Definition und Standards fehlen

7-Punkte-Plan für Cloud Computing

30.09.2010 von Andreas Schaffry
Noch immer hindern fehlende Standards Firmen, Cloud-Dienste zu integrieren. Wer IT aus der Wolke nutzt, muss vorab klären, ob sie zur eigenen Landschaft passt.

Die Welt der IT befindet sich im Umbruch. Viele Elemente der in Unternehmen heute eingesetzten Plattformen sind durch Standardisierung und die Nutzung von Technologien zur Virtualisierung auf dem Weg zum Commodity-Geschäft.

Die IT-Trends lassen sich im Schichtenmodell darstellen. Basis bildet die IT-Plattform, darüber liegt die darauf gesetzte Service-Schicht und ganz oben der Mechanismus für deren Bereitstellung.

Damit lassen sich kaum mehr Wettbewerbsvorteile erzielen. Firmen, die den Wertbeitrag ihrer IT zum Business erhöhen und die Profitabilität steigern wollen, müssen in der Lage sein, die vorhandene IT-Plattform rasch um neue Software-Funktionen sowie IT-Services zu ergänzen und zu erweitern.

Definitions-Wirrwarr ärgert Anwender

Genau an dieser Schnittstelle gibt es Probleme, wie das englische Marktforschungsinstitut Freeform Dynamics in seinem Bericht "Thinking Beyond the Clouds. Supply, demand and service-centric IT" darlegt. Demzufolge entwickeln sich aktuell mehrere IT-Trends parallel zueinander. Zum einen ist das die schon erwähnte Vereinheitlichung und Standardisierung der IT-Plattformen.

Zum anderen verändert sich der Bezug von Software, Rechenleistung und IT-Services. Dafür stehen die Schlagworte Cloud Computing sowie Software as a Service (SaaS). Hier gibt es inzwischen eine Vielzahl von Angeboten. Doch genauso groß ist die Begriffsverwirrung, denn fast jeder Anbieter hat seine eigene Definition.

Es gibt - abhängig von der Infrastruktur - verschiedene Hosting-Umgebungen. Das reicht vom klassischen Outsourcing bis zur dynamischen Modellen für die Bereitstellung von IT-Leistungen.

Hinzu kommt, dass es bislang zu wenig De-facto- bzw. De-jure-Standards in bestimmten Bereichen gibt, etwa für die Zusicherung der Service-Verfügbarkeit im Bereich der Shared Services. Auch Service-Provider und IT-Integratoren beteiligen sich am Begriffswirrwarr. Diese bezeichnen sich nun als "Virtual Service Provider", obwohl sie oft nur klassische Outsourcing-Leistungen erbringen. Das sind der Betrieb und die Wartung von Applikationen und IT-Infrastrukturen.

Kein Cloud-Abenteuer

Statt sich Hals über Kopf in ein Cloud-Abenteuer zu stürzen, müssen Unternehmen zunächst eine Analyse über den zu erwartenden geschäftlichen Nutzen durchführen. Das erfordert eine klare Sicht auf die eigenen technologischen Möglichkeiten im Hinblick auf die Integration von und die Interoperabilität mit bestehenden Cloud-Computing-Angeboten.

Werden zugleich interne und externe gehostete Services miteinander kombiniert, müssen diese ebenfalls orchestriert, eingebunden und verwaltet werden. Auch ist zu klären, welche Cloud-Services benötigt werden und welchen Einfluss diese auf die eigene Organisation und den Arbeitsalltag der Endanwender haben.

7-Punkte-Plan

Die Marktforscher raten Firmen, die sich mit Cloud Computing beschäftigen und Cloud-Services nutzen wollen, einen konkreten Business Case dafür zu definieren. Folgende sieben Punkte sind dabei zu berücksichtigen:

1. Der Grad der Interoperabilität und Integration mit vorhandenen Systemen und Services.
2. Richtlinien zur Datensicherung, zum Risiko-Management sowie zu IT-Sicherheit und Compliance. Diese hängen davon ab, wo die Geschäftsdaten gespeichert sind.
3. Geschäftsrisiken abschätzen für den Fall, dass ein Cloud-Service über einen längeren Zeitraum nicht verfügbar ist.
4. Management-Aspekte, wie etwa Service-Management, Konfigurations-Management, Service Desk und Support.
5. Skalierbarkeit der IT-Architektur. Das ermöglicht den bedarfsgerechten Bezug von Services, etwa in Form von Rechenleistung.
6. Konzepte für Business Continuity und Disaster Recovery.
7. Möglichkeit, den IT-Lieferanten schnell und problemlos zu wechseln.