Faltrad von Brompton, Dahon, Moulton und Vello im Test

So schlagen sich Falträder im Alltag

09.11.2022 von Bernhard Steppan  
Für den Arbeitsweg oder privat, ein Faltrad bietet beste Fahr- und Transporteigenschaften. Wir stellen die Räder Brompton RD 6, Dahon I3, Moulton TSR 4 und Vello Bike+ vor.
  • Der Fahreindruck hängt maßgeblich von der Rahmenkonstruktion, Federung und Reifengröße ab
  • Fahreigenschaften sind trotz der kleinen Laufräder sehr gut
  • Ein Faltrad mit Elektroantrieb als Alternative
  • Hintergrundwissen und Geschichte des Faltrads
Mit dem Faltrad gen Sonnenuntergang: Mit den Modellen von Brompton, Dahon und Co überhaupt kein Problem.
Foto: Ko Kim - shutterstock.com

Das Fahrrad feierte im Jahr 2017 seinen 200. Geburtstag. Karl Drais fuhr 1817 erstmals auf einer sogenannten Laufmaschine. Fast so alt wie das Fahrrad ist der Wunsch, es zerlegen und somit leichter transportieren zu können.

Bereits im Jahr 1878 meldete der Engländer William Grout das erste Patent für ein Faltrad an. Das erste Modell mit kleinen Laufrädern war das holländische Fongers-Militärrad zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Einen regelrechte Boom löste das "Moulton Stowaway" im Jahr 1962 aus. Im Zuge dieser Erfindung wurde der Markt auch von minderwertigen Falträdern anderer Hersteller überschwemmt, die durch ihre Sicherheitsmängel lange Zeit das negative Image des "Klapprads" prägten.

Das Image verbesserte sich erst Anfang der 80er Jahre. Damals kam mit dem Brompton und den Rädern von Dahon eine neue Generation von Falträdern auf den Markt. Diese neuen Räder hatten gute Fahreigenschaften, Sicherheitsverschlüsse und waren einfach zu falten. Dies interessierte zunächst allerdings nur Randgruppen wie Yachtbesitzer oder Camper.

Mittlerweile hat sich die Zielgruppe auf die große Gruppe von Berufspendlern ausgedehnt, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und keine Lust verspüren, den letzten Weg zu Fuß zurückzulegen. Für sie sind Klappräder ideal, denn sie dürfen im Gegensatz zu klassischen Fahrrädern zu beliebigen Zeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden. Sogar auf dem Weg zur Arbeit in Bussen und Trambahnen oder im ICE ist die Mitnahme von Falträdern erlaubt.

Aber auch für andere Radfahrer kann ein Faltrad interessant sein, denn diese Räder passen zusammengelegt in jeden PKW und können im Büro oder Restaurant in einer Transporttasche diebstahlsicher und regengeschützt untergebracht werden.

MVV-Fahrradmitnahme

Muss man als Pendler mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, ist die Mitnahme von konventionellen Fahrrädern unter Umständen eine heikle Angelegenheit. Zum Beispiel ist beim Münchener Verkehrsverbund (MVV) die Mitnahme von Fahrrädern im Berufsverkehr zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 16 und 18 Uhr in der Regel nicht zulässig und erfordert in den freien Zeiten ein Fahrradticket. Faltfahrräder sind von dieser Regel ausgenommen.

Wer ein sehr gutes Faltrad Probe gefahren hat, wird feststellen, dass sich moderne Modelle trotz der kleinen Laufräder überraschend gut fahren. Der Fahreindruck hängt vor allem von der Rahmenkonstruktion, Federung und der Reifengröße ab. Je größer die Reifen, desto leichter fällt es dem Fahrer, die Balance zu halten. Mit steigender Reifengröße steigt aber auch das Packmaß des Faltrads. Unter den Aspekten Packmaß und Fahreigenschaften haben wir vier aktuelle Falträder - mit und ohne Elektroantrieb - untersucht und getestet.

Brompton RD 6

Beginnen wir mit dem Brompton: Wer auf Londons vom Autoverkehr überfüllten Straßen unterwegs ist, dem springen die kleinen, wendigen Flitzer des englischen Herstellers Brompton Bicycle Limited sofort ins Auge. Sogar viele korrekt gekleidete Geschäftsleute sind damit unterwegs. Der Firmengründer Andrew Ritchie begann schon im Jahr 1975 in London mit der Konstruktion von Klapprädern. Auslöser war seine Unzufriedenheit mit der Qualität der damals auf dem Markt erhältlichen Falträdern. Er benannte das Rad nach der katholischen Kirche Brompton Oratory gegenüber seiner damaligen Wohnung im Londoner Stadtteil South Kensington. Das Brompton wird immer noch in London von Hand gefertigt.

Das Brompton wird immer noch in London von Hand gefertigt.
Foto: Bernhard Steppan

Allen Bromptons gemein ist der schwungvoll nach oben gebogene, sehr stabile Rahmen. Das Gelenk zum Falten des Vorbaus sitzt nahe dem Steuerkopf, was dem Fahrrad ein Plus ein Stabilität verleiht. Dank der wirklich genialen Faltkonstruktion lässt sich das Modell in wenigen Sekunden zusammenlegen: Hierzu dreht man das rechte Pedal nach hinten, entriegelt den Hinterbau und hebt das Fahrrad etwas an.

Der Faltmechanismus: Durch das Anheben klappt der Hinterbau durch sein Gewicht nach vorne, und das Fahrrad ruht auf den Rollen seines Gepäckträgers. Danach öffnet man das Rahmengelenk, klappt das Vorderteil nach rechts weg und schiebt die Sattelstütze ganz nach unten, um den Hinterbau zu arretieren. Zum Schluss löst man das Lenkerscharnier, legt den Lenker um, dreht das linke Faltpedal nach oben und klappt es ein. Das Brompton RD 6 ist danach ein handliches Gepäckstück mit einem Volumen von nur 60 x 58 x 27 cm³, dem weltweit geringste Packmaß eines Faltrads.

Klein und kompakt: Das Brompton RD 6
Foto: Bernhard Steppan

Im zusammengefalteten Zustand kann das Brompton sicher auf den vier Rollen seines Gepäckträgers gleich einem Trolley gezogen werden, was besonders auf einem Bahnsteig sehr praktisch ist. Das Testrad RD 6 hat - wie alle Bromptons - sehr kleine 16-Zoll-Laufräder und eine Hinterradfederung. Es verfügt über einen stabilen Stahlrahmen und eine leichtgängige 6-Gang-Schaltung mit Lenkerschalter.

Weiterhin ist es mit einem Shimano-Nabendynamo und Halogenscheinwerfern ausgestattet. Es wiegt in dieser Ausstattung nur 12,8 kg. Wer es leichter möchte, wählt einen Titanrahmen. Das RD 6 kostet in der getesteten Version rund 1.700 Euro. Die Fahreigenschaften sind trotz der kleinen Laufräder sehr gut. Aufgrund der ausgereiften Konstruktion und den sehr guten Fahreigenschaften ist das Brompton ein ohne Abstriche sehr empfehlenswertes Faltrad.

Daten & Fakten: Brompton RD 6

Das Brompton hat einen Gepäckträger mit vier Rollen, auf denen sich das gefaltete Rad ziehen lässt.
Foto: Bernhard Steppan
Je nach Quelle schwanken die Packmaße von Falträdern. Das liegt daran, dass manche Hersteller die Schutzbleche und Anbauteile in den Packmaßen mit einbeziehen, andere nicht. Wir haben hier die offiziellen Angaben übernommen. Beim Brompton werden sie zum Beispiel durch den Versandkarton vorgegeben.
Foto: Bernhard Steppan

Hersteller

Brompton Bicycle Limited

Vertrieb

Voss Spezial Rad GmbH

Homepage

de.brompton.com

Modell

Brompton RD 6

Rahmenmaterial

Stahl

Schaltung

6-Gang-Kombischaltung

Bremsen

Dual Pivot

Reifen

Brompton Kevlar 16"

Federung

Hinterradfederung (auf das Gewicht des Fahrers einstellbar)

Farben

11 Farben verfügbar

Gewicht

12,8 kg

Packmaß

60 x 58 x 27 cm³

Preis

1.707 Euro

Dahon Curl I3

Die Firma Dahon ist der weltgrößte Hersteller von Falträdern. Die Firma wurde vom Physiker David T. Hon und seinem Bruder Henry im Jahr 1982 gegründet. Dahon hat seinen Hauptsitz in Los Angeles und fertigt seit 1984 Falträder. Die Räder für den außereuropäischen Raum werden heute in China produziert; für Europa schickt Dahon nur das Herzstück, den Rahmen, der dann in Bulgarien zu einem kompletten Faltrad zusammengebaut wird.

Dahon ist eine sehr innovative Firma, die über rund 200 Patente verfügt. Die neueste Innovation ist das Faltrad Curl I3 mit SRAM-Nabenschaltung, das uns Dahon für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat. Die Ähnlichkeit des Curl I3 zum Brompton ist unübersehbar: Wie die englische Konkurrenz verfügt es über 16-Zoll-Laufräder, einen Gepäckträger mit Rollen und weist ein vergleichbar geringes Faltmaß auf.

Das Dahon Curl I3 erinnert vom Aussehen an das Brompton.
Foto: Bernhard Steppan

Der Faltmechanismus: Nicht nur das Aussehen, auch der Faltvorgang erinnert sehr an das Brompton (s.o.) - mit dem Unterschied, dass das Curl über Steckpedale verfügt. Sie werden am Schluss des Faltvorgangs einfach abgezogen und in die entsprechenden Aussparungen im Rahmen gesteckt. Die Steckpedale haben laut Herstellerangaben im Vergleich zu Faltpedalen eine höhere Festigkeit.

Das Curl I3 hat ein sehr geringes offizielles Packmaß von 58 x 57 x 30 cm³ und kann zusammengefaltet durch seine vier Rollen wie ein Koffer gezogen werden. Der Rahmen und die meisten Teile des Testrads wie der Lenker, der Lenkervorbau, der Gepäckträger und die Tretkurbeln bestehen aus korrosionsbeständigen Aluminium.

Das Testrad ist mit einer 3-Gang-Drehgriff-Nabenschaltung von SRAM ausgestattet. Weitere Schaltungsvarianten wie eine 7-Gang-Schaltung sollen laut Hersteller bald folgen. Das Curl I3 erreichte uns zwar ohne Beleuchtung, kann aber optional mit Nabendynamo (ab 2019; aktuell wird es mit Batterielicht ausgestattet) und Beleuchtung geliefert werden. Das Fahrrad wiegt in der Testausstattung 12,8 kg und kostet rund 1.300 Euro.

Es überzeugte durch den sehr guten Fahrkomfort, die interessanten Detaillösungen und den sehr einfachen Faltvorgang. Es richtet sich vor allem an Radfahrer, die das Fahrrad häufig falten müssen und ein Rad mit geringem Packmaß sowie einfachen Faltvorgang suchen.

Das Daon Curl I3 passt in jeden Kofferraum.
Foto: Bernhard Steppan

Daten & Fakten: Dahon Curl I3

Hersteller

Dahon

Vertrieb

Dahon Europe GmbH

Homepage

www.dahon.eu/de

Modell

Dahon Curl I3

Rahmenmaterial

Aluminium

Schaltung

3-Gang-Nabenschaltung

Bremsen

DAHON Doppelgelenk Felgenbremse, Alulegierung F&R

Reifen

City Profil mit Reflex-Linie (R88) 16" x 1 .75

Federung

keine

Farben

YS 728 Anthrazit

Gewicht

12,8 kg

Packmaß

58 x 57 x 30 cm³

Preis

1.300 Euro

Moulton TSR 4

Das dritte Fahrrad im Test stammt von der englischen Firma Moulton Bicycle Company. Das Unternehmen wurde von Alex Moulton im Jahr 1962 gegründet. Alex Moulton hat sich Zeit Lebens für Fahrzeugfederung interessiert. Er entwickelte zum Beispiel für den Mini Cooper die Gummifederung. Ein paar Jahre später hat er, wie eingangs erwähnt, das Faltfahrrad "Stowaway" mit kleinen Hochdruckreifen und Vollfederung erfunden. Eine weitere entscheidende Innovation von Alex Moulton war der für die heutigen Moultons so charakteristische vollgefederte Gitterrohrrahmen (Space Frame). Dieser extrem verwindungssteife Rahmen verleiht den Moulton-Rädern ihre hohe Stabilität mit sehr guten Fahreigenschaften.

Der verwindungssteife Rahmen verleiht den Moulton-Rädern ihre hohe Stabilität mit sehr guten Fahreigenschaften.
Foto: Bernhard Steppan

Der deutsche Moulton-Vertrieb hat uns das Einstiegsmodell Moulton TSR 4 als Testrad zur Verfügung gestellt. Es hat einen Gitterrohrrahmen aus Reynolds-Rohren und ist wie alle Moultons vollgefedert.

Der Faltmechanismus: Das Molton TSR 4 kann durch einen sogenannten Kingpin in der Mitte mit wenigen Handgriffen in zwei handliche Teile zerlegt werden. Eine Trennung der Schaltzüge, wie sie bei dem Zerlegen der anderen Moultons erforderlich ist, entfällt bei diesem Modell. Die zwei Rahmenteile passen zerlegt in jeden normalen Kofferraum eines Autos. Entfernt man noch die Laufräder, kommt ein kompaktes Gepäckstück zustande, für das es spezielle Tragetaschen gibt.

Die Eleganz des Faltens und das Packmaß eines Bromptons oder Curls werden vom Moulton TSR zwar nicht erreicht, sie sind aber auch nicht das Ziel der Konstruktion. Das Moulton TSR richtet sich vielmehr an Radfahrer, die ein kompromisslos auf Laufkomfort getrimmtes, zerlegbares Rad suchen.

Das Moulton TSR4 verfügt über einen Zahnriemen, der keinen Reibungsverlust aufweist und nicht geölt werden muss.
Foto: Bernhard Steppan

Das Testrad hat große 20-Zoll-Reifen und eine kombinierte 4-Gang-Schaltung, die aus einer Rücktrittsschaltung und einem Tretlagergetriebe der Firma Schlumpf besteht. Die Schaltung hat die Besonderheit, dass sie ohne Bowdenzüge auskommt. Ein weiterer Pluspunkt des Testrads ist der mit Carbon verstärkte Zahnriemen. Er kommt ohne Spannung aus und hat somit keinen Reibungsverlust.

Das Testrad wiegt 12,5 kg, kostet 2.280 Euro und wird optional mit Gepäckträger und Beleuchtung geliefert. Es fährt sich vergleichbar komfortabel wie ein vollgefedertes Mountainbike der gehobenen Preisklasse. Das Moulton TSR ist für alle, die ein zerlegbares Fahrrad mit hervorragenden Fahrkomfort suchen, eines der derzeit interessantesten Räder auf dem Markt.

Daten und Fakten: Moulton TSR 4

Das Moulton lässt sich in der Mitte des Rahmens durch den Kingpin in zwei Hälften teilen.
Foto: Bernhard Steppan

Hersteller

The Moulton Bicycle Company

Deutscher Vertrieb

L&H Bicycles Hammel OHG

Homepage

www.alexmoulton.com

Modell

Moulton TSR 4

Rahmenmaterial

Stahl (Columbus Spirit und Reynolds 525 CrMo)

Schaltung

4-Gang-Kombischaltung (Rücktritt und Schlumpf)

Bremsen

Avid V-Brake vorne, Rücktritt hinten

Reifen

Schwalbe Marathon 20 Zoll, 40-406 auf 20 Zoll Alufelgen

Federung

Vollfederung (auf das Gewicht des Fahrers einstellbar)

Farben

British Racing Green, schwarz, orange, Sonderfarben

Gewicht

12,5 kg

Packmaß

ca. 100 x 70 x 40 cm³

Preis

2.280 Euro

Vello Bike+

Das vierte Faltrad dieses Vergleichs stammt von der österreichischen Firma Vello. Das Vello Bike ist entweder als konventionelles Fahrrad mit Ketten- oder Nabenschaltung (Vello Bike) oder als Pedelec mit Elektroantrieb (Vello Bike+) erhältlich. Unsere Wahl fiel auf das Pedelec.

Das Vello Bike+ ist mit 20-Zoll-Rädern mit Breitreifen, einem CrMo-Stahlrahmen, hydraulischen Shimano-Scheibenbremsen, Zahnriemen aus Karbon und einem Elektromotor namens Bike+ des Herstellers Zehus ausgestattet. Schaltgetriebe, Beleuchtung, Gepäckträger und Schutzbleche fehlten beim Testrad, sind aber wie viele andere Ausstattungsdetails (Titanrahmen, Schlumpfschaltung, bequemer Lenker) optional erhältlich.

Trotz seines Elektroantriebs und seiner 20-Zoll-Räder ist das Vello Bike+ ein leichtgewichtiges Pedelec
Foto: Bernhard Steppan

Der Faltmechanismus: Um das Vello zu falten, zieht man zunächst den Sicherheitsstift der Gabel komplett heraus. Erst danach lässt sich die Schraubklemme lösen, die die Gabel fixiert. Der Hinterbau wird durch eine sehr starke Magnetkupplung arretiert. Um den Hinterbau zu lösen, stellt man einen Fuß auf das Ausfallende des Hinterbaus und hebt das Fahrrad an. Hierdurch schwenkt der Hinterbau nach vorne und die Gabel nach links, wo sie am Rahmen andockt. Der Hinterbau wird dadurch festgestellt, dass man die Sattelstütze nach unten schiebt. Zum Schluss lassen sich noch der Lenker drehen und die Faltpedale einklappen. Trotz der großen 20-Zoll-Laufräder liegt das Packmaß in der Länge nur rund 10 cm über dem von Brompton und Dahon.

Elektroantrieb mit Energierückgewinnung: Der Elektroantrieb Bike+ des Faltrads besteht aus einer wuchtigen Hinterradnabe, die alleine schon rund 3 kg wiegt. In ihr befinden sich sowohl der Akku als auch der Motor in einer Einheit. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass es keinen Kabelsalat gibt, denn die Zuleitungen zu einem externen Akku entfallen. Der Nachteil ist die begrenzte Kapazität des Akkus von 160 Wh, die einer Reichweite von maximal 35 bis 40 km bei voller Motorunterstützung entsprechen.

Da ein externer Akku nicht angeschlossen werden kann, ist es auch nicht möglich, diese Reichweite durch einen Reserveakku zu verlängern. Die Reichweite lässt sich aber durch die intelligente Energierückgewinnung verlängern. Der Akku wird mit einem handelsüblichen Notebook-Ladegerät geladen, welches sich im Lieferumfang befindet. Wie alle derartigen Ladegeräte ist er nicht sehr leistungsfähig, und daher empfiehlt es sich, den Akku über Nacht zu laden.

Der Elektroantrieb verfügt über eine Dauerleistung von 250 W (Spitzenleistung: 500 W). Er wird eingeschaltet, indem man bei einer Geschwindigkeit von ca. 10 km/h dreimal rückwärts tritt. Danach spürt man eine deutliche Unterstützung des Motors. Wie stark diese Unterstützung ist, lässt sich mit der App sehr genau und stufenlos festlegen. Dabei gilt: Je geringer die Unterstützung eingestellt ist, desto größer ist natürlich die Reichweite.

Die Reichweite kann zusätzlich durch Rekuperation verlängert werden. Wir haben mit den Werkseinstellungen während unseres Tests zwar keine nennenswerte Aufladung festgestellt, was aber nach Rücksprache mit dem Hersteller an den Grundeinstellungen des Testrads liegen kann (siehe Kasten "Energierückgewinnung"). Hierzu muss man anmerken, dass uns für den Test nur die Dokumentation des Antriebsherstellers Zehus vorlag, die unserer Ansicht nach verbesserungsbedürftig ist.

Energierückgewinnung
Durch intelligente Energierückgewinnung - auch KERS oder Rekuperation genannt - lässt sich bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen sehr viel Energie einsparen. Zehus, der Hersteller des Elektroantriebs Bike+, hat hierzu ein System entwickelt, um möglichst viel Energie bei Bergabfahrten, Rückenwind, beim Rückwärtstreten sowie Bremsen zurückzugewinnen. Hierzu sind vier Sensoren in dem Elektroantrieb verbaut (Bremsen, Drehmoment, Neigung, Rückwärtstreten). Je nach Einstellung wird überprüft, ob ausreichend kinetische Energie zur Verfügung steht, die in elektrische Energie umgewandelt werden kann. Laut Hersteller lässt sich damit die Akkulaufzeit erheblich verlängern.

Die App fürs Klapprad: Die Motorelektronik hat eine Vielzahl von Funktionen, für die die kostenfreie Bitride-App des Herstellers erforderlich ist. Man lädt zunächst die App auf sein Smartphone (iOS oder Android) und registriert sich danach bei Zehus. Anschließend führt man ein Bluetooth-Pairing zwischen Mobiltelefon und Motorelektronik durch. Dazu muss man sein Mobiltelefon möglichst nahe an die Nabe halten.
Ist die Kopplung hergestellt, ist die App unter anderem mit folgenden Funktionen freigeschaltet:

Um sämtliche dieser Funktionen sinnvoll zu nutzen, ist eine Smartphone-Halterung am Lenker erforderlich.

Die Motorunterstützung des Vello Bike+ kann mittels einer App stufenlos eingestellt werden.
Foto: Vello/Bernhard Steppan

Das Testrad wiegt trotz der 20-Zoll-Räder und seines Elektroantriebs lediglich 15 kg und kostet in der anfangs genannten Ausstattung als Pedelec ca. 3.299 Euro. Die Fahreigenschaften des Vello Bike+ sind ausgezeichnet. Es hat einen sehr guten Geradeauslauf und überzeugt durch seine Stabilität sowie den einfachen Faltvorgang.

Dank der Unterstützung des Elektromotors erreicht man mühelos die maximale Pedelec-Geschwindigkeit und überwindet Steigungen deutlich leichter. Einzig die kaum spürbare Hinterradfederung und die Dokumentation - insbesondere zur Energierückgewinnung - könnten verbessert werden. Trotz dieser Einschränkungen ist das Vello Bike+ eine sehr willkommene Pedelec-Alternative zu anderen Falträdern.

Daten und Fakten: Vello Bike+

Hersteller

Vello

Deutscher Vertrieb

Über den Fachhandel erhältlich (siehe Händlerliste unter www.vello.bike)

Homepage

http://www.vello.com/

Modell

Vello Bike+

Rahmenmaterial

CrMo-Stahl (Titan optional)

Schaltung

Elektromotor Bike+ (Schlumpf-Schaltung optional)

Elektroniksteuerung

Mobile App für Android und iOS verfügbar

Leistung

250 W Dauerleistung, 500 W Spitzenleistung

Kapazität

160 Wh

Bremsen

Shimano-Scheibenbremsen (hydraulisch)

Ladezeit

ca. 3 Stunden

Reifen

Schwalbe Marathon 20 Zoll, 40-406 auf 20 Zoll Alufelgen

Federung

Hinterradfederung

Farben

Silbergrau

Gewicht

ca. 15 kg

Packmaß

79 x 57 x 29 cm³

Preis

Nichtelektrische Ausführung ab 1.199 Euro, Pedelec ab 2.899 Euro

Offizielles Packmaß

Je nach Quelle schwanken die Packmaße von Falträdern. Das liegt daran, dass manche Hersteller die Schutzbleche und Anbauteile in den Packmaßen mit einbeziehen, andere nicht. Wir haben hier die offiziellen Angaben übernommen.

Fazit

Die hier vorgestellten Räder zeigen, dass es moderne Falträder für jeden Anspruch gibt. Auf der einen Seite liegen die auf die Bedürfnisse von Pendlern zugeschnittenen Brompton RD 6 und Dahon I3. Auf der anderen Seite das extrem auf Laufruhe optimierte Moulton TSR. Eine weitere interessante Alternative ist das leichtgewichtige Vello Bike+ mit integriertem Elektroantrieb.

Wer Interesse an einem dieser Fahrräder hat, sollte möglichst einen Händler aufsuchen, der Probefahrten anbietet. Ausgiebige Probefahrten und das Testen des Faltvorgangs sind auf jeden Fall empfehlenswert, um das geeignete Faltrad zu finden.