IT-Offensive aus Indien

23.11.2006
Wo die Margen knapp sind, zählt jeder Preisvorteil. Dass man mit IT-Offshoring bis zu 30 Prozent an Kosten sparen kann, war während der Tagung „India‘s Next Phase: Innovation Hotspot“ in München zu erfahren.

Dass sich Politiker und Beamte um den Standort Deutschland sorgen, befreit IT-Entscheider nicht von der Verantwortung, die eigenen Betriebskosten zu senken. Eine Verlagerung der Produktion nach Osteuropa oder Fernost und das Offshoring von IT-Aufgaben sind zwar nicht besonders innovativ, bleiben aber überlegenswert.

Zumindest können deutsche Unternehmen in den indischen IT-Hochburgen ein deutlich gestiegenes Leistungs-Niveau in Anspruch nehmen. So sei man dort bereits über das reine Abarbeiten von Massen-Jobs hinaus, erläutert Dr. T. S. Krishnamurthy, Senior Vice President des IT-Dienstleisters Satyam. Vielmehr sind indische Systemhäuser inzwischen in der Lage, auch in der Entwicklung und Infrastruktur-Administration einzugreifen.

Für Retail-Kunden verweist man bei Satyam gerne auf die gewachsene SAP-Kompetenz, die eine End-to-End Applikations-Entwicklung bis zur Remote System Administration ermöglicht. Und gerade letztere wirkt sich spürbar aus: Während die On-Site Entwicklung beim Kunden kaum spürbare Kostenvorteile bringt, kann das komplette Offshoring fast ein Drittel der IT-Ausgaben einsparen.

In Finanzwesen, Produktion und Telekommunikation bereits etabliert, plant Satyam zurzeit vor allem den Ausbau der Retail-IT. Dieser Geschäftsbereich setzt rund 100 Millionen US-Dollar um, beispielsweise mit Food-Konzernen wie Mars, Coca-Cola und Nestle. Auch von der US-Zentrierung des Geschäftes will man sich lösen: Noch werden zwei Drittel des Umsatzes in den USA und 20 Prozent in Europa erwirtschaftet, was sich zugunsten der „Alten Welt“ aber ändern soll.

In Deutschland beschäftigt Satyam rund 200 Mitarbeiter in mehreren regionalen Vertriebs-Teams, die den Standorten in Indien zuarbeiten. Die mittelfristigen Ziele konkretisiert Dr. Krishnamurthy: „Wir arbeiten daran, in wenigen Jahren zu den drei maßgeblichen Systemintegratoren in Deutschland zu gehören.“

Bernhard Schoon, Fachjournalist in München