesjährigen Computermesse Cebit ein Mobiltelefon vor, dessen Akku mit Solarzellen aufgeladen werden kann. Allerdings handelte es sich dabei noch um einen Prototypen.

Mit detaillierten Informationen über die neuen Geräte halten sich die Unternehmen jedoch zurück. Keiner der großen Anbieter beantwortete Anfragen zu dem Thema. Bei Nokia hieß es lediglich: "Wir äußern uns nicht zu in der Entwicklung befindlichen Technologien." Diese Geheimnistuerei spricht jedenfalls dafür, dass die Konzerne mit aller Macht an der neuen Technik arbeiten. Jeder will offenbar der Erste sein, der mit serienreifen Produkten startet.

Glühbirne drahtlos mit Strom versorgen

Vielleicht erübrigt sich die Fragerei auch bald von selbst. Schließlich ist es Forschern am Massachusetts Institute of Technology vor Kurzem gelungen, eine 60-Watt-Glühbirne drahtlos mit Strom zu versorgen. Zwar betrug die zurückgelegte Distanz bisher nur 2,13 Meter. Sollte es den Forschern jedoch gelingen, Sender und Empfänger auf die gleiche Frequenz - praktisch wie bei einem Radio - zu bekommen, könnten mobile Geräte künftig von jedem Ort aus mit Strom versorgt werden. Und damit würden integrierte Solarzellen für die Handyhersteller ihre Bedeutung verlieren.