Empathisch, kommunikativ, teamfähig

IT-Profis brauchen Soft Skills

25.09.2013 von Karen Funk
Ohne Soft Skills geht auch in der IT-Abteilung heute nichts mehr. Welche "weichen" Eigenschaften IT-Profis neben ihrer fachlichen Qualifikation mitbringen sollten und wie man sie im Bewerbungsprozess herausfiltert, erzählen neun IT-Chefs.
Christian Niederhagemann, KHS, hält Moderationstalent für einen wichtigen Soft Skill.
Foto: KHS

Wer kennt das nicht: Zwischen Fachbereich, Prozess-Management und den SAP-Profis im Unternehmen ist eine intensive Diskussion entfacht, wie eine Business-Anforderung elegant, schnell und ohne großen Aufwand auf IT-Seite abgebildet werden kann. Wie so oft in diesen Fällen schwankt die Lösungsfindung zwischen "verbogenem" Standardprozess, kreativer Individualprogrammierung und Eskalation in höhere Management-Sphären. "In dieser Situation halte ich meine Mitarbeiter an, das Heft bewusst in die Hand zu nehmen und den weiteren Verlauf aktiv zu moderieren", erzählt Christian Niederhagemann, CIO des Anlagenbauers KHS aus Dortmund.

Für den IT-Leiter ist Moderationstalent eine unerlässliche Eigenschaft, die IT-Profis heutzutage mitbringen müssen, um in der neuen Rolle der IT bestehen zu können. Die moderne Business-IT sei kein reiner Dienstleister mehr und die IT-Experten hätten zunehmend die Rolle eines Sparrings-Partners für die Fachabteilungen inne. So ist für Niederhagemann klar: "Aus meiner Sicht sind es drei wesentliche Eigenschaften, die ein erfolgreicher Mitarbeiter in der IT hierzu insbesondere mitbringen muss: Moderationstalent, Empathie und die Bereitschaft, neue Wege gehen zu wollen." In der oben geschilderten Diskussion könnten IT-Mitarbeiter mit Moderationstalent und dem richtigen Gespür für die Situation in der Regel rasch alle Beteiligten wieder an den Tisch zurückholen und das Gespräch auf die Sache – das gemeinsame Unternehmensinteresse – zurücklenken.

IT-Profis brauchen Soft Skills
Ohne Soft Skills geht gar nichts
Auch in der IT-Abteilung sind die so genannten "weichen" Eigenschaften heute wichtiger denn je. Welche Soft Skills IT-Profis neben ihrer fachlichen Qualifikation mitbringen sollten, haben wir neun CIOs gefragt.
Christian Ley, CIO von Brose:
"Für das erfolgreiche Umsetzen unserer immer komplexer werdenden IT-Projekte – gerade auch vor dem Hintergrund einer zunehmenden Internationalisierung – sind eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die Verfolgung gemeinsamer Ziele und eine offene Kommunikation das Maß aller Dinge ...
Kommunikationsfähigkeit
... Deshalb spielen Team- und Kommunikationsfähigkeit, strukturiertes Denken, ein hohes Qualitätsbewusstsein, Konfliktfähigkeit, soziale und teilweise auch interkulturelle Kompetenz eine große Rolle. Natürlich erwarte ich nicht von jedem meiner Mitarbeiter eine gleich starke Ausprägung dieser Soft Skills, das ist letztlich auch abhängig von der Aufgabe des Einzelnen ...
Kundenorientierung
... Von einem Mitarbeiter im ServiceDesk erwarte ich eher eine hohe Kundenorientierung, von einem Softwareentwickler strukturiertes Denken. Alle Mitglieder unserer Mannschaft sollten allerdings mit einem gesunden Maß an Pragmatismus ausgestattet sein."
Klaus Neumann, Bereichsleiter der KfW Bankengruppe:
"Welche Soft Skills IT-Profis heute brauchen – das kommt natürlich immer auch auf die Funktion, in der sie eingesetzt werden, an. An der Schnittstelle zum Kunden, also zum Anwender in unserem Fall, brauchen wir Leute, die offen und kommunikativ sind ...
Konfliktfähigkeit
... Wichtig sind für uns zudem Konfliktfähigkeit und eine lösungsorientierte Sicht. Kann jemand nicht mit Konflikten umgehen - und die gibt es immer - oder denkt einer nur in Problemen, dann ist er nicht der Richtige für die IT-Abteilung."
Für Christoph Böhm, bis 2015 CIO von Vodafone Deutschland, heute Senior Vice President bei SAP...
... ist ebenfalls die Kommunikationsfähigkeit wichtig: "Dies hilft den Mitarbeitern der IT einerseits dabei, die Anforderungen der Business Units als auch die Sprache der IT-Mitarbeiter zu verstehen und diese für die entsprechend andere Gruppe zu übersetzen. Dies ist eine Schlüsselkompetenz, da die Aufgaben einer modernen IT nicht nur darin bestehen, die Business Anforderungen in der IT abzubilden, sondern ebenfalls darin, mögliche Potenziale aus der IT an die Business Units zu kommunizieren, sodass sie nachvollziehen können, welche Auswirkungen und Chancen ein derartiger Schritt auf sie haben würde ...
Die Analytische Kompetenz ...
... ergänzt die Kommunikation, indem die Auswirkungen des Handelns transparent und nachvollziehbar werden ...
Teamfähigkeit
... Mitarbeiter in der IT arbeiten grundsätzlich in Teams, heute meist in gemischten internationalen Teams mit Beteiligung internationaler Partner oder Kollegen."
Günter Weinrauch, ehem. CIO des ADAC:
Zentrale Soft Skills sind für ihn neben Analyse- und Abstraktionsfähigkeiten sowie Kommunikations- und Überzeugungsfähigkeiten (weil auch die beste technische Lösung dem Anforderer "verkauft" werden muss) ...
... Engagement und Ownership:
... um perfekte Lösungen zu schaffen, muss man von seiner Arbeit begeistert sein. Reiner 'Dienst nach Vorschrift' ohne emotionales Engagement kann nie zu herausragenden Lösungen führen ...
Flexibilität
... weil Überraschungen doch immer wieder lauern, und Hindernisse am besten als Herausforderung gesehen werden sollten, nicht als Bremse."
Gilbert Riegel, Senior Project Manager M & A bei Siemens:
Für ihn ist die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel (Einfühlungsvermögen) besonders wichtig: "Das heißt die Fähigkeit, den Ansprechpartner an dem Punkt abzuholen, wo er vom Wissen (Prozesse / Technik) her steht, und ein Verständnis für die Rahmenbedingungen aber auch für die Handlungsperspektiven der Ansprechpartner zu entwickeln. Die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel reduziert Missverständnisse und potenzielle Widerstände ...
Vertrauen aufbauen
... Die Komplexität von IT-Projekten erfordert es, dass die unterschiedlichen Fachbereiche im Unternehmen Vertrauen in die Fähigkeiten der IT-Organisation und ihrer Mitarbeiter haben. Vertrauen entsteht nicht von alleine, sondern über persönliche Interaktion, das Einhalten von Zusagen und Terminen sowie durch die gemeinsame Durchführung erfolgreicher Projekte - also insgesamt positive Erfahrungen mit Personen und Prozessen ...
Selbstbewusstsein
... Die IT-Abteilung fühlt sich oftmals in der klassischen 'Underdog'-Rolle im Unternehmen wohl bzw. lässt sich dort hineindrängen. Um aber den Auftrag an eine moderne IT-Organisation erfüllen zu können, muss die IT aktiv und selbstbewusst mit den Business-Funktionen interagieren und darf sich nicht hinter Governance-Themen und technischer Komplexität verstecken. Das Bild der IT Organisation kann also nicht nur durch den IT Leiter / CIO und einige zentrale Führungskräfte vermittelt werden, sondern muss insbesondere durch die IT Mitarbeiter in Ihrer täglichen Arbeit transportiert werden ...
Analytische Fähigkeiten gepaart mit Neugierde
... Themen schnell erfassen und zu strukturieren ist eine wesentliche Fähigkeit, allerdings mit dem Fokus auf Lösungsorientierung statt Problemorientierung. Neugierde hilft neue Aspekte zu betrachten und so bei einem lösungsorientierten Vorgehen und damit auch Etabliertes zu hinterfragen."
Fähigkeit zur Selbstreflexion
Auch diese findet Riegel wichtig, "um aus dem Feedback anderer und den eigenen Erfahrungen Optimierungsmöglichkeiten für sich selbst und für die verantworteten Themen abzuleiten." Dadurch sei ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess möglich.
Dirk Müller, CIO von Franz Haniel & Cie. ...
findet die Bereitschaft, gelerntes Expertenwissen in Frage zu stellen und sich im Sinne von Innovation auf neue Themen einzulassen, wichtig. Sowie "Empathie und ...
Verhandlungsgeschick ...
... um mit Kunden und in zunehmenden Maße auch mit Lieferanten zielgerichtet, aber doch authentisch umgehen zu können. Beide Themen halte ich bei IT-Profis, die eher aus der Technikecke kommen, für die größte Herausforderung."
Christian Niederhagemann, CIO von KHS:
"Mehr und mehr entwickeln sich IT-Experten zum Sparringspartner für Fachabteilungen, für das Prozessmanagement und inzwischen vielfach auch für die Strategieabteilungen. Aus meiner Sicht sind es drei wesentliche Eigenschaften, die ein erfolgreicher Mitarbeiter in der IT hierzu insbesondere mitbringen muss: Moderationstalent, Empathie und die Bereitschaft, neue Wege gehen zu wollen."
Moderationstalent
Wenn beispielsweise zwischen Fachbereich, Prozessmanagement und den SAP-Profis eine intensive Diskussion entfacht, wie eine Businss-Anforderung elegant, schnell und ohne großen IT-Aufwand abgebildet werden kann, sind Moderatoren gefragt: "Mit Moderationstalent und dem Gespür für die Situation gelingt es in der Regel rasch, die Beteiligten wieder an den Tisch zurück zu holen und das Gespräch auf die Sache, nämlich das gemeinsame Unternehmensinteresse, zu lenken ...
Hochmut fehl am Platz
... In solchen Situationen ist kein Platz für Eitelkeiten und Eigeninteresse, es ist vielmehr Kreativität gefragt, auch einmal neue – eventuell sogar unkonventionelle – Wege zu gehen. Ich unterstütze meine Leute gezielt darin, im Rahmen definierter Leitplanken bewusst gegen den Strom zu denken. Wie häufig wurden nicht schon einfache und intelligente (IT-)Lösungen gefunden, sobald der Mut aufbracht wurde, die eingetretenen Pfade zu verlassen und gleichzeitig den Blickwinkel der beteiligten Parteien einzunehmen."
Hartmut Willebrand, CIO bei H. & J. Brueggen KG:
Er sagt, in der IT-Branche haben wer es überwiegend mit Persönlichkeitstypen zu tun, die in einer Welt der absoluten Abstraktion leben. "Daher neigen wir dazu, Wunschvorstellungen oder geradezu einen technischen Machbarkeitswahn zu haben, dass das, was wir theoretisch überlegt haben, auch genauso funktioniert. Oft fehlen die Anpassungsfähigkeit und das ausreichende Einkalkulieren der Realitäten. Denn das echte Leben ist und bleibt chaotisch, unvorhersehbar. Und die Menschen sowieso."
An Schwächen arbeiten
Willebrand plädiert dafür, die Fachkompetenzen um die "notwendigen humanen, sozialen Skills" zu vervollständigen. "Mit dem Mut, konstruktiv an unseren Schwächen zu arbeiten und unsere Stärken zu stärken, werden wir nachhaltig Erfolg haben."
Soft Skills im Gespräch abklopfen
Ob ein Bewerber die notwendigen Soft Skills mitbringt, erfährt man am besten im persönlichen Gespräch. Da sind sich die CIOs einig. Bewerbungsunterlagen wie Lebenslauf und Arbeitszeugnisse können zwar Hinweise liefern, aber reichen nicht aus.

In solchen Situationen ist kein Platz für Eitelkeiten oder Eigeninteresse, ist Niederhagemann überzeugt. Vielmehr sei Kreativität gefragt, auch einmal neue oder unkonventionelle Wege zu gehen: "Ich unterstütze meine Leute gezielt darin, im Rahmen definierter Leitplanken bewusst gegen den Strom zu denken." Denn häufig fänden sich einfache und intelligente (IT-)Lösungen, sobald die Mitarbeiter den Mut aufbringen, eingetretene Pfade zu verlassen und einmal den Blickwinkel der anderen beteiligten Parteien einzunehmen.

Die Perspektive wechseln

Einfühlungsvermögen zählt für Gilbert Riegel von Gigaset zu den wichtigsten Soft Skills.
Foto: Gigaset

Und damit sind wir beim Thema Empathie. Ein Soft Skill, der nicht nur Niederhagemann am Herzen liegt, sondern auch den CIOs Dirk Müller von Franz Haniel & Cie, Hartmut Willebrand von Aon Holding und Gilbert Riegel von der Gigaset-Gruppe. Gerade weil die Rollenprofile im IT-Umfeld eine Vielzahl von Schnittstellen besitzen – in die IT-Organisation selbst, zu den IT-Dienstleistern und vor allem in die unterschiedlichen internen Unternehmensbereiche – sei die Fähigkeit zum Perspektivwechsel beziehungsweise Einfühlungsvermögen wichtig, so Riegel. Es gehe also darum, „den Ansprechpartner an dem Punkt abzuholen, wo er vom Wissen her steht, und ein Verständnis für die Rahmenbedingungen aber auch für seine ganz individuelle Handlungsperspektive zu entwickeln." Die Fähigkeit zum Perspektivwechsel reduziert nach Riegels Erfahrung Missverständnisse und potenzielle Widerstände.

Kommunikationsfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz, sagt Christoph Böhm von Vodafone.
Foto: Vodafone

IT-Experten müssen analytisch denken, teamfähig und vor allem kommunikativ sein, findet Christoph Böhm. Denn nur so klappe eine enge Abstimmung mit und Anbindung an die Business-Units eines Unternehmens. Gerade die Kommunikationsfähigkeit hält der CIO Central Europe von Vodafone für zentral wichtig. IT-Mitarbeiter müssten nicht nur untereinander kommunizieren, sondern auch die Anforderungen der Business Units verstehen und diese für die jeweils andere Gruppe übersetzen. "Dies ist eine Schlüsselkompetenz, da die Aufgaben einer modernen IT nicht nur darin bestehen, die Business-Anforderungen in der IT abzubilden, sondern ebenfalls darin, mögliche Potenziale aus der IT an die Business Units zu kommunizieren, so dass sie nachvollziehen können, welche Auswirkungen und Chancen ein derartiger Schritt auf sie haben würde."

Die analytische Kompetenz hält Böhm für eine notwendige Ergänzung zur Kommunikationsfähigkeit ebenso wie die Teamfähigkeit: "Mitarbeiter in der IT arbeiten grundsätzlich in Teams, heute meist in gemischten internationalen Teams mit Beteiligung internationaler Partner oder Kollegen."

Ohne Leidenschaft geht es nicht

Ohne Teamgeist geht gar nichts, meint Adidas-CIO Jan Brecht.
Foto: adidas Gruppe

Für Jan Brecht gehört der Teamgedanke als CIO des Sportartikelherstellers Adidas schon von Haus aus zur Grundausrüstung seiner Mitarbeiter: "Für uns als sportliches Unternehmen sind Teamgeist und Verantwortungsbereitschaft entscheidende Eigenschaften für Innovation und Erfolg." Aber auch die Begeisterung für den Job darf nicht fehlen: "Wir suchen Mitarbeiter, die mit Leidenschaft und Herzblut dabei sind. Daraus ergeben sich meist alle weiteren Soft Skills." Günter Weinrauch, IT-Leiter vom ADAC, wünscht sich ebenso "Engagement und Ownership" von seinen Mitarbeitern und erklärt: "Um perfekte Lösungen zu schaffen, muss man von seiner Arbeit begeistert sein. Reiner Dienst nach Vorschrift ohne emotionales Engagement kann nie zu herausragenden Lösungen führen."

Skills abhängig von der Rolle

Im Service-Desk müssen IT-Mitarbeiter eine starke Kundenorientierung mitbrigen, so Brose-CIO Christian Ley.
Foto: Brose/Foto Mitschke

Nicht jeder IT-Mitarbeiter kann alle Skills mitbringen. Immer kommt es auch auf die spezielle Funktion an, in der er tätig ist. Für Christian Ley, CIO vom Automobilzulieferer Brose spielen zwar Team- und Kommunikationsfähigkeit, strukturiertes Denken, hohes Qualitätsbewusstsein, Konfliktfähigkeit, soziale und teils auch interkulturelle Kompetenz eine große Rolle, aber: "Natürlich erwarte ich nicht von jedem meiner Mitarbeiter eine gleich starke Ausprägung dieser Soft Skills. Das ist letztendlich auch abhängig von der Aufgabe des Einzelnen." Bei einem Mitarbeiter im Service-Desk beispielsweise setze er eine eher hohe Kundenorientierung voraus, bei einem Softwareentwickler eher strukturiertes Denken. "Alle Mitarbeiter unserer Mannschaft sollten allerdings mit einem gesunden Maß an Pragmatismus ausgestattet sein", ergänzt Ley.

Klaus Neumann von der KfW Bank wünscht sich eine lösungsorientierte Sicht bei seinen Mitarbeitern.
Foto: KfW

Klaus Neumann, Leiter des Bereichs IT in der KfW-Bankengruppe, sieht das ähnlich: "An der Schnittstelle zum Kunden, also zum Anwender in unserem Fall, brauchen wir Leute, die offen und kommunikativ sind." Wichtig seien für die KfW zudem Konfliktfähigkeit und eine lösungsorientierte Sicht. "Kann jemand nicht mit Konflikten umgehen – und die gibt es immer – oder denkt einer nur in Problemen, dann ist er nicht der Richtige für die IT-Abteilung."

Soft Skills erkennen

Wie jedoch kommt man den weichen Qualifikationen der Bewerber auf die Spur? Papier ist geduldig, und es gehört heute geradezu zum Standard, in seinem Anschreiben oder Lebenslauf zu formulieren, man sei all das, was sich der Arbeitgeber wünscht - teamfähig, kommunikativ und konfliktfähig und noch viel mehr. Die meisten CIOs setzen daher auf das persönliche Gespräch mit dem Kandidaten. "Soft Skills transportieren sich zum Teil bereits beim ersten Kennenlernen", so KfW-Manager Neumann. "Wie jemand einen Raum betritt, wie er sich gibt und wie er kommuniziert, verrät einem sehr viel."

Das findet auch Adidas-CIO Brecht, der vor allem nach der Leidenschaft der Bewerber sucht: "Erkennen kann man jemanden mit Herzblut bereits in den ersten zwei Minuten eines Gesprächs." Brose-Mann Ley meint sogar: "Ob ein Bewerber über die erforderlichen Soft Skills verfügt, ist aus meiner Sicht nur im persönlichen Gespräch verifizierbar." Gigaset nutze gerne Fallbeispiele, anhand derer erkennbar ist, wie sich ein Kandidat fachlich einbringt und persönlich verhält. Die Bewerbungsunterlagen selbst sind seiner Meinung nach wenig aufschlussreich, sie bieten bestenfalls Indikationen.

Soft Skills erkennt man am besten im persönlichen Gespräch, so ADAC-CIO Günter Weinrauch.
Foto: ADAC

Für ADAC-Mann Weinrauch steht ebenfalls das persönliche Gespräch ganz oben. Aber auch Assessment-Center, die in seinem Unternehmen für angehende Führungskräfte Pflicht sind, könnten ein Licht auf die Soft Skills werfen. Und manchmal hilft dann doch der Blick in die Bewerbungsunterlagen: Ein zu geradliniger Lebenslauf ohne Besonderheiten beispielsweise zeuge häufig von einer eher eindimensionalen Denkweise, hat Weinrauch beobachtet.

Ein Indiz für Soft Skills kann ehrenamtliches Engagement der Bewerber sein, findet Aon-CIO Hartmut Willebrand.
Foto: Aon Holding

Auch Aon-Holding-CIO Willebrand wirft unter dem Gesichtspunkt Soft Skills einen Blick in die Bewerbungsunterlagen. Ist ein Bewerber etwa ehrenamtlich engagiert – auf dem Dorf in der Feuerwehr – oder Mitglied im Sportverein oder betreibt einen Mannschaftssport, so könne er daraus durchaus einen Anhaltspunkt für die Persönlichkeit des Bewerbers erhalten.

11 wichtige Soft Skills
1. Kommunikative Kompetenz
Ihre Kommunikationsfähigkeit hilft Ihnen, Konsens herzustellen und Verständnis für Ihre Ziele und Wünsche zu erzeugen.
2. Selbstbewusstsein
Selbstbewusst bedeutet unter anderem, sich selbst bewusst wahrzunehmen, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen.
3. Einfühlungsvermögen
Wer empathisch ist, kann andere leichter von seiner Sache überzeugen.
4. Teamfähigkeit
In jeder Stellenanzeige ist Teamfähigkeit gefordert. Teamfähig zu sein bedeutet unter anderem, seine Rolle im Team zu erkennen und sich entsprechend der an diese geknüpften Erwartungen zu verhalten.
5. Kritikfähigkeit
Kritikfähig zu sein bedeutet nicht nur, Kritik zu üben (fair, sachlich), sondern auch Kritik annehmen, reflektieren und entsprechend umsetzen zu können. Besonders in Teams, Projekten und in Führungssituationen spielt der Umgang mit Kritik eine entscheidende Rolle.
6. Analytische Kompetenz
Wenn Sie Ihre analytischen Fähigkeiten trainieren, sind Sie in der Lage, Situationen rasch zu erfassen und entsprechend schnell zu reagieren.
7. Vertrauenswürdigkeit
Vertrauen ist die Erwartung, sich in kritischen Situationen auf den anderen verlassen zu können.
8. Selbstdisziplin/Selbstbeherrschung
Wer sich nicht selbst beherrscht, bleibt immer Knecht. Nur wer sich selbst im Griff hat, kann andere überzeugen.
9. Neugierde
Neugierde ist die Voraussetzung für Kreativität.
10. Konfliktfähigkeit
Nur wenn Sie andere Auffassungen akzeptieren können und sich offen mit Ihren Mitmenschen auseinander setzen, leben Sie ein selbstbestimmtes Leben.
11. Durchsetzungsvermögen
Sich angemessen durchzusetzen bedeutet zu überzeugen, statt zu überreden - oder zu zwingen. Überzeugt folgen Ihnen andere gern auf Ihrem Weg.
Mehr zum Thema Soft Skills ...
... finden Interessierte im gleichnamigen Buch von Gabriele Peters-Kühlinger und Friedel John - erschienen bei Haufe im praktischen "TaschenGuide"-Format (passt in jede Hosentasche).

Riegel von Gigaset gleicht Lebenslauf und Anschreiben mit dem ab, was der Bewerber in der direkten Kommunikation vermittelt und wie er auftritt: Ist er freundlich, höflich? Wie ist sein verbales und non-verbales Auftreten? Um bestimmte Soft Skills abzuklopfen, lässt er sich gerne konkrete Fallbeispiele aus der beruflichen Praxis des Bewerbers im Vorstellungsgespräch schildern – mit Fokus auf die Skills, die für den Fall erfolgsentscheidend waren. Oder er schildert selbst ein konkretes Fallbeispiel, für das der Kandidat ein Lösungsszenario entwickeln muss. Dadurch könne er Reaktionen, Denkmuster und die Vorgehensweise des Bewerbers kennen lernen.

Manchmal entscheidet das Bauchgefühl, sagt Haniel-CIO Dirk Müller.
Foto: Franz Haniel & Cie.

Und wie ermittelt man die viel beschworene Kundenperspektive? "Ich stelle Fragen zum Prozessverständnis, indem ich typische Arbeitssituationen im Zusammenspiel mit unseren internen Kunden schildere. Aber auch mein Bauchgefühl entscheidet", sagt Haniel-CIO Müller. Im Zweitgespräch komme dann immer noch ein Experte aus der Personalabteilung dazu, der dabei mithelfe, den Menschen hinter dem Bewerber zu ergründen.

Es muss auf beiden Seiten passen

Für IT-Bereichsleiter Neumann von der KfW sind zudem Arbeitszeugnisse aufschlussreich, da sie viel über das Potenzial eines Bewerbers aussagen oder ein Licht auf die Aspekte werfen, die fehlen. „Das ist besonders wichtig bei der Einschätzung von Einsteigern, die ja noch mit uns wachsen wollen“, so Neumann. Im persönlichen Gespräch taste man sich dann weiter an den Bewerber heran, lerne ihn kennen und umgekehrt: „Es soll ja auf beiden Seiten passen.“ Sein Tipp für die Kandidaten: „Je offener ein Bewerber ist, desto besser.“ Und Authentizität sei wichtig, denn sonst könne kein Vertrauen entstehen – und um Vertrauen gehe es auch beim Bewerbungsprozess: „Denn wenn ich jemanden einstelle, dann schenke ich ihm damit das Vertrauen, den Job kompetent zu erledigen.“

Und manchmal kann man sich auch täuschen, wie KHS-CIO Niederhagemann berichtet. Er habe vor einigen Jahren einen Kandidaten für die Position eines Business Consultant interviewt. Dieser habe zunächst eher desinteressiert und abwesend gewirkt. Gegen Ende des Gesprächs hatte er jedoch die richtigen Antworten auf alle Fragen und widerlegte mit präzisen Worten die von Niederhagemann aufgestellten Behauptungen, so der CIO. Niederhagemann: „Ich habe ihn sofort eingestellt.“