Andreas Strausfeld

Beharrliche Überzeugungsarbeit zahlt sich aus

11.07.2016 von Michael Schweizer
Anzeige  Die Weiterentwicklung der bisherigen Standardardsoftware bei den gesetzlichen Krankenkassen kostete Geld. BITMARCK-Chef Andreas Strausfeld hatte einige Überzeugungsarbeit zu leisten.

Andreas Strausfeld war von Anfang an dabei: Als BITMARCK im Jahr 2009 gegründet wurde, begann er dort gleich als Geschäftsführer. Er brachte viel Branchenerfahrung mit: In der DAK Unternehmen Leben war er zunächst als Sachbearbeiter und Kundenbetreuer und dann in der IT tätig gewesen, davon drei Jahre als CIO. Mittlerweile ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der BITMARCK Holding GmbH.

Andreas Strausfeld, CIO von BITMARCK, stieß bei den Mitarbeitern anfangs auf wenig Begeisterung.
Foto: Bitmarck

Standardsoftware für Gesetzliche Krankenversicherungen

BITMARCK wurde unter anderem mit dem Ziel gegründet, bei Betriebs-, Innungs- und Ersatzkrankenkassen "iskv_21c" einzuführen. Hierbei handelt es sich um eine Standardsoftware für gesetzliche Krankenversicherungen (GKV), die die ARGE ISKV, eines der Vorgängerunternehmen von BITMARCK, seit 2001 entwickelt hatte. Ungefähr 140 Kassen entschieden sich für iskv_21c. Heute sind es noch etwas mehr als 105, was nicht an Abwanderungen liegt, sondern an den Fusionen im GKV-Markt.

Die etwa 1400 BITMARCK-Mitarbeiter, die die Standardsoftware bei den Kunden installierten, mussten oft zugleich die IT-Systeme zweier bis dahin eigenständiger Unternehmen zusammenlegen. Zudem musste iskv_21c sich für sehr unterschiedliche Anwender eignen: Zu den BITMARCK-Kunden gehören Großkassen wie die DAK-Gesundheit mit sechs Millionen Versicherten, aber beispielsweise auch eine Betriebskrankenkasse mit drei Mitarbeitern. Sie alle sollten mit iskv_21c ihre Geschäftsmodelle optimieren können, und zwar auch mit Hilfe frei zu wählender "Umsysteme", also mit weiterer Software von Drittanbietern. Insgesamt betreuen die BITMARCK-Kunden von 28.000 IT-Arbeitsplätzen aus zirka 16,6 Millionen Versicherte.

Ende 2015 war iskv_21c fertig ausgerollt. Das Besondere war, dass bereits seit einiger Zeit die Arbeit an "21c/ng", der nächsten Software-generation in der GKV, begonnen hatte. Denn die gesetzlichen Krankenkassen durften und mussten mittlerweile konkurrieren. Sie sind gezwungen, sich mit Versorgung und Service voneinander abzusetzen. Leistungen, die es früher nur in den Filialen gab, müssen sie elektronisch und digitalisiert anbieten und zu diesem Zweck riesige Datenmengen auswerten. "Uns wurde schnell klar, dass wir die Funktionalitäten von iskv_21c ausbauen mussten, um langfristig am Markt vorne mit dabei zu sein", erinnert sich Strausfeld.

BITMARCK realisiert als IT-Partner bei den gesetzlichen Krankenversicherungen IT-Lösungen für Betriebs- und Innungskrankenkassen.
Foto: Bitmarck

Nicht von Anfang an begeistert

Ein neues GKV-Kernsystem zu entwickeln, hätte mutmaßlich Hunderte Millionen Euro gekostet. Die Alternative war eine grundsätzliche Weiterentwicklung des - eigentlich noch gar nicht - alten Systems. So begann im Jahr 2013 die Entwicklung von 21c/ng. Der studierte Wirtschaftsinformatiker Strausfeld hatte die architektonische Idee und arbeitete an der technischen Ausführung mit. Zum Projektteam gehörten zudem elf SOA-kundige Architekturspezialisten und je drei Methodenspezialisten und -architekten. Die neue Anwendung wurde auf Basis der Digital Business Platform der Software AG entwickelt.

Die Juroren des von CIO und COMPUTERWOCHE veranstalteten Wettbewerbs "CIO des Jahres 2015" wählten Strausfeld mit seinem Projekt unter die Top Ten in der Kategorie Mittelstand. Sie hatten wohl erkannt, wie anspruchsvoll das Nebeneinander von Implementierung und Neuentwicklung gewesen sein muss: Manche BITMARCK-Kunden arbeiteten noch mit ihrer Altsoftware und hatten die Implementierung von iskv_21c noch vor sich, als sie erfuhren, dass danach 21c/ng auf sie zukommen und von ihnen zu bezahlen sein würde.

Vor allem kleinere Kunden waren davon nicht von Anfang an begeistert. Strausfeld argumentierte hier mit der Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität des neuen Systems sowie den damit einhergehenden Möglichkeiten zur Prozessoptimierung: "Letztlich wurde allen klar, dass sie aufgrund der notwendigen technischen Weiterentwicklung auf 21c/ng wechseln müssen." Neukunden können direkt damit einsteigen.

Überzeugungsarbeit musste Strausfeld auch bei den eigenen Mitarbeitern leisten. Viele waren sehr erfahren in klassischer Programmierung, entwickelten unter anderem für 21c/ng aber zum ersten Mal agil nach Scrum. Das war "zuerst nicht ganz einfach", Strausfeld war als Change-Manager und Weiterbildungs-Organisator gefragt.

Die ersten Kunden haben inzwischen 21c/ng in Betrieb. Sie äußern sich, wie Strausfeld schildert, sehr positiv. Gelobt werden die Abbildung übergreifender Sichten, zum Beispiel die 360-Grad-Sicht auf jeden Kunden, und die bessere Abbildung von Workflows.

Damit es nicht noch einmal eines so großen Wurfs bedarf, soll 21c/ng kontinuierlich fortentwickelt werden. Für 2017 sind weitere Workflows und eine zentrale Aufgabensteuerung über den elektronischen Postkorb gefragt, zudem sollen sich Umsysteme noch einfacher anbinden lassen. Strausfeld ist optimistisch: "Das Ausmaß der Digitalisierung und die positiven Folgen für den Gesundheitsbereich sind noch gar nicht umfassend abzusehen."

Projektsteckbrief

Name des Projekts: 21c/ng.

Projektart: Weiterentwicklung einer Standardsoftware für gesetzliche Krankenversicherungen

Branche: IT im Gesundheitswesen.

Zeitrahmen: Ende 2012 bis Juni 2015.

Stand heute: Marktreife erreicht, Implementierung läuft.

Umfang: 105 Krankenkassen mit 28.000 Arbeitsplätzen.

Aufwand: 40 Mitarbeiter, davon rund die Hälfte extern.

Produkte: Digital Business Platform (Software AG) mit Aris, Alfabet,

Ergebnis: Digitale Geschäftsmöglichkeiten, bessere Abbildung von Workflows, 360-Grad-Sichten, einfache Integration kassenindividueller Anpassungen und von Partnersystemen.

Herausforderung: Intern und extern schnelle Abfolge von Neuerungen.

Nächster Schritt: Laufende Weiterentwicklung

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