Interview mit Secusmart-Chef Quelle

So funktioniert das neue "Merkel-Phone"

20.03.2013 von Johannes Klostermeier
Bisher brauchte die Kanzlerin drei Handys, um sicher telefonieren, simsen und mailen zu können. Jetzt reicht eins. Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle im Interview.
Secusmart-CEO Hans-Christoph Quelle freut sich über die neuen sicheren Handys für die Regierung.
Foto: Secusmart

Die Düsseldorfer Secusmart ist ein wichtiger Lieferant der Bundesbehörden für hochsichere Kommunikation. Auf der CeBIT 2013 hat das Unternehmen den Abhörschutz Secusuite vorgestellt, eine Weiterentwicklung der abhörsicheren BSI-zertifizierten Secuvoice-Lösung, mit der Kanzlerin Angela Merkel und die deutschen Bundesministerien bereits seit 2009 telefonieren.

Mit Secusuite kann jeder auf nur einem Smartphone, dem neuen Blackberry Z10, zwischen dem privaten und dem geschäftlichen sicheren Bereich hin- und herschalten. Weltweit wird erstmals ein kombinierter Abhör- und Spionageschutz möglich: Gesichert werden Sprache, SMS, E-Mails, gespeicherte persönliche Daten, wie das Adressbuch, der Kalender oder persönliche Notizen (PIM), sowie das Surfen im Internet über einen definierten, sicheren Zugangspunkt. Die CW-Schwesterpublikation CIO.de sprach auf der Cebit mit Firmenchef Hans-Christoph Quelle.

CIO.de: Frau Merkel hat doch schon ein Handy, oder?

Hans-Christoph Quelle: Ja, sie hat sogar mehrere. Das was wir haben, ist aber eine wirkliche Weltneuheit. Bislang mussten die Leute alle drei Telefone mit sich herumtragen: Eines für die sichere Sprache und für sichere SMS, eines für die sichere E-Mail und ein drittes, mit dem man normal ins Internet gehen konnte. Mit einem Telefon, mit dem man sicher sprechen konnte, konnte man bisher auch nur genau dieses tun. Was wir jetzt zum ersten Mal haben, ist ein Gerät, mit dem man sowohl sicher sprechen als auch SMSen und sicher emailen kann – alles was man als Privatmensch mit dem Smartphone macht, geht ebenfalls.

CIO.de: Durch die Trennung zwischen privat und geschäftlich, wie es der neue Blackberry kann?

Quelle: Genau, wir machen das zusammen mit Blackberry. Das Z10 hat mit „Balance" genau diese Trennung. Den geschäftlichen Bereich machen wir dabei so sicher, dass das Gerät für die deutschen Bundesbehörden zugelassen werden kann. Dokumente der Geheimhaltungsstufe VS-NfD (Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch) können darüber gesendet und empfangen werden.

Balance
Blackberry Balance auf dem Blackberry Z10
Mit Blackberry Balance kann der Anwender auf dem Gerät mit einem einfachen Wisch zwischen zwei Icons wählen, ob er vom privaten...
Blackberry Balance auf dem Blackberry Z10
...in den beruflichen Modus wechselt – und umgekehrt.
Blackberry Balance auf dem Blackberry Z10
Entscheidet er sich für den geschäftlichen Bereich, werden die private Inhalte nach dem Einloggen komplett ausgeblendet.
Blackberry Balance auf dem Blackberry Z10
Im Privat-Modus sind zuletzt geöffnete Business-Apps zwar noch sichtbar, aber passwortgesichert.
Blackberry Balance auf dem Blackberry Z10
Zusätzliche Programme findet der Nutzer in der geschäftlichen Blackberry World – einer Art Corporate AppStore. Hier können Unternehmen ihren Anwendern Enterprise-Anwendungen...
Blackberry Balance auf dem Blackberry Z10
...oder erwünschte oder zumindest geduldete öffentliche Apps bereitstellen.
Blackberry Balance auf dem Blackberry Z10
My World wiederum ist eine Sektion mit bereits geladenen Apps.
Blackberry Balance auf dem Blackberry Z10
Mit der App Blackberry Work Drives ist sogar der sichere Zugriff auf File-Systeme innerhalb des Unternehmens möglich.

CIO.de: Das BSI macht die Zulassung?

Quelle: Ja. Das geht so: Ein Bedarfsträger meldet beim Beschaffungsamt seinen Bedarf an. Dann schaut sich das BSI an, ob es zugelassen werden kann. Wenn es zugelassen ist, darf es von den Bedarfsträgern gekauft werden. Die Ausschreibung endete am 28. Februar. Wir, das Konsortium Secusmart, Blackberry, Secunet und Sirrix, haben das Los 2 gewonnen. Assoziierter Partner ist unter anderem Vodafone. Wir müssen zum 1. Juli 2013 liefern können. Eine genaue Menge ist nicht festgeschrieben.

Zum Video: So funktioniert das neue "Merkel-Phone"

"Das die deutsche Regierung die erste weltweit ist, ist ein glücklicher Zufall"

Die zentrale Lösung für das Blackberry 10.
Foto: Secusmart

CIO.de: Wie kommt es, dass die deutsche Bundesregierung die erste, ist, die so ein Gerät bekommt?

Quelle: Das ist ein glücklicher Zufall. Das deutsche Beschaffungsamt hat es als erstes ausgeschrieben. Und mit dem System Z10 gab zum ersten Mal die Möglichkeit der Trennung zwischen Privatem und Geschäftlichem. Dazu kam mit Thorsten Heins ein deutscher Chef an der Spitze von Blackberry.

CIO.de: Die anderen wollen das dann auch haben?

Quelle: Ja, wir reden derzeit mit sehr vielen Regierungen darüber. Die deutsche wird aber definitiv weltweit die erste sein.

CIO.de: Wer hört denn Frau Merkel ab?

Quelle: Wir wissen nur, dass es heute sehr leicht und Usus geworden ist, Telefongespräche abzuhören. Wie Firmen und Regierung ihre E-Mails schützen, so muss auch die Sprache geschützt werden.

CIO.de: Müssen denn alle Behördenmitarbeiter so ein Handy nutzen?

"Unser Telefon ist nicht nur sicher, sondern auch sexy"

Quelle: In dem Moment, wo das sichere Device nicht nur sicher, sondern auch sexy ist und ein Statussymbol, da werden es ganz viele haben wollen. Nicht unbedingt nur wegen der Sicherheit. Deswegen sagen, wir: Sicherheit darf nicht stören. Sicher machen allein ist relativ einfach. Aber sicher machen und schön, das ist schwierig. Was wir jetzt zeigen, begeistert alle.

Z10
Blackberry Z10 Lifestyle
Das Z10 erinnert mit seinem 4,2 Zoll großen Touchscreen, der langgestreckten Form und den abgerundeten Ecken entfernt an das iPhone 5.
Blackberry Z10 mit iPhone 5 und Galaxy SIII
Die drei Geräte sind nicht nur unterschiedlich groß. Was das Gewicht angeht, liegt das Z10 mit 137 Gramm in etwa gleichauf mit dem Samsung Galaxy SIII (133 Gramm). Das iPhone 5 ist dagegen mit 107 Gramm spürbar leichter.
BlackBerry Z10 Vorderseite
Das Z10 kommt ganz ohne Home-Button aus – Blackberry setzt stattdessen auf Gestensteuerung.
BlackBerry Z10 seitlich
Auch sonst haben sich die Kanadier bei den physischen Tasten zurückgehalten...
BlackBerry Z10 schräg seitlich
...neben dem An/Aus-Schalter am oberen Rand findet sich nur von vorne gesehen rechts an der Seite eine Schaltwippe für die Lautstärkenregelung und die Sprachsteuerung.
BlackBerry Z10 Rückseite
Dank der gummierten Rückseite liegt das Z10 gut in der Hand - die Abdeckung verbiegt jedoch leicht.

CIO.de: Wieso gab es das bisher nicht?

Quelle: Die Herausforderung ist: Die Sicherheitsanforderungen sind ganz andere als beim normalen Handynutzer. Ein Handykonzern plant für 13 Millionen Handynutzer, aber nicht für 5000 Behördenmitarbeiter. Das ist beim Blackberry anders. Die wollen „Sicherheit" als ein Merkmal ihrer Plattform herausstellen.

CIO.de: Was machen Sie technisch?

Quelle: Der Aufwand ist immens, es ist aber alles transparent und stört den Nutzer nicht. Was wir tun: Wir machen die Sprache sicher, was wir seit 2009 machen. In der Datenwelt sichern wir den Zutritt in den dienstlichen Bereich. Wir sichern die Daten, die im dienstlichen Bereich gespeichert werden, und wir sichern den Transport der Daten ins Firmen-Intranet.

CIO.de: Firmen und Privatleute können sich auch so ein sicheres Handy kaufen?

Quelle: Ja, jeder in Deutschland hat ein Recht auf Geheimnisse. Sie bekommen genau die gleiche Technologie wie die Bundesregierung. Wenn wir ein Smartphone sicher machen, nehmen wir üblicherweise alles Smarte weg. Zum ersten Mal bleibt das Smartphone ein Smartphone, und es ist trotzdem sicher.

Secusmart stattet die Geräte mit einer "Secusmart Security Card" aus. Damit werden alle sensiblen Daten verschlüsselt.
Foto: Secusmart

Neben Secusmart hat auch T-Systems vom Beschaffungsamt den Zuschlag für den „Rahmenvertrag über Lieferung, Installation und Betrieb eines Systems für die sichere mobile Kommunikation" erhalten. Die Telekom nutzt für ihre SimKo3-Lösung („sichere mobile Kommunikation") Samsung-Telefone vom Typ Galaxy S2 und S3.

4 Geheimhaltungsstufen

Für Dokumente sind folgende Geheimhaltungsstufen definiert:

  1. Streng geheim

  2. Geheim

  3. Verschlusssache - Vertraulich (VS-Vertraulich, VS-Vertr.)

  4. Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch (VS-nur für den Dienstgebrauch, VS-NfD)

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der Schwesterpublikation CIO.de. (mb)