Praktischer Betrieb von RFID-Systemen heute noch eine Herausforderung

RFID-Standardisierung schreitet voran

31.08.2006
Radio Frequency Identification (RFID) ist eine Technologie zur eindeutigen und kontaktlosen Identifizierung von Objekten jeglicher Art. Sie ermöglicht eine schnelle und automatische Datenerfassung mittels Radiowellen. Die RFID-Technik erschließt insbesondere in den Bereichen Handel und Logistik neue praktische Anwendungsgebiete und ersetzt dabei altbekannte Eigenschaften des Barcodes oder der optischen Erkennung von Objekten.

RFID ist keineswegs nur ein Ersatz für den in vielen Unternehmen eingesetzten Barcode, sondern erlaubt darüber hinausgehende Einsatzmöglichkeiten, die mit dem Barcode nicht durchgeführt werden können – wie etwa das automatische Anstoßen von Prozessen. Die Kernvorteile von RFID liegen in der höheren Speicherkapazität, der schnelleren Geschwindigkeit bei der Identifizierung und darin, dass Daten direkt und exakt erfasst werden können. Deshalb interessieren sich auch in Deutschland immer mehr Unternehmen im Bereich des Supply Chain Managements für die RFID-Technologie, denn mit ihr lassen sich selbst verschiedene Produkte etwa in einem Container auf einmal identifizieren. Dies können Systeme, die auf der Barcode-Technologie basieren, nicht leisten. Die größere Präzision und Sicherheit bei der Datenerfassung prädestinieren die RFID-Technologie für die Datenerfassung etwa in den Bereichen Handel, Lagerhaltung, Logistik, Produktion, Gesundheitswesen und Pharmazie.

Lesegerät und Transponder

RFID-Systeme bestehen aus zwei Komponenten: Lesegerät und Transponder. Das Lesegerät erfasst drahtlos Daten aus einem Chip auf dem Transponder („Smart Chip“) und versorgt den Transponder, der selbst keine Stromquelle hat, mit Energie. Es gibt RFID-Transponder in verschiedensten Formen und Funktionen. Manche Mini-Ausführungen sind kaum mit bloßem Auge sichtbar und nur aus wenigen Millimetern Abstand auszulesen. Andere haben die Größe einer Check Card und lassen sich aus mehreren Metern Entfernung auslesen. Sie können komplexe Datensätze enthalten oder lediglich eine kurze Seriennummer. Die derzeit noch recht hohen Smart Chip-Preise – um die 20 Cent pro passivem Chip – beginnen im Rahmen zunehmender Marktakzeptanz spürbar zu sinken.

Senkung der Transponder-Kosten, Erhöhung der Chip-Stückzahlen, Ausdehnung der RFID-Anwendungsbereiche, Standardisierung: das waren bzw. sind die treibenden to-do-Kriterien des 1999 am MIT gegründeten Auto-ID-Center respektive seiner Nachfolgeorganisation EPCglobal, dem Gremium für EPC Industrie-Standardisierung (Electronic Product Code). Hier verfolgt man seit Anfang des Jahrtausends energisch die Vision von kostengünstigen, standardisierten Transpondern, die Milliarden von Alltagsgegenständen identifizieren. Die ersten vielversprechenden Ansätze wurden konsequent weiterverfolgt und die Technologie gemeinsam mit kommerziellen Anbietern weiterentwickelt. Der 2005 in Angriff genommene RFID-Einsatz in den Lieferketten von Handelsriesen wie Wal-Mart, Metro und Tesco ist ein sichtbares Ergebnis dieser Strategie.

Einer Verbreitung von RFID in globale Logistiksysteme standen durchaus auch gesetzliche Hindernisse im Weg. Gerade im UHF-Frequenzband (860 bis 950 Megahertz) erzielen RFID-Systeme besonders hohe Reichweiten. Deshalb eignen sie sich hervorragend etwa für die Identifikation von Kisten und Paletten beim Wareneingang. Aber bis vor kurzem durften UHF-RFID-Systeme in Europa nur mit eingeschränkter Sendeleistung und Bandbreite verwendet werden. Nach intensiver Überzeugungs- und Lobbyarbeit herrschen seit Ende 2004 deutlich verbesserte gesetzliche Rahmenbedingungen in Europa.

Hinsichtlich Standardisierung der Kommunikation zwischen Lesegerät und RFID-Transpondern sind wichtige Fortschritte zu verzeichnen. Bisher gab es im UHF-Bereich vier untereinander inkompatible Normen, von denen keine optimal auf den Einsatz in globalen Lieferketten zugeschnitten war. Nun erfährt die Ende 2004 von EPCglobal verabschiedete neue Spezifikation breite Unterstützung von Benutzern und Herstellern. Erste Produkte sind bereits verfügbar.

Praktischer Betrieb noch nicht optimal

Gleichwohl stellt der praktische Betrieb von UHF-RFID-Systemen heute noch eine Herausforderung dar. Zwar können solche Systeme bei idealen Verhältnissen Lesereichweiten von über fünf Metern erzielen, aber in diesem Frequenzband reflektieren metallische Oberflächen das Funksignal, Wasser absorbiert es. Unter realistischen Bedingungen ist deshalb die Nicht-Erkennung einzelner Transponder nie ganz auszuschließen. Für Unternehmen kommt es also darauf an, die Grenzen der RFID-Technologie zu kennen und durch entsprechendes Prozessdesign auszugleichen. Wenn zum Beispiel im Wareneingang mit Transpondern versehene Kartons auf einer Palette gestapelt sind, kann ihre Erkennung, abhängig vom Inhalt, schwierig werden. Erst einzeln auf dem Fließband lassen sie sich wirklich zuverlässig erfassen.

Reinhold Hölbling, MBmedien GmbH, Krefeld