Anteil gestiegen

Warum CIOs immer noch an den CFO berichten

27.05.2010 von Christiane Pütter
Fast jeder fünfte CIO berichtet an den Chief Financial Officer (CFO). Voriges Jahr waren es noch einige Prozent weniger. Management-Berater stellen klar: Das können nur CIOs selbst ändern.

Sie schaffen einfach die 50-Prozent-Hürde nicht. 47 Prozent der CIOs in den westlichen Industrienationen berichteten laut der Studie "State of the CIO" im Jahr 2009 an den CEO - die höchste Quote von 2005 bis 2010. In diesem Jahr sind es 43 Prozent. Dafür gewinnen CFOs (Chief Financial Officer) an Einfluss. Hatten im vergangenen Jahr 16 Prozent der CIOs an den CFO berichtet, sind es jetzt 19 Prozent. Keine gute Entwicklung, wie die Leser von CIO.com meinen.

Unsere US-Schwesterpublikation fasst die Diskussion unter dem Titel "Why is the CFO still boss of IT?" zusammen. These Nummer Eins: Die Geschäftsführung schiebt die Verantwortung dem CFO zu, damit er in Zeiten knapper Kassen das IT-Budget in den Griff bekommt.

These Nummer Zwei: Die aktuellen Reporting-Strukturen sind historisch bedingt. Als Unternehmen anfingen, CIO-Posten zu vergeben, unterstellten sie diese dem Finanz-Chef. Denn zunächst war es Aufgabe der IT, Verwaltungsvorgänge in Buchhaltung und Rechnungswesen zu digitalisieren. Ein großer Teil des IT-Budgets floss in Financial Computing.

So zementierte sich die Rollenverteilung, wonach der IT-Chef dem CFO untersteht. Management-Berater Don Rekko, der bei CIO.com die Diskussion angestoßen hat, hält das für falsch. Er rät Firmen, den CIO an die Unternehmensspitze zu holen. Rekko zieht einen launigen Vergleich: "Der CIO ist wie der Drummer in einer Rockband", sagt er. Auf der Bühne steht ein Schlagzeuger nie im Rampenlicht - aber wenn er Fehler macht, ist der ganze Song hin.

Ennis Alvarez vom IT-Beraterhaus Brivea will die CIOs jedoch nicht aus der eigenen Verantwortung entlassen. Er sagt, ein IT-Entscheider müsse von sich aus aufzeigen, wie viel die IT heutzutage zum Unternehmenserfolg beiträgt. Wer das versäume, habe einen Platz an der Spitze auch nicht verdient, so Alvarez.

In dieses Horn stößt auch Rudy Puryear vom Berater Bain. IT und Business seien zu eng miteinander verzahnt, um den CIO nicht an den CEO berichten zu lassen. Die IT muss deutlich machen, dass kaum noch etwas ohne sie passiert.

Immerhin: Vor fünf Jahren haben noch 30 Prozent der Teilnehmer der "State of the CIO"-Umfrage an den CFO berichtet. Zwischen 2006 und 2008 stagnierte der Anteil zwischen 23 und 24 Prozent. 2009 waren es mit 16 Prozent deutlich weniger.

Wie CIOs ihre Position verbessern müssen

Dass diese Zahl nun wieder auf 19 Prozent hochgesprungen ist, sollten CIOs selbst ändern, so CIO.com-Autor Thomas Wailgum. Sie müssen die "taffen Fragen" von CEOs beantworten, IT-Risiken quantifizieren können - und "antiquierte Grenzen" zwischen IT und Business einreißen. Denn so lange CEOs bei der IT nur auf das Geld schielen, bleibt die Verantwortung beim Chef-Erbsenzähler.