Boom im europäischen IT-Markt gefährdet

Personalengpässe bei IT-Fachkräften

15.11.2007 von Andreas Schaffry
Die IT-Industrie in Europa boomt. Die Software- und IT-Beratungs-Firmen stellen tausende von Hochschul-Absolventen ein, die ein Informatikstudium abgeschlossen haben. Doch inzwischen können sie immer weniger offene Stellen adäquat besetzen. Einer Untersuchung des Marktforschers Forrester zufolge sind die Personalengpässe auf rückläufige Immatrikulations-Zahlen in den Informatik-Studiengängen und auf eine steigende Zahl an Pensionierungen zurückzuführen.
In Deutschland, den Niederlanden und Frankreich ist die Zahl der IT-Studenten seit dem Jahr 2001 rückläufig.

Die Marktbeobachter registrieren seit dem Jahr 2001 einen langsamen aber stetigen Rückgang der Studentenzahlen in Informatik- und den Computer-Wissenschaften. Die Gründe hierfür liegen zum einen im Platzen der Internet-Blase, diversen Entlassungswellen, etwa durch Outsourcing an IT-Dienstleister, sowie einem Mangel an Informationen zu Karrierechancen im IT-Bereich.

Falscher Eindruck bremst Begeisterung

Alles zusammen führt dazu, dass junge Menschen einen falschen Eindruck vom IT-Bereich bekommen. Hinzu kommt, dass die Begeisterung für technische und wissenschaftliche Studiengänge kontinuierlich abnimmt, worunter IT- und Computer-Wissenschaften besonders leiden.

In den Hochschuljahren 2005/2006 und 2006/2007 beklagten 46 Prozent beziehungsweise 44 Prozent der Befragten einen Rückgang der Bewerberzahlen für Studiengänge in Informatik und Computer-Wissenschaften. Nur 31 Prozent registrierten konstante Bewerberzahlen. Von den befragten Hochschulen gaben 23 Prozent im Jahr 2005/2006 und ein Viertel im Jahr 2006/2007 an, dass sie steigende Bewerberzahlen verzeichnen.

Bis zu 45 Prozent brechen Studium ab

Universitäten mit rückläufigen Studentenzahlen in IT-relevanten Fachgebieten haben eine durchschnittliche Abbrecherquote, die zwischen zehn und 25 Prozent liegt. In einzelnen Fällen lag die Zahl der Abbrecher sogar wesentlich höher. An der Universität Bremen waren es 40 Prozent und sogar 45 Prozent an der Technischen Universität Berlin.

Europäische Universitäten leiden an einer schleichenden Auszehrung ihrer IT-Studiengänge.

Am schlimmsten traf es dabei Institute in den Niederlanden sowie in Deutschland. Hier lag der Bewerberrückgang im Schnitt zwischen zehn und 30 Prozent. Nur jeweils drei Prozent der Institutionen in diesen Ländern sprechen überhaupt von steigenden Studentenzahlen. Etwas besser sieht es mit einem Zuwachs von neun Prozent an französischen Universitäten aus.

Bescheidene Zuwachsraten

Selbst Institutionen mit Wachstumsraten bezeichnen ihre Zuwächse allenfalls als "bescheiden". Sie pendeln zwischen fünf und 20 Prozent. Die meisten der befragten Universitäten, speziell in Deutschland, stagnieren auf dem Niveau der Zahlen aus den Jahren vor 2002/2003. Universitäten und Institute, die eine steigende Anzahl an IT-Studenten haben, sehen den Hauptgrund darin in ihrem hervorragenden Renommee.

Für die europäische IT-Industrie sind das alles andere als gute Nachrichten. So suchen beispielsweise IT-Unternehmen händeringend nach qualifizierten Absolventen, um offene Stellen besetzen zu können. Erschwerend dazu kommt, dass die erste Generation der Programmierer und IT-Fachkräfte allmählich in Rente geht.

Die Marktforscher fordern daher von der Industrie eine stärkere Beteiligung an verschiedenen Kommunikations-Initiativen. Diese sollen IT-Studiengänge wieder attraktiver machen - auch und besonders für Frauen.

Rückläufiger Trend bestätigt

Bereits 2005, in einer ersten Untersuchung, hatten die Markt-Analysten von Forrester Research bei den IT-Studiengängen rückläufige Studentenzahlen festgestellt. Die aktuelle Nachfolgeuntersuchung mit dem Titel "Major European Economies’ IT Graduate Deficit" bestätigt diesen Trend. Im Rahmen der Untersuchung befragten die Markforscher insgesamt 61 Universitäten und Ingenieur-Schulen, 29 davon in Deutschland, 17 in Frankreich und 15 in den Niederlanden.