Fortbildung für IT-Manager

So verbessern CIOs ihr Strategiedenken

01.10.2012 von Andrea König
IT-Führungskräfte müssen Probleme stärker von der Geschäftsseite durchdenken, fordert Prof. Dr. Thomas Hutzschenreuter von der WHU Otto Beisheim School of Management.

Was erwartet die Teilnehmer des Leadership Excellence Programs?

Prof. Hutzschenreuter: Das Programm behandelt die beiden Schwerpunktthemen strategisches Management und Leadership. Im Strategie-Block lernen IT-Führungskräfte, wie sich Unternehmen positionieren sollten. Sie entwickeln ein Verständnis dafür, auf welchen Märkten sie aktiv sein sollten und wie sie dort Wettbewerbsvorteile erlangen können. Der Leadership-Block bringt die personelle Komponente ein. Hier vermittelt das Programm, wie man Menschen erfolgreich führt und organisiert, um mit ihnen genau das zu erreichen, was man sich im Rahmen der Strategie vorgenommen hat.

Dann hängen diese beiden Schwerpunkte eng zusammen?

Prof. Dr. Thomas Hutzschenreuter leitet seit 2002 den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensentwicklung und Corporate Governance an der WHU Otto Beisheim School of Management.
Foto: Prof. Hutzschenreuter

Prof . Hutzschenreuter: Im Prinzip bilden sie zwei Seiten einer Medaille. Sie lassen sich nicht voneinander trennen.

Professor Martin Högl von der LMU München unterrichtet den Leadership-Block, Sie selbst die Inhalte zum strategischen Management. Wo setzen Sie die Schwerpunkte beim Strategie-Thema?

Prof. Hutzschenreuter: Im Vordergrund steht die Frage, wie Unternehmen sich in dynamischen Umfeldern positionieren können. Wie sie es immer wieder schaffen können, sich Vorteile gegenüber Wettbewerbern zu erarbeiten. Von dynamischen Umfeldern gehen wir deshalb aus, weil Volatilität und Unsicherheit heutzutage längst den Normalzustand darstellen. In der Vorbereitung auf das Seminar haben wir uns genau überlegt, welche Fragen für die Unternehmensführung relevant sind. Diese Fragen spielen wir mit den Seminarteilnehmern in einer Business-Simulation durch.

Das heißt, die Teilnehmer managen und entscheiden unter Laborbedingungen?

Prof. Hutzschenreuter: Jeder Teilnehmer wird zu Beginn der Simulation einer Gruppe zugeteilt, die ein Unternehmen repräsentiert. Die Mitglieder der Gruppe bilden sozusagen den neuen Vorstand ihres eigenen Unternehmens. Schritt für Schritt konfrontieren wir die Teilnehmer dann mit bestimmten Situationen, zum Beispiel damit, dass sie ihr Produktportfolio innovativer gestalten müssen oder auf internationalen Märkten Fuß fassen sollen. Auch äußere Einflüsse wie veränderte Materialpreise, Wechselkursschwankungen oder Umweltauflagen spielen eine Rolle. Diese Veränderungen treten nicht alle auf einmal ein, wir konfrontieren die Teilnehmer nach und nach mit komplexeren Situationen.

Wie schnell sieht man in der Simulation Ergebnisse?

Prof. Hutzschenreuter: Zwischen den einzelnen Spielrunden werten wir detailliert aus, wie die Gruppen auf die Veränderungen reagiert haben und wie sie jetzt dastehen - auch im Vergleich zu ihren Wettbewerbern. Die Simulationssoftware ermöglicht sehr detaillierte Analysen, ähnlich wie bei einer Bilanz-Pressekonferenz.

General Management Fähigkeiten sind in der IT unersetzlich

Warum müssen CIOs sich überhaupt mit solch umfassenden Unternehmensentscheidungen beschäftigen?

Prof. Hutzschenreuter: Die IT steht längst nicht mehr am Rande eines Unternehmens, sondern ist ein zentraler Bestandteil des Kerngeschäfts. Ohne IT kann heute kein Prozess gedacht werden und auch Produktinnovationen sind IT-getriebener denn je. Die Führungskraft im Bereich IT muss das Gesamtgeschäft im Blick haben, denn sie hat einen sehr großen Einfluss auf den Geschäftserfolg und Misserfolg des gesamten Unternehmens. Das macht General Management Fähigkeiten unersetzlich.

Wie steht es denn um die General Management Fähigkeiten von CIOs?

Prof. Hutzschenreuter: Ich möchte hier keiner Führungskraft im IT-Bereich zu nahe treten. Vorsichtig formuliert besteht im IT-Bereich ein verstärkter Nachholbedarf, diese Fähigkeiten noch mehr auszuprägen. CIOs müssen noch besser lernen, IT-Entscheidungen vom Geschäft her zu denken und nicht umgekehrt. Der Blick auf das Gesamtgeschäft muss fest zu ihrem Standardrepertoire gehören.

Wo beobachten Sie die größten Defizite?

Prof. Hutzschenreuter: Der meiste Nachholbedarf besteht nach meiner Beobachtung im Strategiedenken. Kennen Sie einen CIO, der zum CEO aufgestiegen ist? Dass diese Weiterentwicklung so selten stattfindet, liegt meiner Meinung nach auch daran, dass CIOs Probleme noch nicht stark genug von der Geschäftsseite her durchdenken. Produktinnovationen, neue Märkte und flexiblere Geschäftsprozesse etwa gehören allesamt zu den Themen, bei denen die Unternehmens-IT eine entscheidende Rolle einnimmt. Natürlich gibt es CIOs, die das schon gut meistern, doch in der Regel ist ihre Rolle verbesserbar.

Das Leadership Excellence Programm dauert drei Tage. Reicht ein so kurzer Zeitraum aus, um ein perfekter CIO zu werden?

Prof. Hutzschenreuter: Ein dreitägiges Seminar kann nicht alle Fragen beantworten. Doch es gibt einen nachhaltigen Anstoß, um die erlernten Dinge im Tagesgeschäft umzusetzen und neue Fragen zu stellen. Zum Beispiel ist man nach dem Besuch des Seminars ein ganz neuer Gesprächspartner für andere Führungskräfte im Unternehmen, etwa für den CEO oder den CFO. Das Seminar leistet einen Ausgangspunkt für die Entwicklung von einer IT-Führungskraft hin zu einer Führungskraft, die sich nicht nur über IT definiert sondern über ein breiteres Geschäftsverständnis.

Der Intensivkurs findet an der Business School WHU in Vallendar statt.
Foto: WHU

Prof. Dr. Thomas Hutzschenreuter leitet seit 2002 den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensentwicklung und Corporate Governance an der WHU Otto Beisheim School of Management. Praktische Erfahrungen sammelte er unter anderem als Berater der IT-Industrie, wo er sich für große Software-Unternehmen mit der Etablierung neuer Geschäftskonzepte beschäftigte. Auch die Reorganisation von Automobilunternehmen sowie die Etablierung neuer Geschäftskonzepte in der Luxuskosmetikindustrie zählten zu seinen Beratungsthemen. Übergeordnete Frage seiner Beratungstätigkeit war, wie Unternehmen sich ausgehend von ihrer jeweiligen Situation weiterentwickeln können, wie sie zukünftig Wettbewerb betreiben und aus welchen Feldern sie sich zurückziehen sollten.

Fortbildung: General Management für IT-Führungskräfte

Das CIO-Magazin und die WHU - Otto Beisheim School of Management haben ein General Management Programm exklusiv für CIOs konzipiert. Das CIO Leadership Excellence Program richtet sich an IT-Führungskräfte in Anwenderunternehmen. Das Programm setzt sich aus drei Modulen zusammen:

1. Zunächst absolvieren Sie einen viertägigen Intensivkurs in Leadership Excellence mit den Schwerpunkten Führung, Strategie und Innovation an der renommierten Business School WHU in Vallendar.

2. Nächster Baustein ist ein einwöchiger Aufenthalt in Indien. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Thema Interkulturalität. Neben Workshops sind Field Trips zu Unternehmen geplant. Darüber hinaus werden Sie als Teil der deutschen Delegation an der NASSCOM Leadership-Conference teilnehmen, dem wichtigsten Netzwerkevent in der indischen IT-Industrie für CIOs und Topmanager.

3. Sie schließen die Fortbildung mit der Erarbeitung eines "Position & Perspective Paper" ab.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.lep.cio.de.