Neue Renditeziele

Thyssenkrupp schreibt Verluste

09.08.2018
Der Industriekonzern Thyssenkrupp ist im dritten Quartal wegen der Probleme in seinem Anlagen- und Schiffbaugeschäft in die roten Zahlen gerutscht.

Das derzeitige Sorgenkind im Konzern leidet unter fehlenden Großaufträgen sowie höheren Kosten für Projekte und war bereits Auslöser für eine Gewinnwarnung Anfang August. Interimschef Guido Kerkhoff will nun den Umbau der Sparte vorantreiben, sowie auch die Profitabilität der übrigen Industriegeschäfte verbessern. Dafür gab der Manager erstmals feste Renditeziele für die kommenden drei Jahre aus.

Rote Zahlen bei Thyssenkrupp.
Foto: Thyssenkrupp AG

"Wir sehen ein gemischtes Bild. Die aktuellen Ergebnisse stellen uns unter dem Strich nicht zufrieden", sagte Kerkhoff bei der Vorlage der Zahlen am Donnerstag in Essen. So betrug der Nettoverlust in den drei Monaten per Ende Juni 131 Millionen Euro. Negativ wirkte sich zudem ein einmaliger Steueraufwand in Zusammenhang mit der Ausgliederung des Stahlgeschäfts aus. Im Vorjahr hatte Thyssenkrupp noch einen Gewinn von 254 Millionen Euro erzielt.

Auch das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) sank im Quartal deutlich - von 519 auf 332 Millionen Euro. Grund waren die Verluste im Anlagen- und Schiffbau, die vor allem aus höheren Kosten für Projekte sowie einer schwachen Nachfragen bei Großaufträgen resultierten. Aus diesem Grund hatte Thyssenkrupp bereits Anfang August die Gewinnerwartung für das laufende Jahr senken müssen. Es gab aber auch Lichtblicke. So stieg der Umsatz um 7 Prozent auf gut 11 Milliarden Euro, der Auftragseingang legte ebenfalls um 7 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro zu.

Gesenkte Jahresprognose

Die gesenkte Jahresprognose bestätigte der Konzern. Für das bis Ende September laufende Jahr rechnet Thyssenkrupp mit einem bereinigten Ebit von rund 1,8 Milliarden Euro, nach 1,72 Milliarden Euro im Vorjahr, und damit am unteren Ende der zuvor gesetzten Spanne von 1,8 bis 2 Milliarden Euro. Die Probleme im Anlagenbau wirken sich auch negativ auf die Barmittel aus. Bei dieser Kennziffer, die bei Analysten besonders im Fokus steht, geht Thyssenkrupp nicht mehr von einer positiven Entwicklung aus, sondern von einem Abfluss. Nach neun Monaten lag dieser bei knapp 1,6 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss des Konzerns soll dennoch weiter signifikant besser als das Vorjahresergebnis von 271 Millionen Euro ausfallen.

"Wir müssen uns in all unseren Geschäften deutlich verbessern", kommentierte Kerkhoff. So will Thyssenkrupp nach der Ausgliederung seiner Stahlsparte die Profitabilität seiner verbliebenen Geschäfte in den kommenden drei Jahren erhöhen. Zudem setzte sich das Unternehmen ein ehrgeiziges Liquiditätsziel. So soll der freie Mittelzufluss vor Akquisitionen bis zum Geschäftsjahr 2020/21 (per 30. September) bei mindestens einer Milliarde Euro liegen.

Das Komponentengeschäft soll in den kommenden drei Jahren seine operative Marge (Ebit) von derzeit 5 Prozent auf 7 Prozent steigern. Der Umsatz soll jährlich im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Die profitabelste Sparte, die Aufzüge, soll ihre Marge von 12 auf 13 Prozent steigen und ein Ebit von mehr als einer Milliarde Euro erreichen. Langfristig bleibt das Ziel einer Rendite von 15 Prozent bestehen. Der Umsatz soll dabei im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen und damit schneller als der Markt. Auch der aktuell schwächelnde Anlagenbau soll seine Profitabilität deutlich erhöhen. Die Rendite-Ziele liegen dabei in etwa im Rahmen der von Thyssenkrupp bereits ausgegeben Erwartungen, allerdings hatte das Management dafür nie einen festen Zeitrahmen gesetzt.

Der Konzern steht unter Druck, bessere Ergebnisse zu liefern. Ein anhaltender Konflikt mit Großaktionär Cevian sowie Uneinigkeit im Aufsichtsrat über die Strategie hatten zuletzt eine Führungskrise ausgelöst. Chef Heinrich Hiesinger sowie Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Lehner warfen das Handtuch. Nachfolger gibt es bislang nicht. Finanzvorstand Kerkhoff hat die Führung des Unternehmens übergangsweise übernommen. Cevian-Mitgründer Lars Förberg forderte zuletzt wiederholt mehr Freiraum für einzelne Sparten. Der Finanzinvestor hatte zudem gegen die Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Geschäft von Tata Steel gestimmt, weil er Thyssenkrupp bei der Transaktion benachteiligt sah.

Dabei gab es zuletzt moderatere Töne, nachdem Förberg vorher Thyssenkrupp und die Führung um Hiesinger scharf kritisiert hatte. Weiteren Druck könnte zudem der US-Hedgefonds Elliott aufbauen, der im Mai seinen Einstieg in den Konzern verkündet hatte und ebenfalls eine Neuausrichtung fordert, ebenso wie Cevian aber nicht von Zerschlagung reden will. Dennoch geistert das Thema weiterhin durch den Raum. (dpa/ad)