Funkarmbänder verbessern Patientenbetreuung

RFID am Krankenbett

02.02.2006
Ob Auto, Kleidung oder Lebensmittel – mit Hilfe der RFID-Technologie (Radio Frequency Identification) lässt sich der gesamte Lebensweg einer Ware von der Entstehung über den Vertrieb bis hin zur Entsorgung hin nachvollziehen. Doch die intelligenten Funketiketten können noch mehr: Auch bei der Patientenbetreuung in Krankenhäusern leisten Funkchips gute Dienste.

Ein RFID-System besteht aus der Kombination einer mobilen oder stationären Lese-Schreib-Einheit und so genannten Tags oder Transpondern. Angebracht auf einer Warenverpackung oder einem Zutrittsausweis liefern die RFID-Tags Informationen zu der jeweiligen Ware oder Person. Die Funkchips bestehen aus einem Mikrochip und einer Antenne, die je nach Einsatzgebiet in Papier, Kunststoff oder Keramik verpackt sind. Mittlerweile können die quadratischen, rechteckigen oder runden Transponder mit sehr kleinen Abmessungen hergestellt werden: Ihre Fläche beträgt zum Teil weniger als 1,5 Quadratzentimeter bei einer Stärke im Mikrometerbereich.

Die Lese-Schreib-Einheit – zum Beispiel ein Handlesegerät – verfügt über eine Antenne, die ein kontinuierliches Radiofrequenzfeld aussendet. Zwischen der Antenne des Transponders und dem Lesegrät wird ein elektromagnetisches Energiefeld aufgebaut. Gerät ein Transponder in den Erfassungsbereich der Antenne, lässt er das Lesen beziehungsweise Schreiben von Informationen zu. Diese können dann vor Ort direkt verarbeitet oder an einen Zentralrechner übermittelt werden.

Foto:

Pilotprojekt im New Yorker Jacobi Medical Center

Die moderne Technologie kommt jetzt auch im Krankenhaus zum Einsatz. Bereits bei der Begrüßung könnte der Arzt in Zukunft über die Krankengeschichte eines Patienten Bescheid wissen. Ein RFID-Chip, den der Patient am Handgelenk trägt, macht dies möglich. Während eines Pilotprojekts im New Yorker Jacobi Medical Center stattete Siemens Business Services 200 Personen mit einem entsprechenden Funkarmband aus.

Bei der Anmeldung in der Klinik werden die Daten des Patienten in einer elektronischen Akte gespeichert. Anschließend erhält dieser ein Papierarmband, auf dem sich ein etwa halber Quadratmillimeter großer Chip befindet. Aus Datenschutzgründen ist darauf jedoch nicht die gesamte Krankenakte gespeichert, sondern nur die Webadresse im Zentralrechner, unter der die Daten abgerufen werden können. Mit Hilfe eines RFID-fähigen Personal Digital Assistant (PDA) kann der Arzt nun die Information sofort ablesen. Über WLAN erhält das Krankenhauspersonal Zugriff auf die Datenbank und kann sich die Krankendaten auf einen PDA oder Tablet-PC herunterladen.

Doch nicht nur auf die Krankengeschichte lässt sich dank RFID-Technologie schneller zugreifen: Eine RFID-Uhr, welche die Herzfrequenz und den Standort des Trägers übermittelt, ist ein weiterer Teil der Lösung des Münchner IT-Dienstleisters. Ein spezieller Sensor an der Brust misst die Herzwerte und sendet sie an die Uhr, welche die Daten wiederum an den Arzt funkt. Um die Position des Trägers auf zwei Meter genau ermitteln zu können, befinden sich auf dem Klinikareal mehrere Antennen. Sobald sich der Zustand des Patienten verschlechtert, können sich die Mediziner sofort an dessen Aufenthaltsort begeben und eingreifen.

Mehrwert durch Prozessverbesserung

Dass sich RFID in den nächsten Jahren auf breiter Front durchsetzen wird, dafür sprechen auch Prognosen von Marktforschern: Analysten von Forrester Research gehen von einem kräftigen Wachstum der Technologie aus. Wurden im Jahr 2003 weltweit rund eine Milliarde Chips produziert, sollen es 2009 bereits 45 Milliarden sein. Dennoch ist die Technologie von einem Masseneinsatz weit entfernt. Neben der Tatsache, dass viele noch nicht genug über die Potenziale wissen, werden häufig die relativ hohen Investitionskosten als Grund für die derzeitige Zurückhaltung genannt. In der Tat kostet ein normaler passiver Transponder ohne eigene Stromversorgung derzeit noch etwa 20 Cent das Stück. Jedoch wird häufig vernachlässigt, dass durch den Einsatz von RFID Prozessverbesserungen realisiert werden können, die rasch zur Kostensenkung beitragen.

Vor Einführung der berührungslosen Funktechnik bedarf es daher einer grundlegenden Untersuchung. „Denn ob ein Transpondersystem Sinn macht, hängt in erster Linie davon ab, ob es einen Mehrwert bringt", so Markus Kehrwald, RFID-Experte bei Siemens Business Services. Um einen positiven Return-on-Investment zu erzielen, gilt es daher, viele verschiedene Faktoren gründlich zu analysieren, dann Lösungsstrategien zu entwickeln und diese schließlich umzusetzen.

Stellt sich heraus, dass es sinnvoll ist, RFID-Tags einzusetzen, muss entschieden werden, welcher Anbieter für das jeweilige Projekt in Frage kommt. Hier orientiert sich Siemens Business Services herstellerneutral an Best-Practice-Lösungen. Generell wird bei der Umsetzung des Konzeptes die Frage geklärt, welche Technologie zum Einsatz kommen soll. „Überträgt man die verschiedenen Phasen eines Projekts auf einen Zeitstrahl, so können bis zu zwei Jahre vergehen, bis es letztendlich zur Implementierung der Technologie kommt“, verdeutlicht Markus Kehrwald die Dimensionen.


Marcus Noack, Redakteur bei der MBmedien GmbH, Krefeld.