Leicht, klein & ausdauernd

Apple iPad mini mit 7,9-Zoll-Display im Test

12.11.2012 von Christian Vilsbeck
Apple betritt mit dem iPad mini das Parkett der kleinen Tablets. Durch sein 7,9-Zoll-Display will sich der Neuling von der 7-Zoll-Konkurrenz abheben. Und Preise ab 329 Euro distanzieren das iPad mini von günstigen Einsteigermodellen. Das Mini überzeugt durch hohe Qualität, gute Handhabung und lange Akkulaufzeit. Schwächen gibt es aber auch.

Apples iPad 3 entlockte beim ersten Betrachten Begeisterung für das hochauflösende Retina-Display. Dieser Effekt bleibt beim iPad mini aus. Doch wer das neue Mini-Tablet erstmals in Händen hält, zeigt sich sofort von der Leichtigkeit überrascht. Dann folgt schon ein "niedlich" oder "putzig" - insbesondere von weiblichen Probanden. Was ist also das iPad mini? Ein Tablet für Frauen, das bestens in die Handtasche passt?

Mit Preisen ab 329 Euro ist es jedenfalls das günstigste jemals von Apple bis dato angebotene Tablet. Das alte iPad 2 gibt es für 399 Euro, ein iPad der vierten Generation kostet mindestens 499 Euro. Während die "großen" Brüder auf ein 9,7-Zoll-Display setzen, will das iPad mini mit seinem 7,9-Zoll-Bildschirm durch mehr Mobilität und Leichtigkeit glänzen.

In Fakten bedeutet dies beim iPad mini eine 4,1 cm geringere Höhe und sogar eine 5,1 cm geringere Breite. Mit 200 x 134,7 mm passt das iPad mini zwar in die wenigsten Innentaschen von Jackets, aber in fast jede Handtasche problemlos. So oder so zerrt das kleine Apple-Tablet mit einem Gewicht von nur 308 Gramm wenig an Taschen jeglicher Art. Zum Vergleich: Ein iPad 3 / iPad 4 wiegt 652 Gramm, ein Google Nexus 7 bringt 340 Gramm auf die Waage und ein Samsung Galaxy Tab 2 (7.0) ist 344 Gramm schwer. Das iPad mini ist mit einer Dicke von nur 7,2 mm auch deutlich schlanker im Vergleich zu den 9,4 mm des großen Modells.

Design & Haptik

Beim Design ist das iPad mini ein Mix aus dem iPhone 5 und dem großen iPad. Die Gehäuseabrundungen sind wie bei den 9,7-Zoll-iPads. Entsprechend schmeichelt das Mini der Hand, scharfe oder unangenehme Kanten sind Fehlanzeige. Wie bei den großen Modellen ist das Gehäuse des iPad mini aus Aluminium hergestellt. Apple bietet das kleine Tablet in den Farben "Schwarz & Graphit" und "Weiß & Silber" an. Bei der Farbgebung orientiert sich das iPad mini direkt am iPhone 5.

Das schwarze iPad mini besitzt nun auch eine dunkel gefärbte Rückseite. Wie beim iPhone 5 ist das Aluminium eloxiert und somit ebenfalls sehr kratzempfindlich. Wer es also öfters über den Tisch zieht, läuft schnell Gefahr, sich hässliche Kratzer einzuhandeln. Beim Modell "Weiß & Silber" gibt es ebenfalls analog zum iPhone - sowie den bisherigen iPads - eine ungefärbte Aluminiumrückseite. Apple bietet für das iPad mini wie bei den großen iPads ein Smart Cover an. Allerdings erfolgt die Verankerung nicht mehr über Alu-Gelenke, sondern über das flexible Smart-Cover-Material selbst. Dadurch werden Abriebspuren an der Gehäuseseite vermieden. Gemein mit dem iPhone 5 ist die laut Apple mit monokristallinen Diamanten geschnittene 45-Grad-Gehäuseoberkante.

Trotz der Leichtigkeit zeigt sich das iPad mini in der von Apples Tablets gewohnten hohen Verarbeitungsqualität. Knarzen und sich verbiegende oder verwindende Gehäuseteile sind bei normaler Handhabung dem Unibody-Aluminiumgehäuse nicht zu entlocken - hier müsste man schon rohe Gewalt anwenden.

Handhabung & Bedienung

Durch 7,9-Zoll-Bildschirm sind die Abmessungen des iPad mini auf 200 x 134,7 mm geschrumpft. Zum Vergleich: das iPad 3 breitet sich auf 241,2 x 185,7 mm aus. Die Größe des iPad mini ist laut Apple genau so gewählt, dass es sich noch problemlos mit einer Hand fest halten lässt. Im Test funktioniert das einhändige Halten im Hochformat auch sehr gut. Zusammen mit dem Gewicht von nur 308 Gramm kann man das iPad mini ohne große Anstrengung relativ lange einhändig halten. Beim "großen" iPad mit 652 Gramm strengt das Halten mit einer Hand schon nach wenigen Minuten an - auch, weil es sich nicht umklammern lässt.

Durch den sehr dünnen Rahmen links und rechts (iPad mini im Hochformat) liegt der Daumen unweigerlich auf dem Display. Allerdings hat dies keinerlei Einfluss auf die Touch-Bedienung. Selbst wenn der Daumen großflächig auf dem Display liegt, finden daraufhin keine Aktionen statt. Mit der anderen Hand lassen sich wie gewohnt per Gesten und Tippen alles bedienen. Apple hat in iOS 6 die Daumenerkennung speziell für das typische einhändige Halten beim iPad mini angepasst.

Platzsparend: Der Rahmen um das Display ist links und rechts sehr schmal.

Der Home-Button ist beim iPad mini leicht geschrumpft. An der Bedienbarkeit ändert sich dadurch im Vergleich zum großen iPad allerdings nichts. Hält man das iPad mini im Querformat in der Hand und will mit beiden Daumen schreiben, so sind die inneren Tasten noch immer schwer zu erreichen. Allerdings lässt sich auch beim Mini die Tastatur teilen. Insbesondere im Hochformat fällt mit der Split-Tastatur das Schreiben mit den Daumen sehr leicht - hier macht sich wiederrum das geringe Gewicht des iPad mini auch positiv bemerkbar.

Wer sein iPad mini mit einem Backup - lokal oder aus der iCloud - wiederherstellen will, kann beispielsweise problemlos die Sicherung eines iPad 3 verwenden. In unserem Test wurden die Apps und Daten wie gewohnt zurückgespielt. Wer will, kann mit dem iPad mini auch sprechen: Siri wird unterstützt. Auch die 3D-Karten von großen Städten zeigt iOS 6 auf dem Mini-Tablet an.

Ausstattung: A5, LTE & Stereo-Lautsprecher

Apples iPad mini gibt es wie die 9,7-Zoll-Varianten wieder mit 16, 32 oder 64 GByte Speicherplatz an. Wenig überraschend wird auch beim 7,9-Zoll-Tablet auf eine Speichererweiterung via microSD-Card-Slot verzichtet. Der mit dem iPhone 5 eingeführte Lightning-Connector sorgt auch beim iPad mini für Kontakt mit dem PC. Außerdem erfolgt darüber der Ladevorgang des Minis. Apple legt dem iPad mini das vom iPhone bekannte 5-Watt-Netzteil bei. Die stärker dimensionierten 10-Watt-Netzteile vom großen iPad können aber ebenfalls für den Ladevorgang verwendet werden.

Alles neu: Neben dem Lightning-Connector besitzt das iPad mini auch Stereo-Lautsprecher. Wirklich Sinn machen diese bei der räumlichen Nähe nicht.

Drahtlosen Kontakt mit der Außenwelt nimmt das iPad mini über WLAN nach dem Standard 802.11a/b/g/n auf. Wie bereits beim iPhone 5 unterstützt das Mini neben dem bisherigen 2,4-GHz-Band zusätzlich das weniger überfüllte 5-GHz-Band. Gerade bei stark frequentierten Hotspots - die auch 5 GHz unterstützen - sollte einfacher eine Verbindung zustande kommen.

Wer mit dem kleinen Apple-Tablet auch unterwegs online sein will, der kann zur Mobilfunkvariante greifen. Das in Deutschland angebotene iPad mini unterstützt wie das iPhone 5 die LTE-Bänder 1 (2100 MHz), 3 (1800 MHz) und 5 (850 MHz). Von diesen Frequenzbändern profitiert nur die Telekom durch sein 1800-MHz-Band. Vodafone und O2 setzen auf eine LTE-Frequenz von 800 MHz, was auch vom iPad mini nicht unterstützt wird. Steht LTE nicht zur Verfügung, so unterstützt das iPad mini auch HSPA+ und DC-HSDPA. Als Mobilfunkkarte ist wie beim iPhone 5 eine Nano-SIM notwendig. Bluetooth ist bei Apples neuem Tablet-PC in der Version 4.0 ebenfalls mit an Bord.

Die Kameraausstattung des iPad mini entspricht dem iPad 4. Somit gibt es auf der Gehäuserückseite die 5-Megapixel-Kamera "iSight". Damit lassen sich Full-HD-Videos aufnehmen. An der Gehäusefront findet sich für Videotelefonie eine 1,2-Megapixel-Kamera "Facetime HD". Ungewöhnlich sind dagegen die im iPad mini erstmals verbauten Stereo-Lautsprecher. Allerdings ermöglichen die links und rechts vom Lightning-Connector angeordneten Lautsprecher schon durch ihre räumliche Nähe keinen wirklich "hörbaren" Stereoeffekt.

Bildschirm: Qualität & Darstellung

Apple betont ausdrücklich, dass der 7,9-Zoll-Bildschirm des iPad mini 35 Prozent größer ist als bei 7-Zoll-Tablets. Damit sei natürlich alles leichter zu lesen und zu bedienen. Mit dieser Aussage will sich Apple von Konkurrenten wie dem Google Nexus 7 oder Samsung Galaxy Tab 2 (7.0) abgrenzen. Außerdem war da ja noch Steve Jobs Spruch "Death on arrival" zu den 7-Zoll-Tablets wie dem ersten Samsung Galaxy Tab.

Nichtsdestotrotz bietet das iPad mini mit seiner Bildschirmauflösung von 1024 x 768 Pixel bei größerem Display mit 163 ppi eine geringere Pixeldichte als beispielsweise ein Nexus 7 mit 1280 x 800 Bildpunkten und 216 ppi. Und im direkten Vergleich mit dem iPad 3 oder iPad 4 fällt das Mini-Tablet weit zurück: Das Retina-Display mit 2048 x 1536 Pixel Auflösung kommt auf einen Wert von 264 ppi. Entsprechend empfindet man die Darstellung auf dem iPad mini schnell auch als unscharf. Insbesondere beim Lesen von Webseiten wirken Buchstaben in der Ansicht ohne Zoom schnell etwas grobkörnig.

Wer kein Retina-iPad kennt, für den wirkt der Bildschirm allerdings gut und ordentlich aufgelöst. Immerhin ist die Darstellung im Vergleich zu einem iPad 2 oder dem Ur-iPad, die ebenfalls 1024 x 768 Pixel auflösen, durch den kleineren Bildschirm klarer. Durch den 9,7-Zoll-Schirm gibt es bei den älteren iPads nur 132 ppi.

Tablet-Displays im Vergleich

Tablet

Diagonale (Zoll)

Auflösung (Pixel)

Punktedichte (ppi)

iPad mini

7,9

1024 x 768

163

iPad 2

9,7

1024 x 768

132

iPad 3 / iPad 4

9,7

2048 x 1536

264

Google Nexus 7

7

1280 x 800

216

Google Nexus 10

10,1

2560 x 1600

300

Samsung Galaxy Tab 2 7.0

7

1024 x 600

170

Wenig Anlass zur Kritik gibt es beim iPad mini dagegen beim Kontrastverhältnis und dem Einblickwinkel. Auch die maximale Helligkeit von 430 Cd/m², die wir mit unserem Minolta Color Analyzer ermittelten, liegt im Bereich eines iPad 3 mit 435 Cd/m². An die Farbbrillianz des Retina-Displays vom iPad 3 und iPad 4 kommt das iPad mini jedoch nicht heran. Allerdings ist die Darstellung von weiß auf dem iPad mini besser und ohne den leicht erkennbaren Rotstich (volle Helligkeit, dunkler Raum) unseres iPad-3-Modells.

Einen Vorteil hat die bekannte Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkte für Apple natürlich: Alle bisher schon auf dem Ur-iPad und iPad 2 optimierten Apps laufen ohne Anpassung auch auf dem iPad mini.

Performance & Akkulaufzeit

Apple spendiert dem iPad mini den Dual-Core-Prozessor A5 mit 1,0 GHz Taktfrequenz, der in ähnlicher Form bereits beim iPad 2 zum Einsatz kommt. Auch der Arbeitsspeicher entspricht mit 512 MByte der Dimensionierung des iPad 2. Beim iPad 3 nutzt Apple die Dual-Core-CPU A5X mit 1,0 GHz und 1024 MByte RAM. Bei normalen Arbeiten reagiert das iPad mini gewohnt flüssig und verzögerungsfrei. Auch die 3D-Karten lassen sich angenehm schnell in der Ansicht rotieren; allerdings arbeitet ein iPad 3 hier nochmals schneller. Beim Scrollen und Zoomen von Webseiten gibt es dagegen kaum Anlass zur Kritik.

Geht es um die reine Rechenleistung unter iOS 6.0.1, so liegt der A5 des iPad mini auf dem Niveau des iPad 2. Bei den Fließkomma- und Speicher-intensiven Benchmark Linpack erreicht das iPad mini mit 126 MFLOPS ziemlich genau die Performance des iPad 2. Der A5X vom iPad 3 schafft mit 142 MFLOPS eine etwas höhere Geschwindigkeit. Zum Vergleich: Der A6 des iPhone 5 bietet mit 590 MFLOPS eine deutlich bessere Performance. Ein ähnliches Kräfteverhältnis zeigt auch der JavaScript-Test mit dem Benchmark SunSpider. Hier liegen das iPad mini und iPad 2 mit rund 1460 ms auf einem Niveau, die dritte Generation ist mit 1430 ms minimal schneller. Das iPhone 5 arbeitet das Skript mit 905 ms aber wieder deutlich flinker ab. Auch Googles JavaScript-Benchmark Octane zeigt dieses Verhalten: das iPad mini erreicht mit 921 Punkten knapp das Niveau des iPad 3 mit 930 Punkten.

Akkulaufzeit

Apple verbaut beim iPad mini einen 16,3-Wh-Lithium-Polymer-Akku. Damit sind laut Apple 10 Stunden beim Surfen im Internet via WLAN möglich. Im Mobilfunkbetrieb sollen 9 Stunden möglich sein. Der Akku des iPad mini ist somit deutlich kleiner dimensioniert als im iPad 2, das über einen 25-Wh-Energiespender verfügt. Beim iPad 3 ist eine 42,5-Wh-Variante verbaut.

Im typischen Betrieb mit aktivem WLAN mit Browsen im Internet, Videos abspielen und Apps testen hielt das neue iPad mini rund 9,5 Stunden durch. Die Helligkeit war auf 50 Prozent (Mittelstellung) geregelt, die Auto-Helligkeit deaktiviert. Damit schafft das Mini-Tablet die Laufzeit des iPad 3, welches in unserem Praxistest gute 9 Stunden durchhielt. Unsere Kollegen von der Macwelt entlockten dem iPad mini beim Dauersurfen im Web 10 Stunden und 26 Minuten - ebenfalls etwas mehr als beim iPad 3. Mit voll aufgedrehter Helligkeit zeigt das iPad mini bei unserer Schwesterpublikation beim Abspielen eines h.264-Videos eine Ausdauer von 7:17 Stunden.

Fazit

Für Zuhause oder das Büro bleibt das große iPad nach wie vor das bessere Tablet. Ein 9,7-Zoll-Display ist einfach angenehmer für Arbeiten jeglicher Art. Doch wer Gefallen am kleinen Formfaktor findet und für unterwegs ein leichtes Tablet will, kann bedenkenlos zum iPad mini greifen. Die Akkulaufzeit von rund 9,5 Stunden ist sehr überzeugend, der A5-Prozessor ist flink genug für die flüssige Bedienung.

Wer sich für ein iPad mini interessiert, sollte allerdings nicht den Fehler machen, sich vorher ein iPad 3 oder iPad 4 anzuschauen. Denn wer das hochauflösende Retina-Display kennt, empfindet den Bildschirm des Minis sofort als "unscharf". Ohne diese "Erkenntnis" ist der 7,9-Zoll-Bildschirm dennoch als gut zu bezeichnen. Das iPad mini überzeugt primär sowieso durch andere Attribute: das angenehm geringe Gewicht, bequemes Halten mit einer Hand und die Handtaschen-Kompatibilität.

Natürlich ist es mit 329 Euro in der 16-GByte-WiFi-Variante auch das günstigste iPad. Doch der Preis ist bei Apple-Käufern meist nicht das entscheidende Kriterium. Denn sonst wäre ein Google Nexus 7 in einigen Belangen besser: Hier bekommt man bereits für 199 Euro ein höher auflösendes Display und einen leistungsfähigen Quad-Core-Prozessor. Auch die Anzahl der Apps ist zwischen iOS und Android mittlerweile sehr ausgeglichen. Doch abseits von technischen Spezifikationen ist das iPad mini in Bezug auf Design, Verarbeitung, Haptik und Stabilität auch bei den kleinen Tablets führend - ein nicht zu unterschätzendes Kaufkriterium. (Tecchannel)