IT-Manager wetten

Wettlauf um Insurance-as-a-Service beginnt

20.11.2012 von Klaus Wolf
Klaus Wolf, Leiter IT Steuerung bei Generali Deutschland Informatik Services, wettet, dass in zehn Jahren Versicherungen als Insurance-as-a-Service verkauft werden.
Klaus Wolf ist Leiter IT Steuerung bei Generali Deutschland Informatik Services GmbH.
Foto: Generali

"Ich wette, dass in zehn Jahren Versicherungen als „Insurance-as-a-Service" an die Kunden verkauft werden."

Seit nunmehr zehn Jahren rast eine bisher nie gekannte Innovationswelle unter der Bezeichnung "Internetisierung" über die globalisierte Welt. Bezüglich der Innovationsgeschwindigkeit, aber auch im Hinblick auf die Verbreitung innerhalb der Bevölkerung ist diese Entwicklung gleichermaßen atemberaubend wie erschreckend. Die nachfolgenden Schlagwörter stehen beispielhaft für diesen Zeitgeist: schnelle Internet-Verbindung, Always-On-Welt, mobile Endgeräte, Serviceorientierung, Sensorik, Cloud Computing.

Fundamental neu an dieser Entwicklung ist nicht, dass der Wandel in der Technologie gleichzeitig auch einen Wandel in der Gesellschaft induziert. Neu ist, dass der Verbraucher diese Entwicklung signifikant antreibt.

Für die Wirtschaft bedeutet dies: Nur das Unternehmen, das das Kundenverhalten bezüglich Veränderungsrichtung und -geschwindigkeit richtig prognostiziert und sich selbst entsprechend verändert, besitzt eine gesicherte Zukunft. Der dramatische Niedergang von Branchen und ihren Technologien, wie etwa Tonträger in der Musikbranche, aber auch die Renaissance des Versandhandels und der Logistik via Paket, belegen dies eindrucksvoll.

Versicherungen bestehen nur aus Informationen

Die Versicherungsbranche wird sich dem Wandel, der durch die Internetisierung ausgelöst wird, ebenfalls nicht entziehen können. Der Grund hierfür liegt im Produkt "Versicherungen" selbst: Es ist ein Leistungsversprechen, also ein immaterielles Gut, das nur aus Informationen besteht und für den Kunden nur durch Dienstleistungen im Beratungs-, Service- und Leistungsfall sichtbar wird.

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Foto: cio.de

Am deutlichsten wird das an einem Praxisbeispiel, an dem man bereits jetzt den Wandel durch die Internetisierung erkennen kann: Mit "Managed Claims" bezeichnen die Versicherer eine moderne Schadenabwicklung. Fast jedes Versicherungsunternehmen hat bereits heute im Bereich der Kfz-Versicherung für die Schadensmeldung eine mehr oder minder funktionsreiche Schaden-App auf unterschiedlichen Smartphones im Einsatz. Neben der unmittelbaren Übermittlung von Informationen direkt vom Unfallort können hierbei auch zeitnah und aktuell Assistance-Leistungen wie Abschleppdienst oder Mietwagen abgerufen werden.

Beispiele aus der Versicherungspraxis

Für beide Seiten - Kunde und Versicherungsunternehmen - ergeben sich viele Vorteile bezüglich Qualität und Effizienz der Serviceleistung. Weitere Funktionen, wie zum Beispiel die automatische Identifizierung des Kfz-Versicherers des Unfallgegners oder die nötige Deckung des Schadens, sind schon heute denkbar und in der Erprobung.

Die Europäische Union plant, ab 2015 Neuwagen per Gesetz mit der sogenannten E-Call-Funktion auszurüsten. Vorgesehen ist, dass über eine Verbindung zwischen der Telematik des Fahrzeugs, dem GPS-System und einem Leitstellensystem ein Notruf abgesetzt wird, der von einer Leitstelle situativ bearbeitet wird. Zwischen Unfall und Beauftragung von Service-und Notfalldiensten vergehen nur noch wenige Sekunden. Hier wird nochmals eindrucksvoll klar, dass die Internetisierung Qualität und Effizienz von Services für alle Serviceteilnehmer hochgradig verbessert.

Herausforderungen in der Zukunft

Was bedeutet nun die skizzierte Entwicklung für die IT eines Versicherungs-Unternehmens? Nachfolgend sind einige mögliche Herausforderungen aufgeführt, aus denen dann konkrete Anforderungen abgeleitet und hierzu für das jeweilige Unternehmen geeignete Lösungen entwickelt werden müssen:

In diesem Zusammenhang gilt es nunmehr, zwei Kernpunkte aus einer zu definierenden IT-Strategie anzusprechen:

Die Zielsetzung der Bereitstellung von Geschäftsservices am Point of Action - einschließlich der Nutzung aller hierfür benötigten, sich schnell ändernden oder hinzukommenden IT-Technologie - muss beherrscht werden. Hierzu bedarf es aber nicht nur eines entsprechenden Ordnungsschemas, sondern auch einer entsprechenden Strukturierung und Modellbildung über die drei Ebenen Facharchitektur, Anwendungsarchitektur und Infrastrukturarchitektur.

Wer den Einstieg verpasst, bekommt Probleme

Zwar wird dieses Thema auch schon über Jahre hinweg in Fachkreisen erörtert. Außerdem gibt es aus wissenschaftlicher Sicht eine ausreichende Bereitstellung von Referenzmodellen und Methoden, aber eine konsequente Umsetzung ist in der Praxis bisher nicht erfolgt. Wer hier den richtigen Zeitpunkt des Einstiegs verpasst, wird mit dem Zuwachs an Komplexität - sowohl im Business- als auch im IT-Bereich - nicht zurechtkommen. Technisch immer komplexer werdende Lösungen, die sich immer schneller werdenden Innovationen anpassen müssen, verlangen eine klare Konstruktionslehre und eine eindeutige Konstruktionsverantwortung.

Diese Erkenntnis ist selbst im IT-Bereich nicht unbekannt. Auch in diesem Fall mangelt es häufig jedoch an der gezielten Umsetzung in den Unternehmen. Man stelle sich eine vergleichbare Ignoranz nur einmal in der Automobilbranche vor. Der Schlüssel zum Erfolg ist hier die Rolle des IT-Architekten (Entwicklungsingenieurs). Diese Mitarbeiter nun schnell und in ausreichender Anzahl zu finden ist eine markante Herausforderung. Neben dem notwendigen Know-how bedarf es bei der anstehenden Aufgabenstellung nämlich vor allem entsprechender Erfahrungen im Bereich Business und IT. Ferner gehört eine Fülle von sogenannten Social Skills, wie technische Führerschaft und Kommunikationsverhalten, zu den geforderten Fähigkeiten.

Fazit

Abschließend und zusammenfassend bleibt für die Versicherungswirtschaft festzuhalten: Der Wettlauf um die besten IT-Lösungen und das beste IT-Personal zur Umsetzung von "Insurance-as-a-Service" hat begonnen. Ich bin überzeugt, dass sich dieses neue und moderne, absolut kundenfreundliche Geschäftsmodell in zehn Jahren flächendeckend etabliert haben wird. Wie so häufig gilt auch hier: Wer nicht losläuft, der kann auch nicht gewinnen.

Ich freue mich auf Ihre Gegenwette!

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