Robotic Process Automation

Wie ein Versicherer mit RPA Prozesse optimiert

26.07.2019 von Julia Lamml
Robotic Process Automation steht bei CIOs hoch im Kurs. Das amerikanische Unternehmen State Auto Financial zeigt, wie und wo sich RPA lohnt.
RPA-Software imitiert in einfachen Abläufen die Arbeitsschritte von Mitarbeitern.
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"Business-Teams sind über jeden Zuwachs an Geschwindigkeit und Produktivität begeistert", weiß Greg Tacchetti, CIO and Chief Strategy Officer bei dem Versicherungsunternehmen State Auto Financial. Wie viele andere CIOs weltweit setzt Tacchetti auf RPA.

RPA-Systeme automatisieren in der Regel einfache Arbeitsschritte von Mitarbeitern. Die Software imitiert dabei die menschlichen Handlungen und überträgt beispielsweise Daten, die auf Papier stehen, vollkommen selbstständig in IT-Systeme.

Laut einer Gartner-Prognose von 2018 sollen bis 2022 bis zu 2,4 Milliarden Dollar in RPA investiert werden. Eine Untersuchung von Forrester bestätigt den Trend: der Markt sei bereits im vergangenen Jahr stark gewachsen. 2018 prognostizierte das Marktforschungs- und Beratungshaus bis Ende 2019 eine Investitionshöhe von 1,7 Milliarden Dollar in RPA-Lösungen. Mittlerweile sind sich die Analysten sicher, die Zahl unterschätzt zu haben.

RPA als Lückenfüller

Große Anwendungsbeispiele finden sich häufig in US-Unternehmen wie State Auto Financial. Der CIO der 95 Jahre alten Firma entschied, viele Prozesse, darunter zum Beispiel die Angebotserstellung, zu digitalisieren. Nicht alle Legacy-Systeme waren aber sofort austauschbar. Die Lücken füllte er mit RPA. Als Kooperationspartner fiel seine Wahl auf den Softwareanbieter UI Path.

Angeboten habe sich der Einsatz von RPA zum Beispiel zur Berechnung von Fahrzeugschäden. Im Laufe dieses Prozesses loggten sich mehrere Mitarbeiter in die Versicherungssysteme ein, bestellten Urkunden, steckten diese in Umschläge und verschickten sie an die Kunden sowie andere Beteiligte. Seit Tacchettis Umstrukturierung übernimmt viele dieser Aufgaben nun RPA-Software, die sowohl rund um die Uhr als auch schneller und genauer arbeitet. Insgesamt reduzierte State Auto Financial damit eine Arbeitslast, die 80 Vollzeitstellen entspricht.

Auch in der Personalabteilung fand sich eine Verwendung für Software-Roboter: Der Wechsel zum SaaS-Anbieter Workday zum Beispiel erforderte regelmäßige Audits, um die Integrität von Transaktionen und anderen Daten sicherzustellen. Anstatt Analysten Stichproben durchführen zu lassen, um festzustellen, ob die Daten ordnungsgemäß an Workday übertragen wurden, setzt State Auto Financial RPA-Software ein, um die Daten automatisch zu überprüfen.

Freiräume statt Stellenabbau

Insgesamt nutzt die US-Firma heute über 50 Bots, die Dateneingaben und -prozesse automatisieren. Einsatzgebiete sind unter anderem die Schadensaufnahme, das Personalmanagement und Sales-Prozesse. Holly Uhl, Director Operational Excellence & Robotics von State Auto Financial, errechnete dadurch für das Unternehmen eine Einsparung von über 60.000 Arbeitsstunden im Jahr.

Arbeitsplätze seien dadurch allerdings nicht abgebaut worden, behauptet Tacchetti. "Es muss niemand für eine Versicherungspolice in die Tasten hauen, wenn man sich auch auf Kundenbetreuung, Service oder Verkauf konzentrieren kann", so der CIO. "Wir können die hochgradig stupide Arbeit auslagern und die Mitarbeiter komplexere Aufgaben übernehmen lassen."

Zu diesem Schluss kommen auch erste Wissenschaftler: Erik Brynjolffson, Direktor der MIT Initiative on Digital Economy, bestätigte zum Beispiel in einem Interview mit dem Magazin Wired: "Ich stehe hinter der Behauptung, dass kein massenhafter Abbau von Arbeitsplätzen stattfindet. Was tatsächlich passiert, ist, dass Teile von Jobs durch KI ersetzt werden, aber auch von Robotics."

Mit Material des IDG News Service