Stiftung Warentest

Mängel bei Antiviren-Software

12.04.2012 von Thomas Pelkmann
Avira, G Data und Kaspersky sind die Sieger beim Vergleich von 18 Virenschutz-Lösungen durch die Stiftung Warentest. Gegenüber ihnen fielen andere merklich ab.
Keines der 18 von der Stiftung Warentest geprüften Programme hat alle Viren erkannt.
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"Zweieinhalb Tage reichen im Schnitt", schreiben die Prüfer in ihrem Testbericht über die Virenscanner von G Data. Zweieinhalb Tage nach dem Bekanntwerden neuer Viren- und Schadprogramme erscheint die Signatur dieser Viren auf der Liste bekannter Virensignaturen. Von diesem Zeitpunkt an seien Rechner geschützt, die mit G Data-Virenschutzprogrammen arbeiteten, so die Stiftung Warentest.

Andere getestete Anwendungen sind nicht mal annähernd so schnell. Trend Micro etwa, bemängeln die Prüfer, braucht geschlagene drei Wochen, um gerade einmal magere zwei von 16 aktuellen Schädlingen in die Signaturliste einzutragen. "Solche Trödelei", schreiben die Prüfer, "ist brandgefährlich für Windows-Rechner".

Avira, G Data und Kaspersky Testsieger

Zwischen diesen Extremen bewegen sich die insgesamt 18 getesteten Programme. Der Schutz vor Viren war dabei das entscheidende Prüfkriterium. Wer hier schlecht abgeschnitten hat, konnte auch mit Firewall, einfacher Handhabung und Ressourcen schonendem Umgang mit der Hardware nicht mehr entscheidend punkten.

Zu den drei Siegern des Vergleichstests zählen Avira Internet Security 2012 mit der Gesamtnote 2,1 (Lizenz für ein Jahr: 40 Euro), G Data InternetSecurity 2012 (ein Jahr für 35 Euro, Note 2,3) und Kaspersky Internet Security 2012 (40 Euro pro Jahr, Note 2,4).

Als Pakete sind die meisten Virenscanner übrigens deutlich günstiger als in der Download-Variante. Der Testsieger Avira etwa kostet in der Box 27 Euro, beim Download-Abo gleich 40 Euro für ein Jahr. Da ist es durchweg billiger, sich einmal im Jahr die jeweils aktuellste Version zu kaufen. Regelmäßige Updates der Virendatenbanken leisten alle Lizenzversionen.

Tester verteidigen Methodik gegen Kritik

Ebenfalls mit "Gut" (2,1) bewertet wurde das kostenlos erhältliche Paket Avira Free Antivirus. Den besten Virenschutz bietet den Testern zufolge das G Data-Paket, das am schnellsten auf neue Bedrohungen reagiert hatte. Die etwas schlechtere Note im Gesamtvergleich resultiert aus der etwas höheren Belastung der Hardware, die bei modernen Rechnern jedoch kaum ins Gewicht fallen dürfte, sowie aus der Handhabung des Programms.

Das Testergebnis der Stiftung Warentest stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. So haben die Warentester etwa Pakete von Symantec, McAfee, Trend Micro und Panda nur mit "ausreichend" bewertet.

Kritisch angemerkt wurde unter anderem, dass alle vier Anwendungen die Aktualisierungen der Virenbibliotheken über Cloud-Technologien leisten. "Ohne Internet schlecht", lautet das entsprechende Verdikt der Stiftung.

Die Hersteller bemängeln die Methodik des Tests als "veraltet, praxisfern und methodisch fragwürdig". Unter anderem sei die Abwertung bei fehlendem Internetzugang fragwürdig, weil praktisch irrelevant. Zudem seien bei Tests ohne Webanbindung die eigentlichen Vorzüge der vier abgewerteten Lösungen auf der Strecke geblieben.

Marcus Pritsch, bei der Stiftung Warentest für den Viren-Test verantwortlich, verteidigt bei ZDNet das Vorgehen: Durch unterschiedliche Tests bei Offline- und Online-Betrieb sei es überhaupt erst möglich zu vergleichen, wie gut die Erkennungsraten seien - im Zweifelsfall eben sehr unterschiedlich.

Kein Programm erkennt alle Viren

"Schon eine bösartige Datei, die es auf den Rechner schafft, ist eine zu viel", so Pritsch gegenüber dem ZD-Newsservice. "Und wir hatten kein Programm im Test, das alle gefasst hat."

Auch Kritik an der Methodik des Tests wies Pritsch zurück: Die Stärke der Stiftung sei es nun mal, Programme so zu testen, wie sie bei der Installation eingerichtet würden. Schließlich richte man sich mit den Tests an Verbraucher, nicht an Experten, die über spezielle Einstellungen möglicherweise noch bessere Ergebnisse erzielen könnten.

Die ausführlichen Testergebnisse sowie allgemeine Informationen über Angriffe auf Rechner und den Schutz davor können Sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Test nachlesen.