Bürger in Friedrichshafen testen 6 Monate

Umkämpfte neue De-Mail

19.10.2009 von Johannes Klostermeier
Mit großem Aufwand machten in Berlin das Bundesinnenministerium zusammen mit dem BSI, dem Bitkom, T-Systems, der 1&1 Internet AG und der Generali Versicherungsgruppe Werbung für die "De-Mail". Die Post plant angeblich ein Konkurrenzprodukt.
Das De-Mail-Logo.

Der Name klingt irgendwie albern: "De-Mail“. Der Werbeslogan dazu lautet: "So einfach wie E-Mail, so sicher wie Papierpost.“ In Friedrichshafen am Bodensee, die zufälligerweise schon "T-City“ der Deutschen Telekom ist, startete kürzlich das De-Mail-Pilotprojekt. Auf dem traditionellen Apfelfest, einem Bauernmarkt, wollten die beteiligten Firmen um Kunden werben. Mit dabei sind die Stadt Friedrichshafen, Cosmos Direkt, Gothaer, HUK24, LVM, IHK Bodensee-Oberschwaben, Deutsche Telekom, EADS, ZF Friedrichshafen, Volksbank, Citibank und die Sparkasse Bodensee.

Der halbjährige Probebetrieb ist für die Kunden am Bodensee kostenlos. Die danach anfallenden Kosten sind noch nicht bekannt. Denn die genauen Preise und Modalitäten soll jeder Anbieter „im freien Wettbewerb um die Kunden“ selbst festlegen. Dabei werde voraussichtlich ein ähnliches Prinzip wie beim Postversand gelten: Der Absender zahlt das Porto; wahrscheinlich, so eine interne Schätzung, ein „unterer zweistelliger Eurocent-Betrag pro De-Mail.“

Den Hintergrund der Einführung bildet die EU-Dienstleistungsrichtlinie, mit ihr wird die Möglichkeit der elektronischen Kommunikation auch für deutsche Behörden zur Pflicht. Die „De-Mail“ soll den Versand und den Erhalt von rechtsverbindlichen, zuverlässigen und vor Veränderungen geschützte E-Mails ermöglichen. Vor allem Unternehmen und die Verwaltung können durch De-Mail viel Geld sparen. Der Versand von Angeboten, Verträgen und Mahnungen per Brief verursacht bisher hohe Port-, Bearbeitungs- und Aufbewahrungskosten. Die Medienbrüche zwischen Elektronik und Papier führten zu Verzögerungen und erhöhten den Aufwand.

„Sie wollen ein Einschreiben versenden? Oder an eine Behörde eine Nachricht übermitteln? Sparen Sie sich lange Wege zur Post: De-Mail übernimmt ab sofort diese Aufgaben für Sie. Immer nachvollziehbar, sicher und zuverlässig“, wirbt GMX auf seiner Anmelde-Seite. Wer volljährig ist und in Friedrichshafen wohnt, kann sich hier jetzt schon anmelden, anschließend muss man sich noch etwa per Postident-Verfahren identifizieren und erhält nun Benutzernamen und Passwort per Briefpost zugeschickt.

Auf der Website der Anbieter kann der Nutzer dann sein De-Mail-Konto nach dem Muster Vorname.nachname@provider.de-mail.de aktivieren. Auch zusätzliche Pseudonyme sind erlaubt. Juristische Personen können ebenfalls De-Mail-Adressen erhalten. De-Mails, so wird versichert, kann man nicht nur über einen Web-Browser abrufen, sondern auch über sein E-Mail-Programm.

Die GMX-De-Mail-Startseite.

Abgesicherte Anmeldeverfahren und Verbindungen zum Anbieter sowie verschlüsselte Transportwege sollen für den sicheren Mail-Versand und -empfang sorgen. Alle Anbieter müssen sich deswegen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) akkreditieren lassen. Sie müssen bei der Zertifizierung nachweisen, dass sie ein hohes Niveau an Zuverlässigkeit, Datensicherheit sowie Daten- und Verbraucherschutz besitzen.

Das für den Betrieb von De-Mail notwendige Gesetz (PDF), das die grundlegenden Anforderungen für die Rechtssicherheit der elektronischen Kommunikation festlegt und so der Privatindustrie die Rahmenbedingungen setzt, hat das Bundesinnenministerium ausgearbeitet. Anfang Februar 2009 hatte das Kabinett das sogenannte „Bürgerportalgesetz“ gebilligt.

Doch zum Bedauern des Innenministeriums wurde es in der vergangenen Legislaturperiode nicht mehr verabschiedet. Hans Bernhard Beus, Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik, räumt selbstkritisch ein, man habe den Gesetzentwurf wohl „zu spät in den Bundestag eingebracht“. Einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zufolge, könnte aber auch die Lobbyarbeit der Deutschen Post dazu beigetragen haben, dass das Gesetz bislang nicht verabschiedet wurde.

Die Deutsche Post fürchtet die elektronische Konkurrenz

Die Post muss die elektronische Konkurrenz fürchten, denn sie erwirtschafte schließlich rund ein Viertel ihres Gesamtumsatzes von rund 54 Milliarden Euro im Briefmarkt. Im März stieg die Deutsche Post aus dem De-Mail-Konsortium aus und plant nun angeblich ein eigenes Angebot bis Ende des Jahres.

Wie die Projektteilnehmer ohne ein in Kraft befindliches Gesetz handeln können, erklärt Holger Neumann, Pressesprecher von GMX: „Rechtswirkungen, die sich aus dem Gesetz ergeben werden, werden in der Pilotierung bilateral zwischen Nutzern und Providern vereinbart.“ Darüber hinaus sei „allen Projektteilnehmern daran gelegen, bereits jetzt höchste Sicherheitsanforderungen zu erfüllen und nicht durch Versäumnisse in diesem Bereich das Projekt De-Mail zu kompromittieren.“

Wie man sich bei De-Mail anmeldet

De-Mails können als „Brief“ oder als „Einschreiben“ versandt werden. Beim Einschreiben erhält der Absender eine qualifizierte elektronisch signierte Bestätigung darüber, wann die Nachricht verschickt wurde und wann sie zugestellt worden ist. Damit kann der Eingang beim Empfänger zweifelsfrei nachgewiesen werden. Auch einen elektronischen Dokumentensafe („De-Safe“) soll es geben, darin sollen alle wichtigen elektronischen Dokumente verschlüsselt langfristig sicher archiviert werden können.

Für die Nutzung der Dienste gibt es drei unterschiedliche Anmeldeniveaus. Bei „einfach“ reicht eine Benutzername/Passwort-Kombination. Bei den beiden anderen ist eine Authentisierung durch Besitz und Wissen wie einem USB-Token und einer PIN zur Freischaltung erforderlich. Der De-Mail-Nutzer kann an andere De-Mail-Adressen auch sogenannte „De-Ident“-Bestätigungen qualifiziert signiert verschicken lassen, diese enthalten die Identitätsdaten wie Adresse oder Alter.

Die Veranstalter der Pressekonferenz sahen ihre De-Mail in eine Reihe mit der Erfindung der E-Mail gestellt. Informatikprofessor Werner Zorn, dessen Team der Universität Karlsruhe die erste E-Mail in Deutschland vor 25 Jahren empfangen hat, war auch der Empfänger der ersten De-Mail, die ihm der Geschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom Bernhard Rohleder zusandte. Rohleder wiederum sagte auf der Pressekonferenz in Berlin, er hoffe, dass die De-Mail sich zu einem Exportschlager fürs Ausland entwickelt. „Weltweit gibt es kein solches sicheres Verfahren“, ergänzte Jürgen Schulz von T-Systems Public. Aber erst einmal müssen die Bürger in Friedrichshafen entscheiden, was sie von dem Projekt halten.

Weitere Informationen:
http://www.fn.de-mail.de
http://www.gmx.net/de-mail
http://web.de/de-mail
http://www.cio.bund.de