Generation Z

Was neben dem Gehalt noch wichtig ist

26.04.2024 von Uwe Küll
Wer die Generation Z ans Unternehmen binden will, muss verstehen, was ihnen wichtig ist. Dabei ist weniger ein Umdenken gefragt, als vielmehr das Umsetzen einer wertschätzenden Unternehmenskultur.
Viel Freiraum für persönlichen Erfahrungsaustausch trägt bei abat dazu bei, dass junge Talente sich dauerhaft wohlfühlen.
Foto: abat

Die Generation Z überfordert viele Unternehmen im Umgang mit dem Fach- und Führungskräftenachwuchs. Zu wenig leistungsbereit und motiviert seien "die Jungen", heißt es oft. Stattdessen stellten sie überzogene Ansprüche an Gehalt und persönliche Freiheit. Christian Diestelkamp, Mitglied der Geschäftsleitung des IT-Dienstleisters abat in Bremen, die von Top Job als Arbeitgeber des Jahres 2023 ausgezeichnet wurde, sagt dazu: "Diese pauschale Kategorisierung einer Generation ist aus meiner Sicht unsinnig".

Tatsächlich hätten die jungen Talente ganz ähnliche Anforderungen an ihre Arbeitsumgebung wie deren ältere Kolleginnen und Kollegen. "Sie vertreten sie nur bestimmter. Und das können sie tun, weil die Nachfrage nach jungen Leuten größer ist als das Angebot." Diestelkamp weiß, wovon er spricht: Mit einem Anteil von circa 20 Prozent Auszubildenden und Hochschulabsolvent spielt der Nachwuchs bei abat eine wichtige Rolle.

Auf den Nachwuchs zugehen

Jeder fünfte Mitarbeitende ist beim Mittelständler abat unter 30 Jahre. "Wir sind daran gewöhnt, dass uns die Kandidaten nicht die Tür einrennen," sagt Diestelkamp. "Deshalb gehen wir systematisch auf die jungen Leute zu, beispielsweise im Rahmen langjähriger Kooperationen mit Universitäten und Hochschulen." Die abat AG bietet Anfängern die Möglichkeit zum dualen Studium, fördert Aus- und Weiterbildung von Software-Entwicklern sowie Beratern und definiert sich als "Freiraum-Company". Das bedeutet: Mitarbeitende können ihre Arbeit in Abstimmung mit Kunden und Projektteam weitgehend frei gestalten, etwa in der Frage, welche Aufgaben im Büro oder im Home-Office erledigt werden.

Christian Diestelkamp, abat: "Die pauschale Kategorisierung einer Generation ist aus meiner Sicht unsinnig."
Foto: abat

Das ist den jungen Talenten wichtig, wie eine interne Befragung ergab. Nils etwa, Jahrgang 2003, wünscht sich von seinem Arbeitgeber "Flexibilität, um Arbeit und Freizeit besser miteinander vereinbaren zu können" - er ist in einem Sportverein aktiv. Gestaltungsfreiräume bedeuten für ihn jedoch noch mehr: Zum Beispiel sinnhaftes Arbeiten, das ihm hilft, sein persönliches Potenzial zu entwickeln. Dabei unterstützt abat durch individuelle Weiterbildung - sowohl durch internes Mentoring als auch durch externe Angebote.

Transparenz und Freiraum für Mitsprache bieten

Darüber hinaus haben auch die Nachwuchskräfte Mitspracherecht in betrieblichen Prozessen. Etwa beim Management von komplexen Projekten, so Diestelkamp: "Dafür gibt es viele innovative Methoden und Tools, die auch erfahrene Berater nicht alle kennen können. Wenn Nachwuchskräfte mit einer neuen Software schneller zu guten Lösungen gelangen, nutzen wir diesen Know-how-Gewinn gern.

Ohne große Diskussionen über Zuständigkeiten und Budgets." Möglich macht das eine Firmen- und Kommunikationskultur, in der sämtliche Zahlen und Entscheidungen für alle transparent sind. Denn: "Wenn die Mitarbeitenden sehen, welche Konsequenzen ihr Handeln für das Unternehmen als Ganzes hat, dann achten sie von selbst darauf, verantwortungsvoll zu handeln."

Wertschätzung zeigen

Grundprinzipien des Freiraum-Unternehmens sind Wertschätzung, gegenseitiges Vertrauen, Eigenverantwortlichkeit und Selbststeuerung nach dem Prinzip des gesunden Menschenverstandes. Das kommt an bei der Belegschaft, wie die Auszeichnung als Arbeitgeber des Jahres 2023 in der Kategorie Unternehmen mit 251 bis 500 Mitarbeitende zeigt. Auch in der bereits erwähnten internen Befragung ist Wertschätzung ein zentrales Thema.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei eine leistungsgerechte Bezahlung, das weiß auch Diestelkamp: "Wenn man vergleicht, was heutige Neueinsteiger unter leistungsgerecht verstehen und was vor 15 oder 20 Jahren üblich war - da hat sich natürlich eine Menge geändert. Aber das liegt nicht an der Generation Z, das ist der Markt." Tatsächlich muss abat bei der Verpflichtung junger Talente tiefer in die Tasche greifen als noch vor fünf Jahren. Davon profitierten letztlich auch die erfahreneren Kolleg*innen, betont Diestelkamp, denn "das Gehaltsgefüge muss ja weiterhin stimmen".

Anerkennung im Alltag etablieren

Außerdem sei das Gehalt nicht alles, wenn es um Wertschätzung geht. Die jungen Mitarbeitenden - und nicht nur die - wüssten auch kleine Gesten der Anerkennung zu schätzen. "Teamevents oder eine Geste zu Weihnachten" finden ebenso lobende Erwähnung in den Antworten der Befragung wie Obstkorb und freie Getränke.

Viel wichtiger aber ist ein respektvoller Umgang miteinander, bei dem die Mitarbeitenden als Menschen gesehen werden und Anerkennung auch für Alltägliches . "So etwas kann man als Geschäftsführung nicht vorgeben - das müssen wir vorleben", sagt Diestelkamp. Offenbar klappt das ganz gut, denn in der anonymen Befragung der Mitarbeitenden durch Top Job bezeichnen diese abat als "eine große, herzliche Familie", in der alle Beteiligten ihre Meinung äußern und Kritik und Ideen einbringen könnten.

Auf Augenhöhe kommunizieren

Klar formulierte Erwartungen an die eigene Leistung und respektvolles Feedback zu den Ergebnissen gehören für die jungen Mitarbeitenden ebenfalls zu einer "Kommunikation auf Augenhöhe", die sie in der internen Befragung mehrfach als wichtigen Bestandteil einer guten Arbeitsumgebung bezeichnen. Schließlich wollen sie lernen und aktiv zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Dass Unternehmen vor allem wirtschaftlich erfolgreich sein müssen, ist den intern befragten Nachwuchskräften durchaus bewusst.

Schließlich erwarten sie alle - und das freut die abat-Führung besonders - dass sie auch in Zukunft einen sicheren und verantwortungsvollen Job bei abat haben. Apropos Verantwortung für die Zukunft: Dazu gehört für sie der Einsatz innovativer Technologien, wie etwa Künstliche Intelligenz, ebenso wie ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen und die Übernahme sozialer Verantwortung.

Arbeitgeber fördert sozial engagierte Unternehmen

"Auch in diesen Bereichen können wir regelmäßig punkten - nicht nur im Bewerbungsverfahren, sondern auch auf Dauer", betont Diestelkamp. Die Förderung sozial engagierter Organisationen wie kidsneedfuture, climb-lernferien.de und Nyuzi Blackwhite etwa sei seit der Unternehmensgründung ein Anliegen des abat-Vorstands. Beim Thema Nachhaltigkeit biete man den eigenen Mitarbeitenden unter anderem attraktive Alternativen zum Dienstwagen, wie Jobtickets, Dienstfahrräder oder Bahncards.

Darüber hinaus unterstütze abat die Kunden des Unternehmens mit einer Software zum Erstellen des CSR-Berichts und liefere ihnen damit ein wichtiges Instrument zum Messen und Reduzieren ihrer Treibhausgas-Emissionen. Und innovative Technologie gehöre für den SAP-Dienstleister abat ohnehin zum Kerngeschäft.