Bitkom: "Kein Problem"

Neues CIO-Netzwerk: IT-Gipfel ein Erfolg

07.12.2011 von Nicolas Zeitler
Cloud Computing, Green-IT, Infrastruktur: CIOs sind zufrieden mit den Themen des Gipfels - und wollen über den Verband "Voice" die Anwenderperspektive stärken.
Kurz nachdem sie "Voice" ins Leben gerufen hatten, traten die Gründer des neuen CIO-Netzwerks auf dem IT-Gipfel auf (v.l.): Andreas Rebetzky, Martin Urban, Thomas Endres, Henning Stams, Karsten Vor, Constation Kontargyris und Dietmar Lummitsch. Zwei aus der Gründerriege fehlten: Hermann Kruse und Joachim Reichel.

Aus Sicht von CIOs war der IT-Gipfel ein Erfolg. Das sagte für den neuen IT-Anwenderverband "Voice" Thomas Endres, IT-Chef bei der Lufthansa. Mit Endres ins Kongresszentrum der Münchner Messe (ICM) gekommen war fast das ganze Präsidium von "Voice": Constantin Kontargyris, Dietmar Lummitsch, Andreas Rebetzky, Henning Stams, Karsten Vor und Martin Urban.

Ein Dialog zwischen Wirtschaft und Politik, wie er auf dem Gipfel stattfinde, sei international "ohne Vergleich", sagte Endres - nicht ohne zu betonen, dass sein Verband den Anwender-Fokus noch stärker auf dem IT-Gipfel verankern wolle. Mit dem diesjährigen Spitzentreffen sei man dabei wieder ein Schritt weiter gekommen.

Der IT-Gipfel in München
IT-Gipfel 2011: Ex-Bitkom-Präsident Scheer
"Viel entspannter" als früher könne er heute auf den IT-Gipfel gehen, sagte Ex-Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer beim 6. Nationalen IT-Gipfel im Münchner Messe-Kongresszentrum ICM.
IT-Gipfel 2011: HPI-Studenten mit Scheer
Studenten des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts interviewten für ihren Gipfelblog zahlreiche der vielen bekannten Gesichter aus der IT-Szene.
IT-Gipfel 2011: Sascha Lobo
Unter den IT-Promis auf dem Gipfel war auch Blogger Sascha Lobo.
IT-Gipfel 2011: 115-Charta
Der Gipfel war Schauplatz einer ganzen Reihe von symbolischen Akten. So unterzeichnete Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (M.) mit dem CIO von Bayern, Franz Josef Pschierer, und Münchens 2. Bürgermeisterin Christine Strobl die Charta für die Behördenrufnummer 115.
IT-Gipfel 2011: Stiftungsprofessor Cyber Trust
Und Jürgen Gerdes, Vorstand Brief der Deutschen Post (2. v. r.), überreichte Professor Helmut Krcmar von der TU München (l.) im Beisein von Innenminister Friedrich (2. v. l.) und Bayern-CIO Pschierer die Urkunde für die Stiftungsprofessur "Cyber Trust". Gestiftet hat sie das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet. Die TU München erhält damit eine Förderung von 3,5 Millionen Euro.
IT-Gipfel 2011: Dieter Kempf (Bitkom) und Philipp Rösler
Wirtschaftsminister Philipp Rösler (r.)betonte auf der Gipfel-Pressekonferenz, dass die IT-Branche "gut aufgestellt sei". Bitkom-Präsident Dieter Kempf sagte, den Posten des Bundes-CIO oder den neuen Personalausweis gäbe es ohne den IT-Gipfel wahrscheinlich nicht.
IT-Gipfel 2011: Philipp Rösler
"Wir sind und bleiben der Stabilitätsanker in Europa", sagte Philipp Rösler am Rande des Gipfels. Er musste zwischen einer Diskussionsrunde und der Gipfel-Pressekonferenz noch Stellung zur Drohung der Ratingagentur Standard & Poor's beziehen, die Deutschland und andere Euro-Länder herabstufen will.
IT-Gipfel 2011: Merkel, Seehofer, Rösler, Kempf, Zeil
Gleich nach ihrer Vorfahrt im Kongresszentrum nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, Bitkom-Präsident Dieter Kempf (stehend), Bundeswirtschaftsminister Rösler und dessen bayerischem Amtskollegen Martin Zeil (r.) in einem ICE-Abteil Platz. Nachgebaut war darin der zukünftige Arbeitsplatz von Geschäftsreisenden.
IT-Gipfel 2011: Kempf, Merkel, Seehofer
Bitkom-Chef Dieter Kempf führte die Kanzlerin durch die Ausstellung von IT-Projekten.
IT-Gipfel 2011: Angela Merkel
Der IT-Gipfel als Arbeitsplattform von Politik und Wirtschaft habe sich "bewährt", sagte die Kanzlerin in ihrer Abschlussrede.
IT-Gipfel 2011: Podiumsdiskussion
"In den letzten Jahren hat sich sehr viel getan, dass IT nicht mehr nur als Unterstützer sondern auch als Treiber von Innovation gesehen wird", sagte zuvor Martina Koederitz, Deutschland-Chefin von IBM, in der Podiumsdiskussion unter anderem mit Wirtschaftsminister Rösler, Telekom-Chef René Obermann und SAP-CEO Jim Hagemann Snabe.
IT-Gipfel 2011: Gründer von Voice
Zufrieden mit den Themen des Gipfels zeigte sich die Anwenderseite, die durch die Gründer des neuen CIO-Verbands "Voice" vertreten war (v.l.): Andreas Rebetzky, Martin Urban, Thomas Endres, Henning Stams, Karsten Vor, Constantin Kontargyris und Dietmar Lummitsch.

Bitkom und "Voice" im Dialog

Zentrale Themen des Gipfels seien auch für die professionellen IT-Anwender von Bedeutung. Endres nannte als Beispiel das Thema Infrastruktur, das dieses Jahr eine große Rolle spielte. Auch die Diskussion um den Umgang mit Cloud Computing begrüße er.

Gehen Ansichten von Anwendern und IT-Anbietern auch manches Mal auseinander, so fand die Ansage von "Voice", auch künftig CIO-Themen auf dem Gipfel zu platzieren, beim Bitkom Anklang. Auf die Frage, was er denn davon halten würde, wenn beim Gipfel im nächsten Jahr etwa Thomas Endres als Vertreter der Anwenderseite mit ihm und dem Bundeswirtschaftsminister auf dem Podium säße, sagte Bitkom-Präsident Professor Dieter Kempf zu CIO.de: "Damit hätte ich überhaupt kein Problem." Schon bisher habe die IT-Branche ja in den CIO-Netzwerken Ansprechpartner gehabt. "Neu ist ja jetzt nur, dass sie sich zusammengetan haben", so Kempf.

Berührungsängste mit den Anwendern habe er keine, so der Bitkom-Präsident. "Was kann denn für einen Lieferanten schlecht daran sein, wenn er direkte Anbindung an den Kunden hat?"

Neue Online-Wegweiser für Cloud Computing und Green-IT

An konkreten, für IT-Anwender relevanten Ergebnissen, brachte der Nationale IT-Gipfel unter anderem zwei Online-Wegweiser hervor: einen für Cloud Computing, einen zu Green-IT. Erarbeitet wurden beide von der Arbeitsgruppe I, in der Thomas Endres Mitglied ist. Beide Leitfäden sollen vor allem für kleine Unternehmen ohne viel eigenes IT-Know-how praktische Lösungen im Umgang mit den zwei Ansätzen bereithalten.

Abgesehen von solch fassbaren Ergebnissen präsentierte sich der IT-Gipfel alles in allem vor allem als Leuchtturm-Veranstaltung mit Symbolwert: Aussteller weideten sich am Besuch der Bundeskanzlerin, der sie im nachgebauten ICE-Abteil die Arbeitswelt eines Geschäftsreisenden von morgen vorführen durften. Bayern-CIO Franz-Josef Pschierer unterzeichnete medienwirksam die Charta zur Freischaltung der Behördenrufnummer 115 in München, Kempten und dem Landkreis Oberallgäu.

Die Beteiligten schienen sich einig: Vom Gipfel sollten positive Signale ausgehen - gerade angesichts der unruhigen Wirtschaftslage. Das verdeutlichte der Auftritt von Bundeswirtschaftsminister Philip Rösler. Zwischen einer Diskussionsrunde und der Gipfel-Pressekonferenz noch schnell im Foyer des ICM ein Statement zur Drohung der Rating-Agentur Standard & Poor's in Kameras und Mikrofone abgebend, zeigte sich Rösler ansonsten betont gut gelaunt.

Der Minister erntete Applaus mit der augenzwinkernden Bemerkung, dass es bei der elektronischen Gesundheitskarte von Parteikollegen und Gesundheitsminister Daniel Bahr "noch einiges zu tun" gebe. Er stellte klar, dass die Wachstumsaussichten in der IT-Branche "gut" blieben. Und er forderte, dass "junge Leute, die mehr Klingeltöne kennen als Laubbäume", schon in den Schulen zu einer beruflichen Zukunft in der Informationstechnik hingeführt werden sollten.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer stimmte in die gute Laune ein und begrüßte die Gipfel-Besucher "im gelobten Land". Das Gipfel-Motto "vernetzt, mobil, smart" sei "uns Bayern wie auf den Leib geschneidert".

Nationaler IT-Gipfel 2012 in Essen

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte in ihrer Abschlussrede dann auch keine Ausnahme in der Reihe der positiven Botschaften. Deutschland sei nicht die Nation, die die Innovationen in der Hardware hervorbringe. "Aber an der Schnittstelle von klassischer Realwirtschaft und Internetanwendungen, da liegt unsere Stärke", so die Kanzlerin.

Den Nationalen IT-Gipfel, den nehme sie wahr als Plattform für "kontinuierliches Arbeiten, die sich bewährt hat". Es werde also wieder ein Spitzentreffen im kommenden Jahr geben. Die im Raum stehende Frage nach dem Veranstaltungsort beantwortete sie mit einem Kalauer: Kurz zuvor "beim Essen" habe man darüber gesprochen, wo denn der IT-Gipfel 2012 stattfinden werde. Wo? Nun ja, in Essen.