Software-Integration

Was Versicherungen in Sachen ERP vorhaben

28.08.2012 von Christiane Pütter
Versicherungen müssen Standard-Lösungen und Individual-Software integrieren. Dieses Thema wird sie in den kommenden Jahren begleiten, so eine Studie der Universität zu Köln und dem Berater Convista.
Ali Sunyaev ist Professor für Wirtschaftsinformatk und Information Systems Quality an der Universität zu Köln.
Foto: Ali Sunyaev, Universität zu Köln

CIOs in Versicherungen brauchen einen langen Atem. "Trotz der steigenden Anwendung von standardisierten ERP-Systemen lässt sich feststellen, dass insbesondere versicherungsspezifische Funktionen weiterhin von Eigenentwicklungen oder spezialisierter Standard-Software unterstützt werden", sagt Ali Sunyaev. Er ist Juniorprofessor für Wirtschaftsinformatik und Information Systems Quality an der Kölner Universität.

Gemeinsam mit den Consultants von Convista, ebenfalls aus Köln, hat Sunyaev eine Studie über strategische IT-Trends und deren Auswirkungen auf die Entwicklung von ERP-Systemen aus Daten- und Prozessperspektive durchgeführt. Es handelt sich dabei nicht um eine repräsentative Untersuchung, sondern um eine qualitative Analyse. Für diese wurden 15 Teilnehmer interviewt. Die Ergebnisse fassen die Studienautoren in folgenden fünf Punkten zusammen:

1. Standard- und Individualsoftware integrieren: Die Integration von Standard-und Individualsoftware sei "das primäre Thema in den untersuchten Unternehmen". Dabei geht es sowohl um die Integration von Standard- mit Individualsoftware als auch um die Integration unterschiedlicher standardisierter Systeme. Sunyaev erwartet, dass die Notwendigkeit, bestehende oder neue Systeme für eine bessere Integration von Daten und Prozessen zu integrieren, "in der kommenden Dekade und darüber hinaus" bestehen bleiben wird.

2. Standardisierung: Der Trend zum Einsatz von Standardsoftware betrifft nicht nur den vermehrten Einsatz von ERP-Systemen, sondern auch andere standardisierte Versicherungslösungen. Im Bereich der versicherungsspezifischen Funktionen schreitet die Standardisierung jedoch langsam voran, so die Forscher. Sie gehen davon aus, dass Versicherungen in den kommenden zehn Jahren versuchen, die Neuentwicklung von Individualsoftware zu vermeiden. Aufgrund komplexer Produkt- und Vertriebsstrukturen werden sie bestehender Eigenentwicklungen aber weiterhin warten.

3. Serviceorientierte Architektur (SOA) und Prozessmodularisierung: Ausgehend von einer bereits vorhandenen IT- und Prozesslandschaft wird die Serviceorientierung der IT-Landschaft vorangetrieben. Ziel ist es, vorhandene Prozesse schrittweise zu modularisieren. Auch standardisierte Systeme sollten modular aufgebaut sein, um die Integration zu erleichtern.

4. Prozesse automatisieren: "Die Automatisierung wird im Zusammenhang mit Kerngeschäftsprozessen hervorgehoben, das heißt von Prozessen, welche nicht branchenübergreifenden Standards folgen", erklärt Sunyaev. Die Versicherungen versprechen sich von der Automatisierung von Kernprozessen effizientere Prozesse - ohne firmenspezifischer Eigenschaften, die einen Wettbewerbsvorteil darstellen, zu verlieren.

Querschnittsthema Datenanalyse

5. Datenanalyse: Die Datenanalyse zieht sich als Querschnittsthema durch diverse Unternehmensbereiche und -aktivitäten. Aus der langen Lebensdauer von Versicherungsprodukten, inklusive der anfallenden Daten, ergibt sich ein überdurchschnittlich langer Planungshorizont. Die Studienautoren sprechen der Datenanalyse in der Versicherungsbranche ein "hohes Entwicklungspotenzial" zu.