Empirische Studie über patientengeführte elektronische Patientenakte

EPA Rahmenbedingungen und Erfolgsaussichten

08.02.2006
Die Kommunikation im deutschen Gesundheitswesen ist geprägt durch den Einsatz vielfältiger Medien. Durch die Heterogenität dieser Medien kommt es im Rahmen von institutionsübergreifenden Kommunikationsprozessen zu ablauforganisatorischen Problemen. Medizinische Leistungserbringer („Health Professionals“) dokumentieren ihre Befunde in jeweils eigenen Karteikarten oder Patientenakten. Aufgrund dieser Verfahrenweise kann es zu Informationsverlusten in Kommunikationsprozessen kommen. Mittels Einsatz von IT will man diesem Problem begegnen und Kommunikationsprozesse entlang der Versorgungskette harmonisieren. Aufbauend auf der elektronischen Patientenkarte soll die Elektronische Patienten-Akte (EPA) eine institutionsübergreifende Informationsversorgung der Leistungserbringer mit Gesundheitsdaten gewährleisten.

Einigkeit herrscht darüber, dass die elektronische Patientenakte der zentrale Informationsspeicher der Krankengeschichte eines Patienten ist und damit ein bedeutsames Element der Modernisierungsbemühungen des deutschen Gesundheitswesens darstellt. Für den Betrieb der elektronischen Patientenakte wurden und werden verschiedene Modelle diskutiert, welche die Qualität der medizinischen Versorgung von Patienten verbessern sollen. Im Wesentlichen sind dies die patientengeführte EPA beim Hausarzt, die vernetzte EPA beim Hausarzt sowie die fallorientierte EPA.

Die Rahmenbedingungen der Betreibermodelle wurden durch diese Erhebung, veröffentlicht Anfang 2005, untersucht, wobei das Modell der patientengeführten EPA im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stand. Diese EPA Variante ermöglicht dem Patienten ein hohes Maß an informeller Selbstbestimmung, die er aber nur wahrnehmen kann, wenn er hinsichtlich der Vergabe von Zugriffsrechten durch medizinisches Fachpersonal beraten wird. Problematisch ist hierbei, dass der Patient zwar über die Zugriffsrechte entscheidet, er aber nicht die medizinische Kompetenz besitzt, eine nach seiner Interessenlage adäquate Entscheidung zu treffen. Der Arzt wiederum ist hierzu in der Lage, sollte aber aus Gründen des Datenschutzes nicht automatisch alle Daten einsehen können. Das Beratungsgespräch ist daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor für dieses Betreibermodell und bildete insofern den Schwerpunkt der Umfrage.

Autoren der Studie: Frank Birgels, Christian Anhalt, Stefan Kirn (eHealth-Lab, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II Universität Hohenheim)

Quellenangabe: eHealth-Lab, Department for Information Systems II Universität Hohenheim

Organisation: eHealth-Lab, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II Universität Hohenheim